Street View: Politik hat irrationale Ängste geschürt

Wirtschaft & Firmen Der Chef des IT-Branchenverbandes BITKOM, August-Wilhelm Scheer, hat den Umgang vieler Politiker mit Googles Panorama-Dienst Street View kritisiert und sieht diesen als beispielhaft für ihre Wahrnehmung des Internets an. Laut Scheer regt Street View bei weitem nicht so viele Menschen auf, wie es in der öffentlichen Wahrnehmung wirkt. Immerhin hätten nur drei Prozent der von der Abbildung ihrer Häuser betroffenen Haushalte Widerspruch eingelegt, sagte Scheer der 'Süddeutschen Zeitung'.

"Und selbst von diesen drei Prozent haben das viele meines Erachtens nur gemacht, weil sie von einigen Politikern verunsichert worden sind", so der BITKOM-Chef. Seiner Ansicht nach wurden von verschiedenen Politikern völlig irrationale Ängste geschürt.

"Wir bekamen Anrufe von Leuten, die befürchteten, man könne ihnen künftig in die Wohnräume schauen", berichtete er. Das Verhalten der Politik sei damit nicht besonders verantwortungsvoll gewesen, was sich seiner Meinung nach aber in den generellen Umgang mit dem Medium einreiht.

"Es ist doch kein Zufall, dass wir außer der Telekom kein einziges international aufgestelltes Internetunternehmen in Deutschland haben", so Scheer. Immerhin werde ständig nur von den Risiken des Internets gewarnt und die aus ihm entstehenden Chancen ausgeblendet.

Die Politik solle nicht immer nur über die mangelhaften Datenschutz-Standards ausländischer Anbieter klagen, sondern ein Klima schaffen, in dem innovative Dienste in Deutschland entstehen können. "Wir sitzen auf der Tribüne und beklagen uns, dass das Spiel nicht richtig läuft. Wir müssen mitspielen", erklärte Scheer.
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