Klein-Atomreaktoren: Modell-Projekt zeigt das Scheitern des Konzepts

Modulare Kleinreaktoren, SMR, werden von der Atombranche ak­tu­ell als Zukunftsmodell angepriesen. Eine der ersten prak­ti­schen Um­set­zun­gen eines solchen Konzepts zeigt, dass die In­dus­trie ih­re Ver­spre­chen schlicht nicht halten kann.
Industrie, Fabrik, Atomkraftwerk, Kraftwerk, AKW, Kernkraftwerk, Schwerindustrie
SMRs sollen es möglich machen, zügig und zu geringen Preisen neue Atomkraftwerke zu bauen, die sich flexibel zum Einsatz bringen lassen. Immerhin will man die Reaktoren in Serie produzieren, was die Baukosten pro Stück sinken lässt. Der Name ist dabei allerdings etwas irreführend, denn letztlich ist auch der Bau von Kraftwerken auf Basis von SMR jeweils ein Großprojekt, erklärte der Energiewirtschafts-Experte David Schlissel gegenüber dem Nachrichtensender N-TV.

Eines der vielversprechendsten Unternehmen aus dem SMR-Bereich ist NuScale. Dieses will jetzt erst einmal ein Modellkraftwerk errichten, das als Muster für kommerzielle Anlagen dienen soll. An diesem zeigt sich, dass das zentrale Reaktormodul, das in einer Fabrik vom Band laufen soll, bereits 700 Tonnen wiegt und somit eine ganz andere Dimension hat, als Windkraft- oder gar Solaranlagen.


Und das Versprechen billigen Stroms löst sich auch zunehmend in Luft auf: Das NuScale-Projekt wird statt der veranschlagten 5,3 Milliarden Dollar nun mindestens 9,3 Milliarden Dollar kosten. Das Unternehmen schiebt dies auf äußere Einflüsse wie höhere Zinsen und gestiegene Materialpreise. Solche Entwicklungen, erklärte Schlissel, müsse man bei so einem Großprojekt, das auf mehrere Jahre Planungs- und Bauzeit ausgelegt ist, aber ohnehin einkalkulieren, wenn man sich selbst und den Investoren gegenüber ehrlich sein will.

Strom zu teuer

Aktuell muss NuScale dadurch jetzt mit Stromgestehungskosten von mindestens 89 Dollar pro Megawattstunde rechnen - anfangs sollten es mal 59 Dollar sein. Das zeigt, dass die Stromkosten nicht nur höher ausfallen als gedacht, sie sind auch schlicht nicht konkurrenzfähig. Denn das ist weit mehr als das Doppelte dessen, was Wind- oder Solarstrom kostet. Wenn die Entwicklung wirklich glatt durchläuft und die Serienproduktion funktioniert, könnte der Preis durchaus noch etwas sinken - doch auch bei den Erneuerbaren geht es noch immer voran und die Gestehungskosten reduzieren sich weiter.

Und es ist aus Sicht Schlissels keineswegs anzunehmen, dass die Kostenplanung nicht doch noch weiter nach oben geht. Und das sehen auch andere Branchenkenner so. Denn NuScale will nach dem Baubeginn bereits drei Jahre später in den kommerziellen Betrieb gehen. Das würde es voraussichtlich erforderlich machen, dass hier ein völlig neuartiger Reaktor-Typ mit einer sehr viel kürzeren Testphase aufkommt als alle Systeme zuvor. Und diese wurden noch in Zeiten entwickelt, in denen die Sicherheitsanforderungen ungleich niedriger ausfielen.

Dass auch unter den Anlegern inzwischen nur noch wenig Vertrauen besteht, dass NuScale seine Zusagen halten kann, zeigt sich auch an der Entwicklung des Aktienkurses. Dieser war lange stabil, sprang nach der Ankündigung des Praxis-Modellvorhabens vor einem Jahr ein Stück nach oben und fiel inzwischen auf ein Allzeit-Tief.

Zusammenfassung
  • Atombranche verspricht modulare Kleinreaktoren (SMR) als Zukunftsmodell.
  • SMRs sollen zügig und günstig neue Atomkraftwerke ermöglichen.
  • NuScale will Modellkraftwerk errichten, doch Baukosten explodieren.
  • Stromgestehungskosten 89 Dollar pro MWh, nicht konkurrenzfähig.
  • Investoren haben wenig Vertrauen, Aktienkurs fällt auf Allzeit-Tief.
  • Testphase muss sehr viel kürzer ausfallen als alle Systeme zuvor.

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