Libanon: Explodierende Funkgeräte verletzen hunderte Menschen

Gestern kam es nach dem aufsehenerregenden Zwischenfall, bei dem tausende Menschen in mehreren Ländern des Nahen Ostens durch ex­plo­dierende Pager verletzt oder sogar getötet wurden, erneut zu Explo­sionen von elektronischen Geräten. Dieses Mal waren es Funkgeräte.

Rund 400 Funkgeräte explodiert

Erneut sind im Libanon hunderte Elektronikgeräte explodiert, wodurch wieder zahlreiche Menschen verletzt wurden, meldet unter anderem die Nachrichtenagentur Reuters. In diesem Fall waren es Funkgeräte des japanischen Herstellers Icom, die von den betroffenen Personen verwendet wurden, um nicht über normale Mobilfunknetze abgehört werden zu können.

Die Betroffenen sind in den meisten Fällen wahrscheinlich Mitglieder oder zumindest Sympathisanten der als terroristisch eingestuften schiitischen Miliz Hisbollah, die derzeit immer wieder massive Angriffe auf Israel durchführt und als eine Art verlängerter Arm der Regierung des Iran gilt. Die jetzt explodierten Funkgeräte tragen allesamt das Logo des japanischen Herstellers.

Produktion der Geräte vor 10 Jahren eingestellt

Konkret soll es sich um Geräte des Typs Icom IC-V82 handeln, die allerdings, anders als die zuvor explodierten Pager, nicht neu sind. Stattdessen wurden die rund 400 betroffenen Funkgeräte offenbar erheblich früher hergestellt. Laut dem japanischen Hersteller wurde das IC-V82 in der Zeit zwischen 2004 und 2014 gebaut und danach in viele Länder exportiert, darunter auch in den Nahen Osten.

Icom zufolge wurde die Fertigung aber eben bereits vor rund 10 Jahren eingestellt, weshalb der Hersteller auch seitdem keine neuen Geräte dieses Typs mehr ausgeliefert habe. Auch die für den Betrieb des Hauptgeräts benötigten Akkus würden inzwischen längst nicht mehr hergestellt. Da es keinerlei Siegel oder Ähnliches gebe, sei es nicht möglich festzustellen, ob die Produkte von Icom selbst ausgeliefert wurden, hieß es weiter.

Damit ist nun relativ klar, dass keine Möglichkeit bestand, dass die Geräte noch im Zuge der Produktion, der Lieferkette oder der ersten Auslieferung mit Sprengstoff präpariert wurden. Bei den zuvor tausendfach explodierten Pagern mit dem Markennamen eines taiwanischen Herstellers wurde dies zuvor aufgrund ihres als neu eingestuften Zustands noch vermutet.

Bei den gestern am späten Nachmittag erfolgten Explosionen der Funkgeräte im Libanon wurden rund 100 Personen verletzt. Israel hat sich zu dem Thema bisher ebenso wenig geäußert wie zum Fall der explodierenden Pager. Es wird vermutet, dass der israelische Geheimdienst Mossad hinter den Explosionen der Geräte steckt, der bereits in der Vergangenheit immer wieder durch spektakuläre Attacken aufgefallen ist.

Zusammenfassung
  • Hunderte Funkgeräte im Libanon explodiert, viele Verletzte
  • Betroffene Geräte vom japanischen Hersteller Icom
  • Nutzer waren meist Mitglieder oder Sympathisanten der Hisbollah
  • Modell Icom IC-V82, hergestellt zwischen 2004 und 2014
  • Produktion des IC-V82 bereits vor etwa 10 Jahren eingestellt
  • Keine neuen Geräte oder Akkus seitdem von Icom ausgeliefert
  • Rund 100 Personen bei jüngsten Explosionen verletzt

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