Nach 53 Jahren: Retro-Schnittstelle feiert Linux-Kernel-Integration

Über ein halbes Jahrhundert nach der Einführung durch HP erhält der General Purpose Interface Bus (GPIB) stabile Treiber im Linux-Kernel 6.19. Warum die Schnittstelle für Messgeräte noch heute relevant ist und was das Update bedeutet, fassen wir zusammen.
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Treiber-Odyssee findet ein Ende

Heutzutage ist für manche Hardware aufgrund der Einstellung des Supports früh Schluss. So schickte Google etwa seine originale Pixel Watch Ende Oktober nach nur drei Jahren in Rente. Im Gegensatz dazu erhielten zuletzt die Radeon RX 580 GTS von XFS und ATIs R300-GPUs nach acht bzw. ganzen 20 Jahren neue Treiber. Doch das ist noch gar nichts im Vergleich zum folgenden Fall.

Geschlagene 53 Jahre nach der ursprünglichen Vorstellung der Technologie erhält der General Purpose Interface Bus (GPIB) nun offiziell stabile Treiberunterstützung im Mainline-Linux-Kernel. Mit der Veröffentlichung der Version 6.19 verlassen die entsprechenden Treiber den sogenannten "Staging"-Bereich, in dem Code traditionell auf seine Reife und Konformität geprüft wird, und werden fester Bestandteil des Kernels. Dieser Schritt markiert einen bedeutenden Meilenstein für die Unterstützung historischer Hardware und spezialisierter Labortechnik unter Linux, die auch heute noch in vielen Forschungseinrichtungen zu finden ist.


Weg aus dem Staging-Bereich

Die Pflege dieser Treiber oblag über Jahre hinweg einer Gemeinschaft von Enthusiasten, die den Code außerhalb des offiziellen Kernel-Baums warteten. Erst vor einiger Zeit wurden die Treiber in den Staging-Bereich von Linux aufgenommen, um sie an moderne Standards anzupassen. Wie Phoronix berichtet, hat Kernel-Maintainer Greg Kroah-Hartman jetzt bestätigt, dass der Code hinreichend bereinigt ist. Die Umstrukturierung umfasste diverse Anpassungen an aktuelle Coding-Richtlinien, womit die Unterstützung für die Schnittstelle langfristig im Kernel gesichert ist.

Bis heute in Gebrauch

Der ursprünglich von HP im Jahr 1972 entwickelte Bus, der intern als HP-IB bekannt war, diente primär der Verbindung von professionellen Messgeräten. Zu einer Zeit, als Intel gerade erst den 8008-Mikroprozessor auf den Markt brachte, etablierte HP damit einen Standard, der später als IEEE 488 normiert wurde. Die Schnittstelle bot eine robuste 8-Bit-Parallelübertragung. Ein besonderes Merkmal war der dreileitrige Handshake, der die Datenübertragung zwischen unterschiedlich schnellen Geräten synchronisierte, ohne dass Daten verloren gingen.
HP General Purpose Interface Bus (GPIB)Ein IEEE 488/GPIB-Stecker... HP General Purpose Interface Bus (GPIB)...und eine dazugehörige Buchse
Ein technisches Detail, das den Bus so langlebig machte, ist das sogenannte "Daisy-Chaining". Die Stecker sind stapelbar ausgeführt, was es erlaubt, Geräte in Reihe zu schalten. Bis zu 15 Instrumente können so an einem einzigen Controller betrieben werden, wobei die Gesamtkabellänge üblicherweise 20 Meter nicht überschreiten sollte. Während frühe Versionen vergleichsweise langsam arbeiteten, erlaubten spätere Revisionen wie HS-488 theoretische Geschwindigkeiten von bis zu acht MByte/s. Die jetzt integrierten Treiber unterstützen diverse Plug-in-Karten und USB-Adapter, die diese Kommunikation auf modernen Rechnern ermöglichen.

Nische für Retro-Hardware lebt

Obwohl Schnittstellen wie USB, Ethernet oder LXI den GPIB im Massenmarkt verdrängt haben, erfreut sich der Standard bei Sammlern und in physikalischen Laboren weiterhin großer Beliebtheit. Die extrem robuste Bauweise und die weite Verbreitung hochwertiger Messtechnik aus den 70er- und 80er-Jahren sorgen dafür, dass Oszilloskope und Multimeter aus dieser Ära noch heute produktiv eingesetzt werden. Die native Unterstützung im Kernel erleichtert die Ansteuerung dieser Geräte unter aktuellen Linux-Distributionen erheblich, da das mühsame Kompilieren externer Module entfällt.

Die jetzige volle GPIB-Integration unterstreicht die Strategie der Linux-Kernel-Entwickler, sowohl modernste Systeme als auch historische Industriestandards gleichermaßen zu pflegen und für die Zukunft zu bewahren.

Nutzt ihr noch alte Messgeräte mit GPIB-Schnittstelle im Labor auf der Arbeit oder im Hobbykeller? Wir laden euch herzlich ein, eure Erfahrungen und Setups in den Kommentaren zu teilen.

Zusammenfassung
  • Der Linux-Kernel 6.19 integriert GPIB-Treiber 53 Jahre nach Einführung
  • Die ehemals als HP-IB bekannte Schnittstelle wurde 1972 entwickelt
  • GPIB ermöglicht mit Daisy-Chaining die Verbindung von bis zu 15 Geräten
  • Der Treiber verlässt den Staging-Bereich und wird fester Kernelbestandteil
  • Enthusiasten pflegten die Treiber lange Zeit außerhalb des offiziellen Kernels
  • Durch robuste Bauweise ist GPIB in Laboren weiterhin beliebt
  • Moderne Linux-Distributionen unterstützen nun historische Messgeräte nativ

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