Telekom-Hoffnung scheitert an starren Strukturen

Der Technologie-Vorstand der Deutschen Telekom, Edward Kozel, hat aufgegeben. Wie das 'Handelsblatt' unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, habe er darum gebeten, seinen bis 2015 laufenden Vertrag aufzulösen. Der Manager war im Mai zu dem Unternehmen gestoßen. Große Hoffnungen lagen in ihm. Der ehemalige Technikchef des Netzwerkausrüsters Cisco sollte neue Impulse liefern und der Telekom neue Wachstumsbereiche erschließen. Immerhin ist Kozel für seine visionäre Art bekannt. Statt dem grauen Mief des ehemaligen Staatskonzerns erhoffte man sich einen Hauch der Unternehmensfreudigkeit des Silicon Valley.

Gegen die Trägheit innerhalb der Telekom kam der Manager aber nicht an. Anfangs, so hieß es, habe er noch mit Zynismus auf die Vorgänge in dem Unternehmen reagiert. Inzwischen habe aber die Resignation über die starren Strukturen die Oberhand gewonnen. Nun will er schnellstmöglich - wenn es geht, noch in diesem Jahr - zurück in die USA, wohin seine Frau wegen des Studienbeginns seines dritten Kindes ohnehin zurückkehrt.

Wohl um den Telekom-Vorstand angesichts seines plötzlichen Abgangs ruhig zu stellen, machte er ihnen das Angebot, zukünftig als eine Art Scout weiterhin für den Konzern tätig zu sein. So könnte er die Entwicklung von Startups im Silicon Valley beobachten und Tipps über erfolgversprechende Neugründungen oder Geschäftsideen nach Bonn durchgeben.

Das Scheitern Kozels bringt Telekom-Chef René Obermann in eine missliche Lage. Immerhin konnte er zuletzt nicht gerade Erfolgsgeschichten verkünden. Im Festnetz läuft das Geschäft nach wie vor schlecht und der Konkurrenzdruck im Mobilfunk nimmt zu. Nur strikte Einsparungen halfen, die Gewinne hoch zu halten.

Der Konzern bräuchte dringend das, was Kozel bringen sollte: Ideen für neue, erfolgreiche Produkte. Die habe er dem Vernehmen nach durchaus gehabt, konnte sie innerhalb der Telekom aber nicht durchsetzen. Lediglich der Online-Zeitungskiosk Page-Place wurde letztlich konkret umgesetzt.

Einen Nachfolger will Obermann offenbar nicht suchen. Stattdessen wolle er sich zukünftig selbst um Innovationen kümmern. Damit, so hieß es, vermeidet er zwar das Risiko einer Fehlbesetzung. Allerdings ist der Erfolg damit auch ganz an ihn persönlich gebunden.
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