Avast will seine aufgeflogene Spitzel-Abteilung jetzt auflösen

Avast hat auf die Enttarnung seines Geschäfts mit den Daten von Millionen Nutzern reagiert und die Geschäftspraxis erst einmal gestoppt. Möglicherweise endet dies auch darin, dass die Tochterfirma Jumpshot komplett geschlossen wird. Das Unternehmen hatte man ursprünglich im Jahr 2013 als Hersteller eines Clean-up-Tools für PCs übernommen. Zwei Jahre später stellte Avast den Schwerpunkt der Tätigkeit dieser Tochter dann aber auf die Datenanalyse um. Von da an nutzte Jumpshot die privilegierte Position der Produkte des Mutterkonzerns, um Analysen zum Nutzerverhalten an die Werbe­industrie zu verkaufen. Das hatten die US-Magazine PCMag und Motherboard in einer gemeinsamen Recherche herausgefunden.

Die Angelegenheit ist besonders perfide. Immerhin installieren Nutzer die Software von Unternehmen wie Avast, weil ihnen immer wieder suggeriert wird, ihre Daten würden so besser vor dem Zugriff unbefugter geschützt. Im Grunde war dann genau das Gegenteil der Fall. Und während andere Datensammler noch begrenzt Zugriff haben, verfügt eine AV-Software meist über extrem weitgehende Rechte im System und gegenüber den Netzwerk­verbindungen.

Avast-Chef ist ganz betroffen

Solch ein Skandal kann einer Firma wie Avast aber eben auch einen so großen Vertrauens­verlust ein­bringen, dass auch andere Teile des Geschäfts­modells schwer in Mit­leiden­schaft gezogen werden. Management und Aufsichts­rat reagierten daher schnell und kappten den Zugang Jumpshots zu den Daten komplett, wie aus einem Bericht von ZDNet hervor­geht. Darüber hinaus wurden die Abnehmer der Daten in der Werbe­branche gebeten, sich unverzüglich mit dem Unter­nehmen in Verbindung zu setzen.

Avast-Chef Ondrej Vlcek äußerte in einem Blogpost Verständnis dafür, dass die Sache die Gefühle vieler Nutzer verletzt habe und es viele Fragen gebe. Den Worten nach fühle er sich auch persönlich verant­wortlich. Er wies aber darauf hin, dass er den Posten als Avast-Chef auch erst vor sieben Monaten übernommen und er seitdem alle Geschäfts­bereiche genau begut­achtet habe. Schon dabei sei er angeblich zu dem Schluss gekommen, dass die Geschäfts­praktik nicht zu Avast passe. Eine nicht genau bezifferte Zahl von Beschäftigten - es sollen mehrere hundert sein - werden nun wohl entlassen.

Siehe auch: Avast verdient kräftig am Verkauf von Nutzerdaten aus Antiviren-Apps
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