Hüllen zerbröseln: Neuer Rückschlag fürs französische Atomprogramm

Frankreich setzt zwar immer noch auf die Nutzung der Kernkraft, allerdings ist das keineswegs ein Selbstläufer. Aktuell muss der Atomkonzern EDF neue Rückschläge bei seiner neuen Reaktor-Generation EPR hinnehmen, über die man nur ungern spricht.
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Die neuen EPRs kommen nur schwer in Gang: Bei zwei Bauprojekten kam es von einer Verzögerung zur nächsten, sowohl der Block 3 im französischen Flamanville als auch das britische Hinkley Point C hängen weit hinter dem Zeitplan her. Lediglich der im finnischen Olkiluoto gebaute Block konnte inzwischen in Betrieb genommen werden, liefert aber nicht mit voller Leistung, da der teure Atomstrom kaum mit den billigen Erneuerbaren konkurrieren kann.

Die EDF verkaufte das Reaktor-Design allerdings auch nach China, hier ging der erste EPR überhaupt in Taishan im Jahr 2019 ans Netz. Es bedurfte allerdings der Recherchen eines französischen Satire-Magazins, um in Europa öffentlich zu machen, dass der Block Taishan 1 bereits seit einem halben Jahr stillsteht. Der Grund soll in einer "übermäßigen Oxidation der Brennelementhüllen" liegen, wie aus einem Bericht der Zeitung La Tribune hervorgeht.


Ersatz wird teuer

Die fraglichen Brennelemente hatte die EDF-Tochter Framatome nach China geliefert. Das Problem liegt hier bei den Hüllrohren, die rund vier Meter lang und nur fingerdick sind. In ihnen stecken die Pellets aus angereichertem Uran. Die Hüllen werden aus einer Zirkoniumlegierung hergestellt, um dem hohen Druck und den Temperaturen von bis zu 320 Grad im Reaktor standzuhalten. Die Legierung hatte allerdings wohl einen falschen Eisenanteil. Das führt dazu, dass die Hüllrohre sich schneller als vermutet aufzulösen beginnen. Das könnte dazu führen, dass das radioaktive Brennmaterial in den Reaktorkern fällt und nicht mehr geregelt genutzt werden kann.

Auf die EDF kommen nun hohe Zusatzkosten zu. Die gelieferten 241 Brennelemente - Stückpreis rund 1 Million Euro - müssen ersetzt und vielleicht auch noch zusätzlich Schadensersatz gezahlt werden. Unklar ist, ob es auch mit den Brennelementen im zweiten chinesischen EPR-Reaktor am gleichen Standort Probleme gibt. In Finnland scheint es diese Probleme zumindest nicht zu geben. Flamanville soll allerdings in diesem Jahr ebenfalls starten und 2024 endlich in den kommerziellen Betrieb gehen. Da die Produktion der Brennelemente rund zwei Jahre dauert, könnten auch diese betroffen sein, was weitere Verzögerungen oder ein Anlaufen auf verminderter Leistung zur Folge hätte.

Zusammenfassung
  • Frankreich setzt auf Kernkraft, EDF baut neue Reaktor-Generation EPR.
  • Zwei Bauprojekte verzögert, nur finnischer Block läuft.
  • EDF verkaufte Reaktor-Design nach China, erster Block steht still.
  • Problem bei Hüllrohren aus Zirkoniumlegierung.
  • EDF muss 241 Brennelemente ersetzen, Stückpreis 1 Mio. Euro.
  • Flamanville soll 2024 in Betrieb gehen.
  • Weitere Verzögerungen oder Anlaufen mit verminderter Leistung möglich.

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