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Streaming sollte Piraterie besiegen - erreicht wurde das Gegenteil

Streaming ist heute so normal wie der Griff zur Fernbedienung, lineares TV hingegen fühlt sich wie eine Reise in eine vergangene Zeit an. Portale wie Netflix und Nachzügler wie Disney+, Paramount+ und Co. sollten eigentlich die Piraterie verdrängen. Doch das ist nicht der Fall.
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Piraterie: Netflix und Co. waren und sind nicht Spotify

Es ist mittlerweile fast zehn Jahre her, als ein Dienst namens Netflix in Deutschland startete. Schon damals fragten wir uns in unserem Test, ob es dem Streaming-Pionier gelingen kann, die Piraterie zu besiegen oder zumindest weitgehend zu verdrängen - ähnlich, wie es Spotify geschafft hat, weil man dort gegen eine verhältnismäßig geringe monatliche Gebühr alles, was man hören will, bekommt.

Doch heute wissen wir, dass Streaming bzw. Video-on-Demand-Dienste das nicht geschafft haben. Im Gegenteil: Die Piraterie floriert wieder. Damit beschäftigt sich auch eine Reportage von The Daily Beast. Kenner der Branche werden vom Bericht und den dortigen Informationen nicht überrascht sein, er ist aber dennoch höchst interessant.

Denn es gibt immer mehr Streaming-Dienste und damit einhergehend auch entsprechende Fragmentierung. Wer sich für Filme und Serien interessiert, benötigt heute eigene Dienste, um herauszufinden, was wo angesehen werden kann. Denn mittlerweile findet man nicht einmal die Inhalte eines bestimmten Medienkonzerns auf dessen eigenem Streaming-Dienst - da diese auch gerne zwecks Gewinnmaximierung temporär an andere Streamer vergeben werden.


Piraterie trotzt Streaming-Boom

Das weiß auch der Regiealtmeister Werner Herzog. Dieser sagte auf einem Filmfestival 2019: "Die Piraterie ist weltweit die erfolgreichste Form des Vertriebs." Damit antwortete er seinem ukrainischen Filmkollegen Illia Gladshtein, der Produzent meinte, dass er in der Ukraine viele Herzog-Filme nur via Torrent bekommen kann.

Herzog meinte auch, dass er das zwar nicht möge, weil er Geld verdienen will und muss, wenn aber jemand wie Gladshtein - aus Not - auf Piraterie zurückgreift, dann habe dieser "meinen Segen", so Herzog.

Auch der New Yorker Regisseur Alfred Giancarli hat eine pragmatische Einstellung dazu und meint, dass viele Piraten, die er kennt, die größten Cineasten sind - die auch liebend gerne für Inhalte zahlen würden, wenn sie könnten bzw. dürften.

The Daily Beast hat auch mit TorrentFreak-Chef Ernesto Van der Sar gesprochen und der kennt die Szene wie kaum ein anderer: "Die Ironie dieser Situation ist, dass die eifrigsten zahlenden Verbraucher auch am ehesten Piraten sind", sagt Van der Sar. Aber: "Sie können einfach nicht für alles bezahlen, was sie sehen wollen."

Eine Zeit lang entwickelte sich Piraterie durchaus so, wie sich die Industrie das erhofft hat. Doch das internationale Vertriebsrechtegeflecht sowie die Fragmentierung der Dienste haben das wieder umgedreht. So manche Produktion wandert von einem Dienst zum anderen und das sorgt für Frust bei Kunden.

Van der Sar kennt die einfache und gleichzeitig schwierige Lösung: "Die Streaming-Branche muss sich einem System annähern, in dem die Verbraucher so ziemlich alles, was sie wollen, zu einem erschwinglichen Preis sehen können. Das klingt einfach, aber in einer Branche, die auf Lizenzsilos aufgebaut ist und in der Milliardenumsätze auf dem Spiel stehen, ist das leichter gesagt als getan."

Zusammenfassung
  • Netflix und Co. konnten Piraterie nicht verdrängen
  • Streaming-Dienste haben Piraterie nicht besiegt
  • Mehr Dienste führen zu Fragmentierung des Angebots
  • Inhalte oft nicht auf Plattform des Medienkonzerns
  • Herzog sieht Piraterie als erfolgreichsten Vertrieb
  • Zahlende Kunden greifen oft auch auf Piraterie zurück
  • Vertriebsrechte und Dienst-Fragmentierung fördern Piraterie
  • Lösung: erschwinglicher Zugang zu allen Inhalten

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