Merkel ahnungslos: BND hörte US-Präsident Obama jahrelang ab

Lange galt die Empörung über die NSA-Überwachung von Merkel als Zäsur. Nun kommt heraus: Der BND hörte Ex-US-Präsident Obama in der Air Force One ab. Möglich machten dies ausgerechnet Sich­erheitslücken bei der Verschlüsselung über den Wolken.
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Boeing

Lauschangriff ohne offiziellen Auftrag

Der Satz "Ausspähen unter Freunden, das geht gar nicht", mit dem die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel 2013 auf die NSA-Affäre reagierte, erhält neue Brisanz. Nach aktuellen Berichten der Zeit hörte der Bundesnachrichtendienst (BND) über Jahre hinweg Gespräche des damaligen US-Präsidenten Barack Obama ab. Ziel war demnach die Kommunikation der Air Force One, des Regierungsflugzeugs der Vereinigten Staaten.

Technisch nutzte der deutsche Auslandsgeheimdienst Sicherheitslücken in der Übertragungstechnik des Flugzeugs. Während Verbindungen am Boden stark verschlüsselt waren, gilt die Kommunikation in der Luft als anfällig. Den BND-Mitarbeitern waren mehrere genutzte Frequenzen bekannt, über die Signale abgefangen werden konnten. Die Verschlüsselung sei zeitweise fehlerhaft oder gar nicht vorhanden gewesen.


Brisante Protokolle wurden geschreddert

Wie der Journalist Holger Stark in der Zeit und in seinem aktuellen Buch berichtet, gab es für die Überwachung keinen offiziellen Auftrag der Bundesregierung. Die USA galten als enger NATO-Partner nicht als legitimes Aufklärungsziel.

Innerhalb des BND entwickelte sich demnach eine Eigendynamik, getragen vom Bestreben, technologische Schwächen der US-Dienste auszunutzen und Einblicke in die amerikanische Führung zu gewinnen. Die gewonnenen Informationen wurden intern streng abgeschirmt. Der Umgang mit den Transkripten unterlag besonderen Sicherheitsregeln:

  • Es existierte lediglich eine einzige schriftliche Ausfertigung.
  • Diese wurde nur von der Führungsspitze gelesen und anschließend vernichtet.

In Berichte an das Kanzleramt flossen die Erkenntnisse lediglich in anonymisierter Form ein. Neben Obama war auch die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton betroffen.

Späte Reaktion des Kanzleramts

Politisch blieb die Operation lange unbemerkt. Angela Merkel soll keine Kenntnis von der Überwachung des US-Präsidenten gehabt haben. Erst 2014, im Zuge der Aufarbeitung der NSA-Affäre und interner Hinweise, ordnete der damalige Kanzleramtschef Peter Altmaier das Ende der Praxis an.

Der BND äußert sich zu operativen Vorgängen öffentlich nicht und verweist auf die Kontrolle durch die zuständigen Gremien des Bundestages.

Was denkt ihr über diese Enthüllungen und die damalige Sicherheitslücke der Air Force One? Schreibt uns eure Meinung gerne in die Kommentare!

Hat der BND Obama wirklich abgehört?
Laut aktuellen Medienberichten, die sich auf Recherchen der "Zeit" stützen, soll der Bundesnachrichtendienst (BND) tatsächlich jahrelang Gespräche des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama abgehört haben. Dies geschah angeblich ohne offiziellen Auftrag der Bundesregierung.

Die Überwachung soll vor allem stattgefunden haben, wenn Obama an Bord der Regierungsmaschine Air Force One telefonierte. Brisant ist dies besonders vor dem Hintergrund, dass Angela Merkel 2013 die US-Spionage gegen ihr eigenes Handy scharf verurteilt hatte.
Wie war das Abhören technisch möglich?
Der BND nutzte offenbar spezifische technische Schwachstellen aus. Während die Verschlüsselung der US-Kommunikation am Boden als extrem sicher gilt, war sie in der Luft laut Expertenmeinungen deutlich komplexer und fehleranfälliger.

Dem deutschen Dienst waren angeblich gut ein Dutzend Frequenzen bekannt, die die Air Force One für Telefonate nutzte. Da die Gespräche auf diesen Kanälen teilweise schlecht oder gar nicht verschlüsselt gewesen sein sollen, konnte der BND diese Kommunikation relativ einfach mitschneiden.
Warum gerade die Air Force One?
Die Regierungsmaschine war für den BND ein "verlockendes Ziel", da hier eine Sicherheitslücke klaffte. Die technische Herausforderung, stabile und hochverschlüsselte Verbindungen aus einem fliegenden Flugzeug zu gewährleisten, wurde offenbar unterschätzt oder war technisch damals schwerer lösbar.

Der BND agierte hier wohl opportunistisch: Es wurde nicht systematisch alles überwacht, sondern zugegriffen, sobald auf den bekannten, unsicheren Frequenzen Aktivität verzeichnet wurde.
Wusste Angela Merkel von der Aktion?
Nach bisherigen Erkenntnissen war die damalige Bundeskanzlerin nicht eingeweiht. Die Operation lief wohl an der politischen Führung vorbei. Merkel hatte nach dem NSA-Skandal 2013 noch den berühmten Satz geprägt: "Ausspähen unter Freunden, das geht gar nicht."

Erst 2014, nachdem bekannt wurde, dass auch Hillary Clinton abgehört worden sei, soll das Kanzleramt unter Peter Altmaier die Praxis gestoppt haben. Ob einzelne Mitarbeiter im Kanzleramt vorab Bescheid wussten, ist unklar.
Zusammenfassung
  • BND hörte jahrelang Gespräche von US-Präsident Barack Obama ab
  • Deutsche Spione nutzten Sicherheitslücken in der Air Force One aus
  • Abfangen der Kommunikation war ohne Auftrag der Bundesregierung
  • Transkripte wurden in höchster Geheimhaltungsstufe behandelt
  • Angela Merkel hatte keine Kenntnis von der Überwachung des Präsidenten
  • Kanzleramtschef Peter Altmaier stoppte 2014 die Abhöraktionen
  • Auch Hillary Clinton geriet ins Visier der deutschen Aufklärer

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