DSL oder Glasfaser? Pfennigfuchser haben Angst vor "hohen Kosten"

Bis 2035 soll das fast 30 Jahre alte Kupfernetz für DSL in Deutsch­land zu gunsten der Glasfaser abgeschaltet werden. Die Technik gilt als weniger störanfällig und energieeffizient. Viele Nutzer befürchten aber steigende Preise.
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Angst vor teuren Tarifen beim Wechsel

Rund zehn Millionen Haushalte nutzen weiterhin Anschlüsse mit bis zu 50 Megabit pro Sekunde. Für sie bedeutet der Wechsel eine finanzielle und technische Herausforderung. Oft reicht ihre bisherige Bandbreite für Anwendungen wie E-Mails oder gelegentliches Streaming aus, sodass wenig Anreiz für den Umstieg besteht.

Laut aktuellen Umfragen rechnen 42 Prozent der Nutzer nach der Umstellung mit höheren monatlichen Kosten. Beim Preis-Leistungs-Verhältnis sind die Sorgen jedoch häufig unbegründet. Wie das Vergleichsportal Verivox mitteilt, liegen Glasfaser-Tarife in mittleren Bandbreiten preislich auf dem Niveau älterer Anschlüsse. Höhere Geschwindigkeiten bieten zudem mehr Stabilität bei geringeren Kosten pro Megabit.


Ältere Verträge mit 16 Megabit pro Sekunde kosten oft weniger als 30 Euro, während Glasfaser-Angebote meist erst bei 150 Megabit pro Sekunde beginnen. Das führt zu höheren Grundgebühren. Vergleichbare Tarife für Wenignutzer sind bislang kaum verfügbar, das ist ein echtes Dilemma. Anbieter wie Telekom und Vodafone konzentrieren sich vor allem auf leistungsstärkere Anschlüsse. Branchenkenner fordern bezahlbare Einsteigertarife, damit auch Haushalte mit geringem Bedarf umsteigen können.

Jüngere Nutzer befürworten das Ende

Die Rolle des Kupfernetzes variiert nach Alter und Region. Unter den unter 29-Jährigen befürworten 62 Prozent den Wechsel, bei den über 50-Jährigen sind es nur noch 38 Prozent. Im Norden ist die Zustimmung höher als im Osten Deutschlands.

Neben Kosten sorgen auch andere Aspekte für Vorbehalte. 13 Prozent der Befragten erwarten eine geringere Anbieterauswahl. 23 Prozent empfinden den Wechsel als Bevormundung durch Politik und Netzbetreiber. Nur 15 Prozent sehen persönliche Vorteile im Alltag.Die Zustimmung zur DSL-Abschaltung ist seit 2024 leicht gestiegen.

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland beim Ausbau reiner Glasfasernetze allerdings weiterhin zurück. Infografik Breitband: Deutschland macht Fortschritte beim schnellen InternetBreitband: Deutschland macht Fortschritte beim schnellen Internet
DSL hat lange gute Dienste geleistet, kann jedoch mit den künftigen Anforderungen an Stabilität und Speed nicht mehr mithalten. Die Migration auf Glasfaser ist fraglos richtig, darf jedoch nicht mit Preiserhöhungen für Verbraucherinnen und Verbraucher einhergehen. Die Tendenz ist positiv - bereits heute ist Glasfaser für Neukunden oft bei sogar besserer Leistung günstiger als DSL. Noch Luft nach oben ist bei der Anbieterdichte: Aus Verbrauchersicht wäre es wünschenswert, in möglichst vielen Netzen zwischen mehreren Anbietern wählen zu können.
Jörg Schamberg, Telekommunikationsexperte bei Verivox

Basis der Umfrage

Die Basis der Verivox-Umfrage ist die repräsentative Umfrage von Innofact AG (März 2026, 1.028 Personen). Die Befragten entstammen einem ISO-zertifizierten Online-Panel mit rund 500.000 Teilnehmenden. Die Umfrage ist bevölkerungsrepräsentativ in Bezug auf Alter, Geschlecht und Bundeslandzugehörigkeit.

Habt ihr Bedenken wegen der Abschaltung alter Netze oder freut ihr euch auf schnelles Glasfaser-Internet? Teilt eure Meinung und Erfahrungen jetzt mit uns in den Kommentaren!

Wird Internet durch Glasfaser teurer?
Laut Umfragen befürchten 42 Prozent der Nutzer höhere Kosten. Das ist jedoch oft ein Missverständnis: Ein Vergleich zeigt, dass Glasfaser in mittleren Tarifstufen (ab 150 Mbit/s) preislich oft gleichauf oder sogar günstiger als DSL ist.

Wer viel Bandbreite für Cloud-Dienste oder VPNs benötigt, bekommt bei Glasfaser deutlich mehr Leistung fürs gleiche Geld. Ein Kostenrisiko besteht primär für Nutzer, die bisher mit sehr kleinen DSL-Tarifen (wie 16 Mbit/s) ausgekommen sind.
Gibt es günstige Einsteigertarife?
Hier liegt aktuell das größte Problem der Migration. Fast 10 Millionen Anschlüsse in Deutschland nutzen 50 Mbit/s oder weniger. Ein echtes Glasfaser-Äquivalent für einen günstigen 16-Mbit/s-DSL-Tarif gibt es auf dem Markt praktisch nicht.

Die meisten großen Provider starten bei 150 Mbit/s für rund 45 Euro monatlich. Eine Ausnahme bildet 1&1 mit einem 50-Mbit/s-Tarif für knapp 35 Euro. Verbraucherschützer fordern daher dringend kostenneutrale Umstiegsmöglichkeiten, auch für Wenignutzer.
Sinkt die Auswahl an Anbietern?
Etwa 13 Prozent der DSL-Nutzer befürchten eine geringere Tarifauswahl. Tatsächlich ist die Anbieterdichte im Glasfasernetz mancherorts noch ausbaufähig, da der Markt weniger stark reguliert ist als das historische Kupfernetz der Telekom.

Experten betonen jedoch, dass sich sogenannte Open Access-Modelle zunehmend etablieren. Dabei mieten sich verschiedene Provider in das physische Netz ein. Langfristig dürfte sich so auch bei Glasfaser ein gesunder Wettbewerb einstellen.
Werde ich zum Wechsel gezwungen?
Knapp ein Viertel der Nutzer empfindet die Umstellung als Bevormundung. Fakt ist: Aktuell wird niemand gezwungen. Da das Kupfernetz aber bis 2035 abgeschaltet wird, ist der Wechsel auf lange Sicht technisch unausweichlich.

Es empfiehlt sich, den Wechsel proaktiv anzugehen. Oft entfallen die teuren Anschlusskosten für die Verlegung ins Haus, wenn man sich während der ersten Ausbauphase in einer Gemeinde für einen Glasfasertarif entscheidet.
Hinkt Deutschland beim Ausbau hinterher?
Im europäischen Vergleich ist Deutschland tatsächlich spät dran. Andere Länder wie Estland, Schweden oder Spanien sind bei der Abschaltung ihrer Kupfernetze und der flächendeckenden Glasfasernutzung schon deutlich weiter.

Ein Grund dafür war die lange Zeit ausreichende Leistung von Vectoring-DSL, was den Leidensdruck minderte. Angeblich soll diese Verzögerung den Wirtschaftsstandort Deutschland bereits messbar bremsen, warnen einige Branchenexperten.
Zusammenfassung
  • Das Kupfernetz für DSL soll bis 2035 in Deutschland abgeschaltet werden
  • 42 Prozent der Nutzer rechnen nach der Umstellung mit höheren Kosten
  • Rund zehn Millionen Haushalte nutzen weiterhin langsame Anschlüsse
  • Glasfaser-Tarife mit mittleren Bandbreiten kosten ähnlich wie alte DSL-Anschlüsse
  • Anbieter wie Telekom und Vodafone konzentrieren sich auf leistungsstarke Anschlüsse
  • Unter 29-Jährige befürworten den Wechsel stärker als ältere Generationen
  • Glasfaserleitungen müssen bis ins Haus verlegt werden, um den Übergang zu sichern
  • Im europäischen Vergleich liegt Deutschland beim Glasfaserausbau weiterhin zurück

Siehe auch:


Großer Internet-Vergleichs-Rechner
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