Angriff auf Hisbollah: Erste Erkenntnisse zum Wie der Pager-Explosionen

Gestern explodierten Tausende Pager in den Händen und Hosentaschen von Mitgliedern der schiitischen Miliz Hisbollah. Der gezielte Angriff offenbart eine beispiellose Sicherheitslücke der Organisation - und zeigt auch ein "Meisterstück" der israelischen Geheimdienste.
Geheimdienst, Israel, Agent, Mossad, Geheimagent

Explosionen durch manipulierte Pager

Am Dienstagnachmittag erschütterten plötzliche Explosionen viele Teile des Libanons. Tausende Pager, die von der Hisbollah zur Kommunikation genutzt wurden, detonierten nahezu zeitgleich im ganzen Land. Laut Reuters wurden dabei mindestens neun Menschen getötet und fast 3000 verletzt. Das Ganze war natürlich kein Zufall, sondern eine mutmaßliche Aktion israelischer Geheimdienste.

Die Operation war offenbar monatelang vorbereitet worden. Wie Reuters von einem hochrangigen libanesischen Sicherheitsbeamten erfuhr, hatte die Hisbollah etwa 5000 Pager des Modells AR-924 bestellt. Diese wurden vermutlich bereits bei der Herstellung manipuliert.

Der Mossad hat eine Platine mit Sprengstoff in das Gerät eingebaut, die einen Code empfängt. Das ist kompliziert zu erkennen, selbst mit Scannern
Hochrangiger libanesischer Sicherheitsbeamter gegenüber Reuters
Pro Pager sollen bis zu drei Gramm Sprengstoff versteckt worden sein. Die Zündung erfolgte dann zeitgleich über ein codiertes Signal an die Geräte. Laut BBC vermuten Experten, dass die Manipulation im Rahmen eines ausgeklügelten Supply-Chain-Angriffs erfolgte, also über einen Zulieferer des (unwissenden) Herstellers der Pager, alternativ ist aber auch ein Abfangen der Geräte und die Manipulation im Transfer denkbar.

Die Hisbollah nutzte die Pager als vermeintlich abhörsichere Alternative zu Mobiltelefonen. Noch im Februar hatte Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah seine Anhänger eindringlich vor der Nutzung von Handys gewarnt. Die nun erfolgte Operation stellt einen beispiellosen Rückschlag für die Gruppe dar.

Israel hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Laut Reuters erwog die israelische Führung ursprünglich, die Pager-Explosionen als Auftakt einer größeren Offensive gegen die Hisbollah zu nutzen. Man entschied sich aber für eine vorzeitige Zündung, als Verdacht innerhalb der Hisbollah aufkam.

Folgen und Ausblick

Die Explosionen trafen die Hisbollah hart. Neben einfachen Mitgliedern wurden auch hochrangige Funktionäre verletzt, darunter der iranische Botschafter im Libanon. Die Organisation kündigte Vergeltung an, steht aber vor großen internen Herausforderungen.

Eine Sicherheitslücke dieses Ausmaßes ist nicht nur physisch schädlich, sondern wird ihr gesamtes Sicherheitssystem infrage stellen
Emily Harding, ehemalige CIA-Analystin, gegenüber der BBC
Harding erwartet zudem intensive interne Untersuchungen, die die Hisbollah von einem potenziellen Kampf mit Israel ablenken könnten. Es ist derzeit unklar, ob und wie die Miliz reagieren wird und man muss auch betonen, dass es auch zivile bzw. unbeteiligte Opfer gegeben hat. Klar ist jedenfalls, dass den israelischen Geheimdiensten ein regelrecht filmreifer Coup gelungen ist.

Zusammenfassung
  • Explosion von Tausenden Pagern im Libanon durch israelische Aktion
  • Neun Tote und fast 3000 Verletzte durch detonierende Kommunikationsgeräte
  • Hisbollah nutzte Pager als sichere Kommunikationsmittel
  • Manipulierte Geräte enthielten bis zu drei Gramm Sprengstoff
  • Israel hat die Aktion bisher nicht kommentiert
  • Operation könnte Hisbollah intern stark beschäftigen
  • Vergeltung durch die Hisbollah angekündigt, jedoch interne Herausforderungen vorhanden

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