Telegram hat nur 30 Entwickler und Sicherheitsexperten sind alarmiert
Vor rund einem Monat sorgte ein Streit zwischen Telegram und Signal für Aufsehen, denn der erstgenannte Dienst behauptete, dass man sicherer sei als der von vielen Experten empfohlene Messenger. So mancher lachte über diese Behauptung und nun gibt es weitere Zweifel.
Durov verriet darin diverse Details zur Struktur und dem Innenleben von Telegram, darunter den Umstand, dass man eigenen Angaben nach eine Milliarde Nutzer habe und der Gründer der alleinige Geschäftsführer, Anteilseigner und Produktmanager ist. Als Grund gab er an, dass Telegram eine möglichst schlanke Struktur etabliert hat und das auch zum Credo erhoben hat.
Durov verriet weiter, dass Telegram gerade einmal 30 hauptberuflich dort tätige Mitarbeiter habe, die meisten davon sind Entwickler. Laut dem Telegram-Chef bedeute das, dass man "super-effizient" arbeite. Doch wie TechCrunch berichtet, ist das für Sicherheitsexperten kein Beweis für Effektivität, sondern vor allem ein Grund zur Sorge.
Dazu kommt, dass es in der Security-Szene schon lange Zweifel gibt, wie gut die Telegram-Verschlüsselung in der Praxis ist. Das liegt daran, dass das Unternehmen ein proprietäres Protokoll einsetzt, dieses wurde von Durovs Bruder erschaffen.
"'30 Ingenieure' bedeutet, dass es niemanden gibt, der sich um rechtliche Anfragen kümmert, und dass es keine Infrastruktur für den Umgang mit Missbrauch und Fragen der Inhaltsmoderation gibt", sagt Galperin. Und legt nach: "Ich würde sogar behaupten, dass die Qualität dieser 30 Entwickler nicht so gut ist. Außerdem würde ich, wenn ich ein Angreifer wäre, dies definitiv als ermutigende Nachricht betrachten. Jeder Angreifer liebt einen stark unterbesetzten und überarbeiteten Gegner."
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Siehe auch:
Telegram-Chef gibt seltenes Interview
Alternative Messenger sind seit Bedenken an WhatsApp vor vielen Jahren wie die Pilze aus dem Boden geschossen und so mancher ist mittlerweile verschwunden oder in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht. Telegram konnte sich etablieren, auch wenn man teilweise eine spezielle Klientel bedient. Deshalb war auch nicht verwunderlich, dass Telegram-Gründer Pavel Durov nun dem rechten Ex-Fox-Moderator Tucker Carlson ein Interview gab.Durov verriet darin diverse Details zur Struktur und dem Innenleben von Telegram, darunter den Umstand, dass man eigenen Angaben nach eine Milliarde Nutzer habe und der Gründer der alleinige Geschäftsführer, Anteilseigner und Produktmanager ist. Als Grund gab er an, dass Telegram eine möglichst schlanke Struktur etabliert hat und das auch zum Credo erhoben hat.
Durov verriet weiter, dass Telegram gerade einmal 30 hauptberuflich dort tätige Mitarbeiter habe, die meisten davon sind Entwickler. Laut dem Telegram-Chef bedeute das, dass man "super-effizient" arbeite. Doch wie TechCrunch berichtet, ist das für Sicherheitsexperten kein Beweis für Effektivität, sondern vor allem ein Grund zur Sorge.
"Albtraum für die Sicherheit"
"Ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, einer großen Anzahl von anfälligen Zielen und Servern in den Vereinigten Arabischen Emiraten? Das scheint ein Albtraum für die Sicherheit zu sein", sagte etwa der an der Johns-Hopkins-Universität tätige Kryptografie-Experte Matthew Green. Damit spielt Green auf die Tatsache an, dass Verschlüsselung bei Telegram, anders als bei Signal und WhatsApp, nicht von Haus aus aktiviert ist. Das ist nur dann möglich, wenn man von sich aus einen "geheimen Chat" aktiviert.Dazu kommt, dass es in der Security-Szene schon lange Zweifel gibt, wie gut die Telegram-Verschlüsselung in der Praxis ist. Das liegt daran, dass das Unternehmen ein proprietäres Protokoll einsetzt, dieses wurde von Durovs Bruder erschaffen.
Telegram ist ein Social Network
Mehr als das: Die Chefin der Cybersecurity-Abteilung der Electronic Frontier Foundation, Eva Galperin, sagte, dass Telegram mehr ist als ein normaler Messenger: "Was Telegram von anderen unterscheidet (und viel schlimmer macht!), ist, dass Telegram nicht nur eine Messaging-App ist, sondern auch eine Social-Media-Plattform. Und als solche verfügt sie über eine enorme Menge an Benutzerdaten." Sie ist überzeugt, dass 30 Entwickler nicht ansatzweise genügen, um der Flut an Daten, Bedrohungsszenarien und sonstiger Probleme Herr zu werden."'30 Ingenieure' bedeutet, dass es niemanden gibt, der sich um rechtliche Anfragen kümmert, und dass es keine Infrastruktur für den Umgang mit Missbrauch und Fragen der Inhaltsmoderation gibt", sagt Galperin. Und legt nach: "Ich würde sogar behaupten, dass die Qualität dieser 30 Entwickler nicht so gut ist. Außerdem würde ich, wenn ich ein Angreifer wäre, dies definitiv als ermutigende Nachricht betrachten. Jeder Angreifer liebt einen stark unterbesetzten und überarbeiteten Gegner."
Update 21:05 Uhr: Telegram-Sprecher Remi Vaughn hat uns folgendes Statement übermittelt, laut Telegram ist der TechCrunch-Artikel ungenau bis falsch: "Der TechCrunch-Artikel basiert größtenteils auf einem Missverständnis dessen, was Herr Durov gemeint hat. Telegram hat 30 Entwickler, die die Apps und die Infrastruktur erstellen, aber das Kernteam von Telegram besteht aus etwa 60 Personen. Zusätzlich zu diesen 60 Kernteam-Mitgliedern hat Telegram separate Moderation- und Missbrauchs-Teams", schreibt Vaughn.
Laut Vaughn habe Telegram keine Server in den Vereinigten Arabischen Emiraten und dementiert Schwächen bei der Verschlüsselung: "Die Verschlüsselungsprotokolle von Telegram sind vollständig dokumentiert und die Apps sind Open Source. Jeder Sicherheitsforscher kann die Integrität und Implementierung der Verschlüsselung von Telegram überprüfen. Viele Forscher haben dies getan, darunter auch Forscher der Universität Udine in Italien (PDF)."
Laut Vaughn habe Telegram keine Server in den Vereinigten Arabischen Emiraten und dementiert Schwächen bei der Verschlüsselung: "Die Verschlüsselungsprotokolle von Telegram sind vollständig dokumentiert und die Apps sind Open Source. Jeder Sicherheitsforscher kann die Integrität und Implementierung der Verschlüsselung von Telegram überprüfen. Viele Forscher haben dies getan, darunter auch Forscher der Universität Udine in Italien (PDF)."
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Zusammenfassung
- Telegram behauptet, sicherer als Signal zu sein, was viele Experten bezweifeln
- Telegram hat sich trotz vieler Alternativen etabliert, bedient aber spezielle Klientel
- Telegram-Gründer Pavel Durov ist alleiniger Geschäftsführer und Produktmanager
- Telegram hat nur 30 hauptberufliche Mitarbeiter, hauptsächlich Entwickler
- Sicherheitsexperten sehen die geringe Mitarbeiterzahl als Sicherheitsrisiko
- Telegrams Verschlüsselung ist nicht standardmäßig aktiviert, nur bei geheimen Chats
- Telegram verwendet ein proprietäres Protokoll, was zusätzliche Zweifel weckt
Siehe auch:
- Telegram behauptet, sicherer als Signal zu sein und die Fachwelt lacht
- Spanien: Gericht setzt Telegram-Verbot in letzter Minute aus
- Was hast du gesagt? - Telegram jetzt mit Einmal-Sprachnachrichten
- Terror gegen Israel: Telegram schaltet große Hamas-Kanäle ab
- Malware in App-Stores: Signal und Telegram im Visier von Hackern
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