CCC stellt Alternative zur Kultur-Flatrate vor
Das Konzept trägt derzeit noch den etwas sperrigen Namen "Kulturwertmark" wurde nach Angaben des CCC in zweijähriger Diskussion mit Schriftstellern, Filmemachern, Malern, Podcastern, Galeristen und Journalisten entwickelt. Es soll darauf ausgelegt sein, eine möglichst breite Vielfalt von schöpferischer Tätigkeit zu belohnen. Im Vordergrund stehen dabei die Interessen der Kreativen, weniger hingegen die der Rechteverwerter.
In seinen Grundzügen erinnert das Konzept an eine Mischung aus dem Social Payment-Dienst Flattr und der Rundfunkgebühr. Jeder Teilnehmer zahlt einen festen monatlichen Betrag ins System ein, den er dann in Form von Kulturwertmark an Künstler seiner Wahl vergeben kann. So soll eine Form des digitalen Micropayments entstehen, bei der die Nutzer direkt bestimmen können, welche Kreativen wie viel Geld bekommen. Als Ausgleich für die verpflichtende Abgaben sieht der Entwurf vor, dass Werke nach einigen Jahren oder nach Erreichen einer bestimmten Kulturwertmark-Auszahlsumme jedem zur nicht-kommerziellen Nutzung zur Verfügung stehen.
Bisherhige Ideen wie die Kulturflatrate erschweren die Bildung einer Marktdynamik, die für eine breite Akzeptanz nötig ist, begründete der CCC die Entwicklung des neuen Modells. Da jeder Teilnehmer seine Kulturwertmark an die Künstler seiner Wahl geben kann, werden gute, breit akzeptierte Werke entsprechend besser belohnt.
Dadurch soll - so die Vorstellung des CCC - ein alternativer neuer Markt für digitale Werke entstehen, der eine direkte Bezahlung für Urheber vorsieht. Damit das System die gewünschte Wirkung zeigt und ein hinreichend großes Volumen erreicht, könnte beispielsweise jeder Nutzer durch einen Zuschlag zum Internet-Breitbandanschluss beteiligt werden, den er dann in Form von anonymen Micropayment-Einheiten, zum Belohnen von Werken seiner Wahl zurückerhält.
"Wir wollen raus aus den Grabenkriegen, in denen die Diskussionen bisher feststecken, hin zu einem zeitgemäßen, praktikablen Interessenausgleich", sagte CCC-Sprecher Frank Rieger. Im Rahmen des fairen Ausgleichs zwischen allen Interessensgruppen seien eine Reihe von grundlegenden Änderungen an den bestehenden Urheberrechtsmodellen notwendig. Insbesondere sollen die verwerterorientierten Prämissen des derzeitigen Urheberrechts überwunden und ein angemessener Ausgleich zwischen Autoren- und Rezipientenrechten erzielt werden.
"Mit der Kulturwertmark wird gleichzeitig die gerechte Entlohnung von Kreativen gesichert, die sinnlose Verfolgung des privaten, nicht-kommerziellen Filesharing beendet und eine deutliche Vergrößerung der digitalen Allmende erreicht", fasste Rieger die Vorteile des Systems zusammen. Die Basis für das Kulturwertmark-System soll von einer Stiftung als Open-Source-Software realisiert werden, so dass sie in Zukunft auch in anderen Ländern verwendet und weiterentwickelt werden kann.
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Christian Kahle
Redakteur bei WinFuture
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