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Kaum aufzuspüren: Glasfaserkabel lassen sich als Wanze missbrauchen

Sicherheitsforscher haben eine neuartige Abhörmethode vorgestellt, bei der gewöhnliche Glasfaserkabel zu versteckten Mikrofonen werden können. Dies ermöglicht es, Gespräche mitzuschneiden, ohne dabei elektrische Signale oder Funkemissionen zu erzeugen.
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Minimale Verformungen messbar

Die Entdeckung wurde auf dem NDSS-Symposium 2026 präsentiert und stammt von einem internationalen Forschungsteam aus Hongkong. Im Zentrum der Forschungsarbeit steht die bislang unterschätzte Eigenschaft von Glasfasern, empfindlich auf akustische Schwingungen zu reagieren. Treffen Schallwellen auf ein Kabel, verursachen sie minimale Verformungen, die wiederum messbare Veränderungen im Lichtsignal innerhalb der Faser hervorrufen. Mithilfe spezieller Messtechnik lassen sich daraus die ursprünglichen Geräusche rekonstruieren, berichtet das Magazin CybersecurityNews.

Um die Empfindlichkeit zu erhöhen, entwickelten die Forscher einen speziellen Sensor: einen hohlen Kunststoffzylinder, um den Glasfaserleitungen gewickelt werden. Dieses Bauteil verstärkt Schalldruckschwankungen erheblich und kann unauffällig als gewöhnliche Anschlussbox getarnt werden, wie sie in vielen Haushalten und Büros im Rahmen von Glasfaseranschlüssen ohnehin installiert ist.


Die Angriffsmethode erfordert physischen Zugriff sowohl auf den Anschluss beim Nutzer als auch auf Teile des Glasfasernetzes. Laut den Forschern ist dieses Szenario realistisch, da Techniker, Subunternehmer oder externe Dienstleister regelmäßig Zugang zu solchen Installationen haben. Ein Angreifer könnte so unbemerkt entsprechende Komponenten platzieren.

In der Praxis getestet

Experimente im Labor und in realen Büroumgebungen zeigen die Leistungsfähigkeit der Methode: Gespräche konnten mit hoher Genauigkeit rekonstruiert werden, teilweise mit weniger als zehn Prozent Fehlerquote bei der Transkription. Auch die Position von sprechenden Personen ließ sich relativ präzise bestimmen, und typische Geräusche wie Tippen oder Husten wurden zuverlässig erkannt.

Besonders problematisch ist, dass die Technik ohne Stromversorgung auskommt und keine Funkstrahlung erzeugt. Dadurch bleibt sie für klassische Detektionssysteme ebenso unsichtbar wie für Ultraschall-Störsender, die bei herkömmlichen Wanzen wirksam sind. Ein ähnliches Prinzip wurde bereits genutzt, als Forscher zeigten, dass sich das Glasfaser-Backbone auch als globaler Erdbeben-Sensor einsetzen lässt. Als Gegenmaßnahmen empfehlen die Forscher unter anderem den Einsatz optischer Isolatoren sowie eine optimierte Verlegung der Kabel, um Schwingungen zu reduzieren. Zudem könnten schalldämmende Materialien das Risiko verringern. Einen anderen Ansatz verfolgt die Forschung im Bereich der Quantenkommunikation: Dort gelang kürzlich eine abhörsichere Quanten-Verbindung im echten Netz, die jede Manipulation sofort erkennbar machen würde.

Zusammenfassung
  • Glasfaserkabel können als versteckte Mikrofone zum Abhören missbraucht werden
  • Forschungsteam aus Hongkong präsentierte die Methode auf dem NDSS-Symposium
  • Schallwellen verformen Glasfasern und verändern das Lichtsignal messbar
  • Ein hohler Kunststoffzylinder verstärkt die akustische Empfindlichkeit
  • Der Sensor lässt sich unauffällig als gewöhnliche Anschlussbox tarnen
  • Gespräche wurden mit weniger als zehn Prozent Fehlerquote transkribiert
  • Die Technik erzeugt keine Funkstrahlung und benötigt keinen Strom

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