"Fuck AI": Protestierende stürmen Microsoft-Rechenzentrumsbaustelle

Am Freitagmorgen haben Demonstranten eine Baustelle für ein neues Microsoft-Rechenzentrum in Amsterdam gestürmt. Die Aktivisten protestieren sowohl gegen den hohen Stromverbrauch von KI-Anlagen als auch gegen die Politik des Konzerns.
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  • Aktivisten besetzten eine Microsoft-Baustelle für Rechenzentren bei Amsterdam
  • Die Gruppe Geef Tegengas richtet den Protest gegen drei geplante Hohtürme
  • Mehrere Teilnehmer erklommen Baukräne und befestigten dort Protestbanner
  • Das Vorhaben umgeht ein lokales Verbot für den Bau neuer Rechenzentren
  • Kritiker befürchten enorme Stromverbräuche sowie Verzögerungen beim Wohnbau
  • Die Aktion reiht sich in internationale Proteste gegen KI-Bauten von Microsoft

Protest auf Microsoft-Baustelle

Am Freitagmorgen sind Demonstranten auf das Gelände eines im Bau befindlichen Microsoft-Rechenzentrums am Rand von Amsterdam eingedrungen. Zuvor hatte die Polizei einen Marsch zur Baustelle in der Nähe von Sloterdijk gestoppt. Die von der Aktivistengruppe Geef Tegengas (übersetzt in etwa "Widerstand leisten" oder "Setzt euch zu Wehr") mitorganisierte Aktion richtet sich gegen die Errichtung von drei 85 Meter hohen Türmen. Etwa 100 Personen drangen auf das Areal vor. Ein Sprecher von Geef Tegengas sprach von rund 500 Personen auf dem Gelände, Hunderte weitere seien draußen geblieben.

Einige Teilnehmer durchbrachen Zäune, während andere einen Baukran erklommen. Am Kran befestigten sie ein Transparent mit der Aufschrift "Fuck AI". Auf dem Gelände entrollten Demonstranten zudem ein Banner mit der Aufschrift "Microsoft powers genocide". Gleichzeitig skandierten die Demonstranten Parolen für ein freies Palästina. Die Polizei nahm daraufhin mehrere Personen fest. Zuvor hatte der Bürgermeister die Demonstration verboten, woraufhin Aktivisten versuchten, die Polizeikette zu durchbrechen.


Wie Reuters und The Verge berichten, umgeht das Projekt ein eigentliches Verbot der niederländischen Hauptstadt. Amsterdam hatte den Neubau von Rechenzentren Ende 2023 vorübergehend gestoppt und später bis 2030 untersagt, unter anderem wegen fehlenden Platzes und Stroms. Da die Pläne für den von Pure Data Centres errichteten Komplex jedoch bereits 2016 und damit vor dem Verbot eingereicht wurden, darf das Vorhaben weitergeführt werden. Zudem hat das Projekt, das alleine von Microsoft genutzt werden soll, einige Schlupflöcher genutzt, so Kritiker.

Energiehunger in der Kritik

Die Aktivisten befürchten starke Auswirkungen auf die lokale Infrastruktur. Geef Tegengas argumentiert, das neue Rechenzentrum werde so viel Elektrizität verbrauchen wie alle Haushalte in Amsterdam zusammen. Zudem werde das Projekt den Bau von 30.000 neuen Wohnungen verlangsamen. Die Stadtverwaltung warnt ebenfalls davor, dass Engpässe im Stromnetz Pläne für neue Wohnungen und Schulen gefährden. Bereits im Juli flogen bei Protesten von Klimaaktivisten Säure und Farbe über die Zäune des Baugeländes.

Der Vorfall in den Niederlanden ist Teil einer größeren Protestwelle gegen KI-Rechenzentren in Europa und den USA. In Dublin inszenierten Aktivisten am Dienstag einen militärischen Checkpoint vor einer Microsoft-Einrichtung. Im vergangenen Monat gab Microsoft zudem das größte Rechenzentrumsprojekt Großbritanniens auf, nachdem die örtlichen Netzbetreiber erklärt hatten, dass der Standort erst in den 2030er-Jahren mit Strom versorgt werde.

Wie bewertet ihr den wachsenden Widerstand gegen den Bau von KI-Rechenzentren? Teilt eure Gedanken und diskutiert mit uns in den Kommentaren!

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Witold Pryjda

Senior Redakteur

Seit 1996 im Journalismus, ausgebildet an der Österreichischen Medienakademie. Sein Spektrum reicht von Robotern und KI über E-Autos bis zur Militärtechnik.

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