Russen spähen Ziele für Luftangriffe mit gehackten Webcams aus

Für die Zielsuche für die Bombardierung ukrainischer Städte haben die russischen Invasoren zuletzt auch auf gehackte Webcams zurückgegriffen. Der ukrainische Geheimdienst SBU machte dieser Tage zwei solcher Systeme in Kiew ausfindig und montierte sie ab.
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Digitale Spione

Wie der SBU mitteilte, konnten die Kameras direkt nach den russischen Luftangriff am 2. Januar identifiziert werden. Demnach handelte es sich um zwei fernsteuerbare Modelle, die wahrscheinlich vom russischen Geheimdienst unter Kontrolle gebracht wurden und Livebilder der Umgebung an die Angreifer schickten.

Eines der Geräte befand sich demnach auf einem Balkon eines Wohnhauses und wurde dort zur Überwachung der Umgebung genutzt. Den Angreifern gelang es, das System zu kapern und die Einstellungen zu verändern. Daraufhin wurde die Blickrichtung geändert und das Livebild zur Streaming-Plattform YouTube geladen. Dort konnten die russischen Militärs dann in Ruhe potenzielle Ziele ausspionieren.

Ukrainischer Geheimdienst informiert über das Kamera-Problem

Ein weiteres Überwachungssystem wurde in einem Wohnkomplex in Kiew gefunden. Die Anwohner nutzten es zur Überwachung des angrenzenden Parkplatzes. Auch hier gelang es den Angreifern, mit einer Änderung des Aufnahmewinkels eine kritische Infrastruktur im Blick zu behalten. Die beiden Funde brachten dem SBU neuer Erkenntnisse über das Vorgehen des Feindes, die nun genutzt werden sollen, weitere gekaperte Systeme zu finden und unschädlich zu machen.

Keine Einzelfälle

Dass russische Hacker versuchen, auf diesem Weg an Informationen zu gelangen, ist derweil nicht neu. Nach Angaben des SBU habe man bereits ungefähr 10.000 IP-Kameras im ganzen Land stillgelegt, die den Invasoren Einblicke in kritische Bereiche hinter der Front oder tiefer im Landesinneren geben konnten.

Der SBU fordert die Besitzer von Webcams, die den öffentlichen Raum aufnehmen, auf, die Online-Übertragungen von ihren Geräten einzustellen. Wer über entsprechende Streams stolpert, solle diese dem Geheimdienst melden. Die Betreiber wurden auch darauf hingewiesen, dass das Streaming ins offene Netz als Unterstützung des Feindes angesehen und mit Freiheitsstrafen von bis zu zwölf Jahren geahndet werden könne.

Zusammenfassung
  • Russische Invasoren nutzen gehackte Webcams in der Ukraine
  • SBU identifiziert nach Luftangriff zwei manipulierte Kameras
  • Gehackte Geräte senden Livebilder zur Zielermittlung an Angreifer
  • Eine Webcam auf Wohnhausbalkon übertrug Umgebung auf YouTube
  • Eine weitere Kamera in Kiew überwachte kritische Infrastruktur
  • SBU hat bisher ca 10.000 gefährdete IP-Kameras stillgelegt
  • Webcam-Besitzer sollen öffentliche Streams einstellen, um Strafen zu vermeiden

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