Potemkinsche Dörfer: Russland präsentiert große Raumfahrtpläne
Der Auftritt des Chefs der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos auf dem Internationalen Astronautenkongress dürfte für Verwunderung gesorgt haben. Juri Borissow präsentierte dort ambitionierte Ziele, die man in den kommenden Jahren zu erreichen gedenkt.
Das zentrale Element soll dabei an eine der Stärken der sowjetischen Raumfahrt anknüpfen: Den Bau und den Betrieb von Raumstationen. Da die Internationale Raumstation ISS ihrem Ende entgegengeht, will man eigenständig ein neues System in den Orbit bringen. "Wir gehen davon aus, dass wir bis 2027 mehrere Module entwerfen, herstellen und starten werden", sagte der Roskosmos-Chef laut eines Ars Technica-Berichts auf der Konferenz in Baku, Aserbaidschan.
Die geplanten Roskosmos-Projekte
Diese Raumstation wolle man in einer polaren Umlaufbahn platzieren, sodass sie die gesamte Oberfläche des Planeten beobachten könne, erklärte Borissow. Sie soll dazu dienen, neue Materialien, neue Technologien und neue Medikamente zu testen. "Sie wird wie ein durchgehend funktionierendes Labor sein", sagte er.
Für Kenner der Lage, in der sich Roskosmos aktuell befindet, dürften die vorgestellten Projekte aber wie Potemkinsche Dörfer wirken. Noch kurz bevor der Agentur-Chef die Bühne betrat, berichteten russische Medien, dass das Budget des Landes für Raumfahrtaktivitäten in den nächsten zwei Jahren sinken soll - was die parallele Entwicklung mehrerer teurer Großprojekte recht unwahrscheinlich machen dürfte. Für das kommende Jahr ist ein Budget von umgerechnet rund 2,88 Milliarden Dollar vorgesehen, 2026 sind es dann nur noch 2,6 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Allein die Kosten für das Starlink-Netzwerk mit 4400 Satelliten wird auf rund 4 Milliarden Dollar geschätzt.
Auch die Praxis deutet darauf hin, dass Borissow lediglich Wunschträume präsentierte. So spricht Russland seit drei Jahren immer wieder über die wiederverwendbare "Amur"-Rakete, die der Falcon 9 von SpaceX ähnelt. Fortschritte beim Bau des Systems sind allerdings kaum zu erkennen. Korona erinnert hingegen an eine einstufige Rakete, die vor 30 Jahren entwickelt wurde und die damals aus guten Gründen eingemottet wurde.
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Raumstation im Fokus
In den letzten Jahrzehnten zehrte die russische Raumfahrt im Grunde vor allem von den Entwicklungen, die bereits in der Zeit der Sowjetunion hervorgebracht wurden. Besonders erfolgreiche Neuentwicklungen hat man im Grunde kaum vorzuweisen. Nun allerdings beabsichtigt man das Kunststück hinzubekommen, trotz sinkender Budgets, dem sanktionsbedingten Mangel an High Tech-Importen und aufgekündigter internationaler Kooperationen mehrere große Würfe zu schaffen.Das zentrale Element soll dabei an eine der Stärken der sowjetischen Raumfahrt anknüpfen: Den Bau und den Betrieb von Raumstationen. Da die Internationale Raumstation ISS ihrem Ende entgegengeht, will man eigenständig ein neues System in den Orbit bringen. "Wir gehen davon aus, dass wir bis 2027 mehrere Module entwerfen, herstellen und starten werden", sagte der Roskosmos-Chef laut eines Ars Technica-Berichts auf der Konferenz in Baku, Aserbaidschan.
Die geplanten Roskosmos-Projekte
Diese Raumstation wolle man in einer polaren Umlaufbahn platzieren, sodass sie die gesamte Oberfläche des Planeten beobachten könne, erklärte Borissow. Sie soll dazu dienen, neue Materialien, neue Technologien und neue Medikamente zu testen. "Sie wird wie ein durchgehend funktionierendes Labor sein", sagte er.
Budgets passen nicht
Russland will aber auch ein eigenes Kommunikationsnetzwerk mit zahlreichen erdnahen Satelliten nach dem Vorbild Starlinks aufbauen. Borissow zeigte darüber hinaus auch ein nuklear angetriebenes Weltraumtransportfahrzeug namens "Nuklon" und zwei "zukünftige" Trägerraketen namens Amur-LNG und Korona.Für Kenner der Lage, in der sich Roskosmos aktuell befindet, dürften die vorgestellten Projekte aber wie Potemkinsche Dörfer wirken. Noch kurz bevor der Agentur-Chef die Bühne betrat, berichteten russische Medien, dass das Budget des Landes für Raumfahrtaktivitäten in den nächsten zwei Jahren sinken soll - was die parallele Entwicklung mehrerer teurer Großprojekte recht unwahrscheinlich machen dürfte. Für das kommende Jahr ist ein Budget von umgerechnet rund 2,88 Milliarden Dollar vorgesehen, 2026 sind es dann nur noch 2,6 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Allein die Kosten für das Starlink-Netzwerk mit 4400 Satelliten wird auf rund 4 Milliarden Dollar geschätzt.
Auch die Praxis deutet darauf hin, dass Borissow lediglich Wunschträume präsentierte. So spricht Russland seit drei Jahren immer wieder über die wiederverwendbare "Amur"-Rakete, die der Falcon 9 von SpaceX ähnelt. Fortschritte beim Bau des Systems sind allerdings kaum zu erkennen. Korona erinnert hingegen an eine einstufige Rakete, die vor 30 Jahren entwickelt wurde und die damals aus guten Gründen eingemottet wurde.
Zusammenfassung
- Roskosmos-Chef Juri Borissow stellt ambitionierte Pläne vor
- Trotz sinkender Budgets will man mehrere Großprojekte realisieren
- Russland plant Bau und Betrieb eigener Raumstation bis 2027
- Planung eines Kommunikationsnetzwerks mit erdnahen Satelliten
- Zweifel an Realisierbarkeit der Projekte aufgrund sinkender Budgets
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Christian Kahle
Redakteur bei WinFuture
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