Linux mit neuer CPU-Anforderung:
Ohne TSC läuft zukünftig nichts mehr

Nach Microsoft Windows macht nun auch Linux eine CPU-Funktion zur zwingenden Voraussetzung. Der Time Stamp Counter (TSC) für x86-Prozessoren ist ab sofort nicht länger optional. Uralt-Hardware wird damit endgültig aussortiert.
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Linux folgt Windows bei CPU-Pflicht

Einerseits feiern 53 Jahre alte Retro-Schnittstellen ihre Integration in den Linux-Kernel, andererseits misten die Entwickler aber auch konsequent aus. Mit Kernel 7.1 wurde bereits der Support für historische Chips wie den Intel 486 oder den AMD K5 aus dem Kernel entfernt. Das hat jetzt noch weitere Anpassungen zur Folge, denn nach Microsofts Windows macht nun auch das Open-Source-Betriebssystem spezifische CPU-Funktionen zu einer zwingenden Voraussetzung.

So ist der Time Stamp Counter (TSC) für x86-Prozessoren nicht länger optional. Mit einem Commit für aktuelle Kernel-Updates verschwindet der Kompatibilitätscode. Der erlaubte es bisher, das System für die angesprochenen alten Prozessoren ohne die Funktion zu kompilieren.


Der TSC ist ein 64-Bit-Register, das die seit dem Neustart der CPU vergangenen Taktzyklen zählt. Er bietet eine feingranulare Methode zur Zeitmessung. Gegenüber Mainboard-Timern wie dem High Precision Event Timer hat das Register den Vorteil, dass es direkt und ohne Umwege über den Kernel ausgelesen werden kann. Das spart Rechenzeit. Während das Auslesen des TSC wenige Taktzyklen dauert, benötigen Alternativen oft länger.

Linux mistet aus

Wie Phoronix berichtet, ist das Streichen der optionalen TSC-Unterstützung Teil der angesprochenen Aufräumaktion. Da alte Hardware nicht mehr unterstützt wird, kann das Betriebssystem sicher davon ausgehen, dass jeder verbleibende x86-Prozessor über einen entsprechenden Zähler verfügt.

Microsoft vollzog einen ähnlichen Schritt bereits vor über zehn Jahren. Mit Windows 8 wurde der TSC zur Standardbasis für hochauflösende Leistungsmessungen. Linux pflegte hingegen weiterhin Code für Hardware aus den späten 1980er Jahren. Das lag daran, dass das freie Betriebssystem traditionell eine breite Abwärtskompatibilität bieten wollte, die nun aber zum Teil abgebaut wird.

Historie des Taktzählers

Die Einführung des TSCs erfolgte im Jahr 1993. Anfangs gab es jedoch Probleme mit der Energieverwaltung. Wenn ein Prozessor seinen Takt senkte, verlangsamte sich auch der Zähler. Erst um das Jahr 2006 führten Intel und AMD Varianten ein, die mit einer konstanten Rate liefen. Das machte die Funktion zu einer verlässlichen Zeitquelle, unabhängig von den aktuellen Taktfrequenzen der einzelnen Rechenkerne.

Die aktuelle Code-Änderung im Linux-Kernel umfasst zwar nur wenige Zeilen, markiert aber das Ende einer über 30 Jahre andauernden Ära der Kompatibilität. Nutzer von modernen 64-Bit-Systemen werden von den Anpassungen im Alltag nichts bemerken. Betroffen sind lediglich Anwender, die extrem alte Embedded-Geräte oder Industrie-Controller aus den 1990er Jahren betreiben. Betroffene müssen künftig auf ältere Kernel-Versionen zurückgreifen, wenn sie ihre Systeme weiterhin wie gewohnt nutzen möchten.

Was meint ihr zu dem späten, aber konsequenten Schnitt bei der Hardware-Unterstützung? Seid ihr womöglich betroffen? Teilt eure Meinung gerne mit uns in den Kommentaren unter dem Artikel.

Zusammenfassung
  • Der Linux-Kernel fordert nun zwingend bestimmte Prozessor-Funktionen
  • Der Time Stamp Counter zur genauen Zeitmessung wird für x86 Pflicht
  • Die Linux-Entwickler misten alten Code aus und streichen Retro-Hardware
  • Betroffen sind nur extrem alte Industrie-PCs oder Embedded-Systeme
  • Moderne 64-Bit-Systeme bemerken im Alltag nichts von der Änderung

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