Cyber-Krimi: Nach Jahren scheint der Bundestags-Hacker gefunden

2015 war ein Hacker in die IT-Systeme des Bundestags eingedrungen und hatte sensible Daten entwendet. Nach fünf Jahren wird jetzt erstmals Haftbefehl gegen einen Tatverdächtigen erhoben. Es gibt Hinweise, dass der russische Geheimdienst seine Finger im Spiel hat.
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Recherche-Krimi in Slow-Motion

Im Frühjahr 2015 mussten die IT-Ver­ant­wort­li­chen des Bundestages vermelden, dass bei ei­nem großangelegten Angriff nicht nur alle Si­cher­heits­systeme überwunden, sondern auch ins­ge­samt 16 GB an sensiblen Daten entwendet wur­den - darunter auch unzählige E-Mails von Ab­ge­ord­ne­ten. Hinweise deuteten schon damals da­rauf hin, dass auch das Büro von Angela Mer­kel im Fokus der Hacker stand. Sicher­heits­diens­te hatten nach einer ersten Re­cherche den rus­si­schen Geheimdienst als wahrscheinlichen Drahtzieher ausgemacht. Nach fünf Jahren wird jetzt erstmals ein Haftbefehl wegen der Tat ausgestellt.

Wie ein Rechercheverbund aus WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung berichtet, wollen deutsche Ermittler jetzt eine Person identifiziert haben, die verdächtigt wird, am "Bundes­tags-Hack" maßgeblich beteiligt gewesen zu sein. Der Haftbefehl ergeht demnach gegen den 29-jährigen Russen Dmitriy Badin, er sei Mitglied des russischen Militärgeheimdienstes GRU. Durch den Generalbundesanwalt wurde beim Bundesgerichtshof entsprechend ein inter­nationaler Haftbefehl erwirkt.

Badin ist dabei Sicherheitsbehörden kein Unbe­kannter. Auch von den USA wird der Hacker im Staatsauftrag gesucht - und das schon seit zwei Jahren. Der Vorwurf, der durch das FBI unter­sucht wird: Der Russe soll für den Hackerangriff auf die Demokratische Partei vor den Präsident­schaftswahlen 2016 verantwortlich sein. Außer­dem soll er auch einen digitalen Angriff auf die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA durchgeführt haben.

Ablauf typisch

Der ermittelte Ablauf des Hacks des deutschen Parlaments wirkt dabei typisch. Im April 2015 hatten mehrere Abgeordnete eine E-Mail mit dem Betreff "Ukraine conflict with Russia leaves economy in ruins", die durch die Adresse-Endung "@un.org" die Vereinten Nationen als Ab­sender vorgaukelte. Der darin enthaltene Link gaukelte wiederum eine Seite mit einem UN-Bericht vor, führte aber eigentlich auf eine manipulierte Webseite der Angreifer, über die Schadsoftware installiert werden konnte.
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