Ukraine: Große Cyber-Attacke legt Mobilfunk weitgehend lahm

Der größte ukrainische Mobilfunkbetreiber wurde durch den bisher heftigsten Cyber-Angriff seit dem Beginn der russischen Invasion getroffen. Bei Kyivstar arbeitet man seit gestern mit Hochdruck daran, die Datenverbindungen schnell wiederherzustellen.
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Millionen Nutzer ohne Daten

Das Unternehmen versorgt etwa die Hälfte der ukrainischen Bevölkerung mit Mobilfunkdiensten. Und die Verfügbarkeit dieser Anbindungen sind insbesondere in der aktuellen Zeit extrem wichtig - sei es, um Kontakte unter Familienmitgliedern aufrechtzuerhalten, oder auch für die Organisation vieler lebenswichtiger Dinge. Nicht zuletzt werden auch Informationen zu bevorstehenden Luftangriffen in erster Linie über Smartphone-Apps verbreitet.

Der Vorstandsvorsitzende des Mobilfunkers, Oleksandr Komarov, brachte den Angriff direkt mit dem Krieg mit Russland in Verbindung. "Der Krieg findet auch im Cyberspace statt. Leider wurden wir als Folge dieses Krieges getroffen", sagte er laut der Nachrichtenagentur Reuters dem staatlichen Fernsehen. "(Der Angriff) hat (unsere) Infrastruktur erheblich beschädigt, den Zugang eingeschränkt, wir konnten ihn nicht auf virtueller Ebene abwehren, also haben wir Kyivstar physisch abgeschaltet, um den Zugang des Feindes zu begrenzen."

Über einen Telegram-Kanal hat sich eine russische Gruppe namens Killnet zu dem Angriff bekannt. Allerdings lässt sich nicht sagen, ob dies auch wirklich stimmt, da keine Belege beigefügt wurden. Auch Komarov nannte keine weitergehenden Details, sagte jedoch, dass zumindest keine Kundendaten betroffen sind.

Staatlicher Akteur

Da es sich um einen Angriff auf eine kritische Infrastruktur handelte, hat auch der ukrainische Geheimdienst SBU Ermittlungen aufgenommen. Kyivstar nahestehende Quellen erklärten, dass der Ausfall nicht das ukrainische Militär getroffen habe. Auch dieses setzt in vielen Bereichen immer wieder mal auf die normale Mobilfunk-Infrastruktur, um zu kommunizieren.

In ukrainischen Behörden ist man sich aufgrund des Umfangs der Attacke bereits relativ sicher, dass es sich bei den Tätern nicht einfach um Kriminelle oder andere unabhängige Akteure handelte. "Es handelt sich definitiv um einen staatlichen Akteur", hieß es. "Es gibt kein Lösegeld. Es geht nur um Zerstörung. Es handelt sich also nicht um einen finanziell motivierten Angriff."

Zusammenfassung
  • Ukrainischer Mobilfunkbetreiber von Cyber-Angriff betroffen
  • Kyivstar arbeitet an Wiederherstellung der Datenverbindungen
  • Unternehmen versorgt Hälfte der Ukrainer mit Mobilfunk
  • Smartphone-Apps informieren über Luftangriffe
  • Vorstandsvorsitzender sieht Kriegsbezug des Angriffs
  • Russische Gruppe Killnet beansprucht Angriff für sich
  • Ukrainischer Geheimdienst SBU ermittelt nach Angriff
  • Behörden vermuten staatlichen Akteur hinter Attacke

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