Selbstmordserie: Ermittlungen gegen France Telecom

Wirtschaft & Firmen Die Häufung von Selbstmordfällen beim französischen Telekommunikationskonzern France Telecom hat nun auch die Justiz auf den Plan gerufen. Ein Gericht ließ nun Ermittlungen gegen das Unternehmen aufnehmen. Wegen der Vorfälle mussten bereits Konzernchef Didier Lombard und sein Vize Louis-Pierre Wenes ihre Posten räumen. Zuvor hatten binnen zwei Jahren 35 Mitarbeiter des Unternehmens Suizid begangen. In Abschiedsbriefen nannten sie unter anderem den hohen Druck am Arbeitsplatz als Grund für ihre Verzweiflung.

Nun könnte das Problem ein juristisches Nachspiel haben. Ermittlungen seitens der Justiz sollen zeigen, ob die France Telecom und verantwortliche Manager wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht gestellt werden können, berichtete das 'Wall Street Journal' unter Berufung auf den ermittelnden Staatsanwalt Jean-Christophe Vaulot-Pfister.

Denn der Umgang des Konzerns mit seinen Mitarbeitern soll einen wesentlichen Einfluss auf deren Psyche gehabt haben. Hintergrund ist der hohe Anteil von unkündbaren Beamten bei dem Unternehmen. Nachdem die France Telecom 1997 privatisiert wurde liegt deren Anteil an der 102.000-köpfigen Belegschaft noch bei 65 Prozent.

Bei Umstrukturierungen konnten die Beamten nicht gefeuert werden. Das Unternehmen versetzte statt dessen viele von ihnen in andere Landesteile. Durch die soziale Entwurzelung nahm nach Angaben von Gewerkschaften die Zahl von Depressions-Erkrankungen zu.

In einem Selbstmordfall vom August letzten Jahres kamen Experten bei einer Untersuchung beispielsweise zu dem Schluss, dass die Versetzung und eine unzureichende Vorbereitung des Mitarbeiters auf seine neue Stelle zu massivem psychischen Druck geführt habe, dem dieser nicht gewachsen war. Das Unternehmen streitet einen direkten Zusammenhang jedoch ab.
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