Wasserstoff-Bor-Reaktion:
China meldet Durchbruch bei Kernfusion

Ein chinesisches Unternehmen hat nach eigenen Angaben erstmals eine Wasserstoff-Bor-Fusionsreaktion in einem kommerziell betriebenen Fusionsgerät erzeugt. Die Ergebnisse stammen aus Experimenten mit dem kompakten Tokamak EXL-50U.
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SBQuantum

    Anderer Ansatz

    Bei der Kernfusion werden leichte Atomkerne unter extremen Bedingungen miteinander verschmolzen. Die internationale Forschung setzt dabei bislang vor allem auf eine Mischung aus Deuterium und Tritium. Dieser Brennstoff ist technisch vergleichsweise gut beherrschbar, hat jedoch Nachteile: Tritium kommt in der Natur nur in sehr geringen Mengen vor und ist radioaktiv. Zudem entstehen bei der D-T-Fusion energiereiche Neutronen, die Materialien des Reaktors mit der Zeit stark beschädigen können.

    ENN verfolgt deshalb einen anderen Ansatz, wie die South China Morning Post berichtete. Bei der Wasserstoff-Bor-Fusion reagiert ein Wasserstoffproton mit einem Bor-11-Kern. Dabei entstehen vor allem Heliumkerne, Alpha-Teilchen und Energie. Hochenergetische Neutronen werden bei diesem Prozess nicht freigesetzt. Wasserstoff und Bor-11 sind zudem wesentlich leichter verfügbar als Tritium. An dem Konzept arbeiten auch private Fusionsunternehmen wie TAE Technologies aus den USA und das deutsche Unternehmen Marvel Fusion.


    Die Reaktion stellt die Forscher allerdings vor deutlich höhere technische Anforderungen. ENN setzte deshalb nicht allein auf eine weitere Erhöhung der Plasmatemperatur. Stattdessen kombinierte das Team die Einspeisung energiereicher neutraler Teilchen mit Hochfrequenzwellen. Damit sollte gezielt jener Energiebereich angeregt werden, in dem die Fusionswahrscheinlichkeit besonders hoch ist.

    Noch lange kein Kraftwerk

    Auf diese Weise seien zahlreiche schnelle Protonen entstanden, die weitere Fusionsreaktionen begünstigten. Laut ENN wurde dadurch eine Reaktionsrate von mehr als 100 Millionen Fusionen pro Sekunde erreicht. Mehr als zehn Experten aus internationalen Forschungseinrichtungen und Universitäten überprüften die Ergebnisse dem Unternehmen zufolge bei einem speziellen Treffen. Die wiederholbare Messung der bei der Reaktion entstehenden Alpha-Teilchen habe die Beobachtung bestätigt.

    Der Schritt bedeutet allerdings noch keinen funktionsfähigen Fusionsreaktor zur Stromerzeugung. ENN gehört zu mehreren chinesischen Unternehmen, die kommerzielle Fusionsanlagen bereits bis 2035 oder früher entwickeln wollen. Zuletzt startete das Unternehmen den Bau des Fusionsprojekts Helong-2. Die Anlage soll als technische Plattform für ein kommendes Fusionskraftwerk dienen. Als nächstes Ziel nennt ENN eine Plasmatemperatur von 100 Millionen Grad Celsius.

    Zusammenfassung
    • Das Unternehmen ENN setzt auf die Fusion von leichtem Wasserstoff mit Bor-11
    • Gegenüber Tritium entstehen bei diesem Konzept keine gefährlichen Neutronen
    • Eine Kombination neutraler Teilchen mit Hochfrequenzwellen regte das Plasma an
    • Laut ENN wurden über einhundert Millionen Fusionsprozesse pro Sekunde erzielt
    • Internationale Experten bestätigten die Messungen der entstandenen Teilchen
    • Das Projekt Helong-2 soll die Basis für künftige Fusionskraftwerke bilden

    Siehe auch:
    Christian Kahle

    Redakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt

    Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.

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