"Konstruierter Skandal":
Schufa reagiert dünnhäutig auf Kritik

Vergangene Woche wurde bekannt, dass die Schufa einen neuen Dienst namens CheckNow plant. Dieser soll eigentlich Menschen die Möglichkeit bieten, freiwillig ihren Score zu verbessern. Doch der Teufel steckt im De­tail und zog Kritik auf sich. Auf die regiert die Schufa aber gereizt.
Logo, schufa, Formular, Bonitätsprüfung
Public Domain
Auf den ersten Blick klingt CheckNow nach einer sinnvollen Sache: Zwar soll die Schufa hier einen Einblick auf die Kontoauszüge der Kunden erhalten, das sei aber vollkommen freiwillig und diene einem guten Zweck, nämlich der Verbesserung der für viele Bereiche wie Kredite und Verträge wichtigen Schufa-Einstufung.

Doch laut Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung will die Schufa weitergehen und den CheckNow-Kunden dazu bringen, diese Daten speichern und weiterverarbeiten zu dürfen. Auf diese Weise könnte oder sollte eine Art "Super-Score" entstehen, der wesentlich mehr Daten berücksichtigt als derzeit. Denn aktuell hat die Schufa Zugriff auf weit weniger Nutzerdaten, als allgemein angenommen wird.

Unsachlich "nichts gegen sachliche Kritik"

Nun hat sich die Schufa dazu ausführlich zu Wort gemeldet und kann ihren Ärger kaum zurückhalten. Ingo A. Koch, Leiter Media Relations bei der Schufa, hat dazu einen Kommentar verfasst. Darin schreibt Koch, dass man nichts gegen sachliche Diskussionen habe - der Chef der Öffentlichkeitsarbeit bei der Schufa wird aber wenig später selbst alles andere als sachlich.

Denn er beschwert sich, dass die Berichterstattung nicht objektiv sei und zu Kommentaren führe, in denen "unser Unternehmen und Menschen, die für uns arbeiten, beschimpft, beleidigt und sogar persönlich bedroht werden und wir uns offenen Aufrufen zur Gewalt gegen uns ausgesetzt sehen".

Koch: "Eine kontroverse Diskussion ist gut und explizit gewünscht, solange sie konstruktiv bleibt und bestehende Regeln respektiert." Koch, der fehlende "Einordnung" bemängelt, etwas später: "Besteht nicht gerade in dieser Einordnung die Rolle der meinungsbildenden Medien, anstelle die Berichterstattung durch pseudo-investigative und konstruierte Skandale auf Klickraten und Reichweitengewinn hin auszurichten?"

"Schufa-Hater"

Koch spricht später von "Schufa-Hatern", die an einem kritischen Hinterfragen "des eigenen Handelns oder einseitiger Medienberichte" nicht interessiert seien. Hier sollte man anmerken, dass Koch selbst auch nicht sonderlich daran interessiert ist, auf berechtigte Sorgen und Bedenken näher einzugehen. Zum Schluss meint er zwar, dass die Schufa sachliche Kritik nicht ausblende und aus ihr auch lernen wolle, spielt den Ball aber im letzten Satz erneut an die Medien weiter.

Einer der an den Recherchen bei der Kooperation NDR/WDR/SZ beteiligten Journalisten, Massimo Bognanni, hat auf den Kommentar auf Twitter geantwortet und schreibt, dass Koch wichtige Punkte nicht erwähnt, etwa dass die Zahlungsdiensterichtlinie PSD2, auf die sich die Schufa beruft, "nur für Kontoinformationsdienste wie Fintechs mit Bafin-Lizenz" gelte: "Nur ihnen gewährt der Gesetzgeber den Kontoeinblick wie auch Banken. Dass die Kontoauszüge an Dritte wie Auskunfteien weitergereicht werden dürfen, steht da gerade nicht", so Bognanni, der in seinem Thread auf andere kontroverse Punkte eingeht.
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