Illegaler Kundenfang: 1N Telecom schaltet neues Inkassobüro ein

Die Verbraucherzentralen gehen seit einiger Zeit gegen diverse Metho­den vor, mit denen ein Internet- und Telefon-Anbieter versucht, Ver­träge unterzuschieben, Schadensersatz zu fordern und über Inkasso­dienste strittige Forderungen einzuholen. Jetzt gibt es Neuigkeiten.
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Neue Wende im 1N-Telecom-Skandal

Der Ärger um die dubiosen Geschäftspraktiken der 1N Telecom GmbH geht in die nächste Runde. Das in Düsseldorf ansässige Unternehmen, das für seine fragwürdigen Methoden bei der Kundenakquise bekannt ist, hat einen neuen Weg gefunden, um seine umstrittenen Forderungen durchzusetzen - es gibt nun einen neuen Inkassobetreiber und die Forderungen gehen von vorn los. Und das, obwohl ein weiteres Gericht die Geschäftspraktiken als unseriös bestätigt hat.

Die bekannte Masche der 1N Telecom

Die Masche der 1N Telecom ist mittlerweile hinlänglich bekannt: Kunden, insbesondere der Deutschen Telekom, werden mit irreführenden Schreiben dazu verleitet, einen vermeintlich günstigeren Vertrag abzuschließen. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch um einen Anbieterwechsel. Wer diesem nicht zustimmt, sieht sich plötzlich mit einer Forderung von etwa 420 Euro konfrontiert - angeblich als Schadenersatz für den nicht zustande gekommenen Vertrag, berichtet das Online-Magazin Anwalt.de.


Zweifelhafte Geschäftspraktiken

1N Telecom hat erst Anfang Dezember 2024 vor dem Amtsgericht Leipzig (Aktenzeichen 109 C 1409/24) einen Rechtsstreit um ihre Geschäftspraktiken verloren. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass durch die Postwurfsendungen der 1N Telecom eine Vertragsbeziehung zur Deutschen Telekom vorgetäuscht wurde. In dem konkreten Fall wurde die Klage der 1N Telecom abgewiesen und das Unternehmen muss die Kosten des Rechtsstreits tragen. 1N Telecom hatte sich dagegen zur Wehr setzen wollen, dass es sich bei ihren Postwurfsendungen um irreführende Werbung gehandelt hat.

Die Hartnäckigkeit, mit der die 1N Telecom ihre fragwürdigen Forderungen allerdings weiter mit ebenso fragwürdigen Methoden verfolgt, zeigt sich auch bei anderen Entscheidungen, wie der Verlagerung des Firmensitzes innerhalb Düsseldorfs im November 2024. Einschreiben an die alte und neue Adresse kommen gleichermaßen an die Absender zurück.

Nachdem der bisherige Inkassodienstleister Riverty erst Ende November die Zusammenarbeit beendet hatte, tritt nun der "Bayerische Inkasso Dienst" (BID) auf den Plan. Experten raten, sich nicht einschüchtern zu lassen und die Ansprüche zu bestreiten.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) hat bereits Mitte des Jahres eine Unterlassungsklage eingereicht und prüft eine Sammelklage gegen 1N Telecom. Dabei sucht man Betroffene, die durch irreführende Geschäftspraktiken in einen Vertrag gelockt wurden. Der vzbv hatte allein zwischen Januar 2023 und Juli 2024 mehr als 11.000 Beschwerden zur 1N Telecom GmbH erfasst - die Grauziffer ist unbekannt.

Habt ihr selbst Erfahrungen mit ähnlichen Fällen gemacht? Wie würdet ihr in so einer Situation reagieren? Teilt eure Gedanken und Erlebnisse in den Kommentaren - eure Perspektiven sind wertvoll für die Community!

Was tun bei Inkasso-Forderungen?
Experten raten dazu, sich von Inkasso-Schreiben nicht einschüchtern zu lassen. Die Forderungen sollten schriftlich bestritten werden, auch wenn sie jetzt vom "Bayerischen Inkasso Dienst" (BID) kommen.

Es empfiehlt sich, Kontakt zur Verbraucherzentrale aufzunehmen und Anzeige zu erstatten. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen sammelt aktuell Fälle für eine mögliche Sammelklage.
Wie erkennt man dubiose Angebote?
Die 1N Telecom verschickte Postwurfsendungen, die eine Vertragsbeziehung zur Deutschen Telekom vortäuschen. Dies wurde vom Amtsgericht Leipzig als irreführende Werbung eingestuft.

Besondere Vorsicht ist bei vermeintlich günstigeren Angeboten geboten, die einen Anbieterwechsel verschleiern. Die typische Forderung liegt bei etwa 420 Euro.
Wie ist die aktuelle Rechtslage?
Das Amtsgericht Leipzig hat im Dezember 2024 (Az. 109 C 1409/24) die Geschäftspraktiken der 1N Telecom als rechtswidrig eingestuft. Die Klage des Unternehmens wurde abgewiesen.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat eine Unterlassungsklage eingereicht und prüft eine Sammelklage. Zwischen Januar 2023 und Juli 2024 gingen über 11.000 Beschwerden ein.
Bin ich an den Vertrag gebunden?
Nach aktueller Rechtsprechung sind Verträge, die durch irreführende Werbung zustande gekommen sind, anfechtbar. Das Amtsgericht Leipzig hat die Täuschungspraktiken bereits bestätigt.

Betroffene sollten umgehend schriftlich widersprechen und den Fall dokumentieren. Eine Zahlungsverpflichtung besteht bei nachgewiesener Täuschung nicht.
Wo finde ich rechtliche Hilfe?
Die Verbraucherzentralen bieten spezialisierte Beratung zu diesem Fall an. Sie unterstützen bei der rechtlichen Einordnung und beim weiteren Vorgehen.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen sucht aktiv nach Betroffenen für eine mögliche Sammelklage. Eine Kontaktaufnahme ist über deren Website möglich.
Was bedeutet der Inkasso-Wechsel?
Nach der Beendigung der Zusammenarbeit mit Riverty Ende November versucht 1N Telecom nun über den Bayerischen Inkasso Dienst (BID) ihre Forderungen durchzusetzen.

Der Wechsel des Inkasso-Dienstleisters ändert nichts an der rechtlichen Bewertung der Forderungen. Die gleichen Widerspruchsrechte gelten weiterhin.
Wie melde ich mich zur Sammelklage?
Der Bundesverband der Verbraucherzentralen sammelt aktuell Fälle von Betroffenen. Eine direkte Kontaktaufnahme über die Website der Verbraucherzentralen ist möglich.

Wichtig ist eine gute Dokumentation des eigenen Falls, inklusive aller erhaltenen Schreiben und der eigenen Reaktionen darauf.
Kann ich Schadensersatz fordern?
Bei nachweislicher Täuschung können möglicherweise Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden. Dies sollte rechtlich geprüft werden.

Die Verbraucherzentralen sammeln derzeit Fälle und prüfen rechtliche Schritte. Eine individuelle rechtliche Beratung ist empfehlenswert.
Zusammenfassung
  • 1N Telecom setzt fragwürdige Forderungen mit neuem Inkasso-Partner durch
  • Experten raten, Forderungen zu bestreiten und nicht einzuschüchtern lassen
  • Amtsgericht Leipzig urteilte am 1. Dezember 2024 gegen 1N Telecom
  • Empfehlung: Betrugsanzeige erstatten und Verbraucherzentrale kontaktieren
  • 1N Telecom verlagerte im November 2024 ihren Firmensitz in Düsseldorf
  • Rechtsexperten betonen die Sinnlosigkeit der Forderungen von 1N Telecom

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