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SMRs in der Krise: Mini-Atomkraftwerke halten Versprechen nicht

Kleine modulare Kernreaktoren gelten bei manchen Akteuren seit einigen Jahren als Hoffnungsträger der Energiepolitik. Allerdings zeigt sich immer deutlicher, dass sie die Versprechen schlicht nicht halten können.
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Die Atombranche träumt

Kaum eine neue Technologie wurde zuletzt so offensiv beworben wie die sogenannten Small Modular Reactors (SMR). Sie sollen günstiger, schneller zu bauen und flexibler einsetzbar sein als klassische Atomkraftwerke. Doch während Regierungen und große Konzerne weiter auf die Mini-Meiler setzen, zeigen sich bereits deutliche Risse im optimistischen Bild, berichtet die Financial Times.

SMR unterscheiden sich vor allem durch ihre Größe von herkömmlichen Reaktoren. Selbst die leistungsstärksten Modelle kommen lediglich auf etwa 350 Megawatt und bieten damit nur einen Bruchteil der Kapazität großer Anlagen. Genau darin liegt ihr vermeintlicher Vorteil: geringere Anfangsinvestitionen und kürzere Bauzeiten sollen Atomstrom attraktiver machen, insbesondere im Zuge der globalen Energiewende. In Großbritannien rechnet man damit, dass erste SMR Mitte der 2030er Jahre ans Netz gehen könnten. Jüngst erhielt Rolls-Royce die Genehmigung, einen ersten Standort vor der walisischen Küste zu prüfen.


Internationale Organisationen teilen den grundsätzlichen Optimismus, allerdings unter Vorbehalt. Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass bis 2050 weltweit rund tausend solcher Reaktoren mit zusammen 120 Gigawatt Leistung entstehen könnten, sofern Politik, Industrie und Technik zusammenspielen. Das entspräche allerdings nur einem kleinen Teil der insgesamt geplanten Kernkraftkapazitäten.

An den Finanzmärkten ist die Begeisterung zuletzt deutlich abgekühlt. Mehrere US-Unternehmen aus dem SMR-Sektor haben massive Kursverluste hinnehmen müssen. Investoren zweifeln zunehmend daran, ob sich die Technologie wirtschaftlich durchsetzen kann. Denn obwohl die Anlagen kleiner sind, liegen die Kosten pro erzeugter Einheit Strom oft höher als bei großen Reaktoren. Zudem fehlt bislang ein einheitlicher Industriestandard: Weltweit existieren fast 130 unterschiedliche SMR-Konzepte.

Mehr strahlender Müll

Hinzu kommen bekannte Probleme der Atomenergie. Die Versorgung mit Uran ist geopolitisch heikel, die Anreicherung konzentriert sich auf wenige Staaten. Studien deuten außerdem darauf hin, dass SMR teilweise deutlich mehr radioaktiven Abfall produzieren als herkömmliche Kraftwerke. Sicherheitsfragen bleiben ebenfalls zentral - denn viele kleine Atomkraftwerke lassen sich längst nicht so einfach insbesondere vor terroristischen Anschlägen absichern wie eine große Anlage.

SMR werden damit wohl bestenfalls nur ein kleiner Baustein im zukünftigen Energiemix sein. Angesichts vieler konkurrierender Technologien und unsicherer Nachfrageentwicklungen zögern potenzielle Kunden, sich festzulegen. Auch Effizienzgewinne in anderen Bereichen, etwa bei Rechenzentren, könnten den Bedarf schneller verändern als erwartet.

Zusammenfassung
  • SMRs werden als günstiger und flexibler als klassische AKWs beworben
  • Mini-Meiler sollen mit bis zu 350 Megawatt nur einen Teil der üblichen Leistung bringen
  • Erste SMRs könnten in Großbritannien Mitte der 2030er Jahre ans Netz gehen
  • Die Kosten pro erzeugter Stromeinheit liegen bei SMRs oft höher als bei großen AKWs
  • Es existieren weltweit fast 130 unterschiedliche SMR-Konzepte ohne Industriestandard
  • SMRs produzieren laut Studien teilweise deutlich mehr radioaktiven Abfall
  • Sicherheitsbedenken und geopolitische Risiken bei der Uranversorgung bleiben bestehen

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