Microsoft-Hacker rauscht letztlich knapp an Gefängnisstrafe vorbei

Nur knapp ist ein Sicherheitsforscher, der seine Fähigkeiten unter anderem auch für einen Einbruch in Microsofts Firmennetz missbraucht hatte, einer Gefängnisstrafe entkommen. Nur seine persönlichen Lebensumstände sorgten dafür, dass der Richter in London sich zu einer Bewährungsstrafe überreden ließ. Im Prozess gegen den 24-Jährigen wurde belegt, dass dieser Anfang 2017 in das Netzwerk Microsofts eindrang. Den Zugang konnte er über mehrere Wochen halten. Der Angreifer verschaffte sich hier unter anderem Zugang zu den Systemen, auf denen kommende Windows-Builds vorgehalten wurden. So trug er zu dieser Zeit nicht unwesentlich zu verschiedenen Leaks bei. Von diesen profitierte auch Thomas Hounsell, der die Webseite BuildFeed betrieb und dem Angeklagten hier vor Gericht auch zur Seite stand, wie das US-Magazin The Verge berichtete.

Insgesamt soll der Verurteilte rund 43.000 Dateien von den Microsoft-Servern heruntergeladen haben. Weitere Analysen konnten auch belegen, dass er im Microsoft-Netz rund 7500 Suchanfragen nach unveröffentlichten Produkten, Codenamen und Buildnummern laufen ließ. Weiterhin vergab er Zugangsdaten an andere User aus diversen Ländern. Die Sache endete erst, als eine Einsatzgruppe mit Ermittlern von FBI, Europol und der britischen National Cyber Crime Unit (NCCU) bei der Suche nach dem Angreifer erfolgreich war und bei einer Hausdurchsuchung dessen gesamte Ausrüstung mitnahm.

Auch Nintendo wurde zum Ziel

In der Gerichtsverhandlung kamen aber noch weitere Taten auf den Tisch. Es zeigte sich, dass der Angreifer sogar noch während er auf Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen war, bei Nintendo einbrach. Auch hier stöberte er wieder auf Servern herum, die unveröffentlichte Daten zu Spielen enthielten. Außerdem wurden 2.365 Nutzernamen und Passwörter gestohlen - wahrscheinlich von Mitarbeitern für das Firmennetz.

Während der Hacks des Microsoft-Netzwerkes war der Täter noch als Sicherheitsforscher bei Malwarebytes angestellt. Die Kündigung kam dann aber, als sich die Vorwürfe gegen ihn verdichteten. Vor Gericht machte die Verteidigung geltend, dass eine Gefängnisstrafe für den Beschuldigten unverhältnismäßige Folgen nach sich ziehen könnte, da dieser mit einer autistischen Störung diagnostiziert ist. Hier sei zu erwarten, dass es zu einer massiven Drangsalierung durch Mithäftlinge kommen würde.

Weiterhin konnte mildernd berücksichtigt werden, dass die Mutter des Angeklagten letztlich ihren kompletten Job aufgegeben hat, um sich in Vollzeit um ihren Sohn zu kümmern und darauf hinzuwirken, dass dieser in ein Leben ohne illegale Aktivitäten findet. Das Gericht setzte die 15-monatige Freiheitsstrafe daher zur Bewährung aus.

Siehe auch: Windows 10-Leaker BuildFeed gibt auf
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