Wero-Fiasko: Neukundenaktion endet in Gebühren-Chaos & Kontosperre
Eine Marketingkampagne des europäischen Bezahldienstes Wero brachte einen gemeinnützigen deutschen Verein beinahe in ernste finanzielle Schwierigkeiten. Tausende Cent-Überweisungen führten zu einer Kontosperrung und verursachten hohe Gebühren.
Die European Payments Initiative (EPI), die hinter dem Bezahldienst steht, startete am 15. September 2026 eine Aktion, bei der jeder neu angemeldete Kunde 15 Euro erhalten sollte. Die Voraussetzung für den Bonus bestand darin, zwei Zahlungen in Höhe von mindestens einem Cent an unterschiedliche Empfänger zu tätigen. Da viele neue Nutzer in ihrem privaten Umfeld jedoch keine Kontakte mit aktiviertem Wero-Konto fanden, griffen sie auf Ratschläge aus Internetforen zurück. Dort tauchte die Empfehlung auf, die geforderten Cent-Beträge als Spende an gemeinnützige Vereine zu überweisen. Das hatte unerwartete Folgen.
Ein noch größeres Problem waren jedoch die Gebühren, die bei dem Geschäftskonto des Vereins für die eingehenden Überweisungen anfielen. Im Fall von Inklu Fusion überstiegen die Kosten die Spendenhöhe von einem Cent pro Transaktion bei Weitem. Obwohl der Verein durch die vielen kleinen Überweisungen knapp 450 Euro einnahm, hätten sich die fälligen Bankgebühren auf rund 770 Euro summiert. Durch das Minus von 320 Euro wäre es für die Organisation nach eigenen Angaben finanziell "eng geworden".
Die Rettung kam durch die Bank. Die Deutsche Skatbank, bei der der Verein das Konto besitzt, zeigte sich nach Klärung des Sachverhalts letztlich kulant, erließ sämtliche Buchungskosten für die Tausenden Überweisungen und schrieb die volle Spendensumme gut. Die Folgen bleiben dennoch spürbar, da die ehrenamtliche Vereinsbuchhaltung nun sämtliche 8000 Buchungen händisch prüfen, sortieren und zuordnen muss und nicht für andere wichtige Aufgaben zur Verfügung steht.
Laut Golem erklärte die European Payments Initiative ihr Bedauern über die Ereignisse. Man habe genau das Gegenteil von dem erzielt, was erreicht werden sollte. Nach eigenen Angaben hat man inzwischen auch Kontakt zum Inklu Fusion e. V. aufgenommen. Das Unternehmen plant nun, zusammen mit Bankpartnern Maßnahmen zu erarbeiten, um derartige Vorfälle künftig zu vermeiden. Inklu Fusion zog derweil endgültige Konsequenzen, kündigte Wero als Zahlungsmittel und nimmt Spenden ab sofort wieder als normale Überweisung an.
Was haltet ihr von dieser Cashback-Aktion? Liegt der Fehler bei der EPI oder seht ihr auch eine Mitschuld bei den Kunden, die versucht haben, die Aktion auszunutzen? Teilt eure Erfahrungen in den Kommentaren!
Siehe auch:
Wero-Aktion läuft gewaltig schief
Vor über zwei Jahren startete das als europäische PayPal-Alternative angetretene Bezahlsystem Wero. Zwar gibt es schon seit Ende 2024 eine App, doch der Dienst kämpft trotz der Einbindung durch die Sparkasse und andere Banken mit Akzeptanzproblemen. Jetzt hat eine Marketingkampagne, die eigentlich nur neue Nutzer werben sollte, für Chaos gesorgt.Die European Payments Initiative (EPI), die hinter dem Bezahldienst steht, startete am 15. September 2026 eine Aktion, bei der jeder neu angemeldete Kunde 15 Euro erhalten sollte. Die Voraussetzung für den Bonus bestand darin, zwei Zahlungen in Höhe von mindestens einem Cent an unterschiedliche Empfänger zu tätigen. Da viele neue Nutzer in ihrem privaten Umfeld jedoch keine Kontakte mit aktiviertem Wero-Konto fanden, griffen sie auf Ratschläge aus Internetforen zurück. Dort tauchte die Empfehlung auf, die geforderten Cent-Beträge als Spende an gemeinnützige Vereine zu überweisen. Das hatte unerwartete Folgen.
Verein entstehen hohe Kosten
Für den kleinen Inklu Fusion e. V. aus der Nähe von Kiel, der sich für Menschen mit Behinderungen einsetzt, entwickelte sich der plötzliche Spenden-Ansturm zu einer brenzligen Situation. Innerhalb kürzester Zeit verzeichnete das Geschäftskonto knapp 8000 einzelne Einzahlungen verschiedener Personen. Die Hausbank wertete das ungewöhnliche Transaktionsvolumen als Betrugsversuch, sperrte das Konto tagelang für weitere Zahlungseingänge und bereitete Strafanzeigen vor.Ein noch größeres Problem waren jedoch die Gebühren, die bei dem Geschäftskonto des Vereins für die eingehenden Überweisungen anfielen. Im Fall von Inklu Fusion überstiegen die Kosten die Spendenhöhe von einem Cent pro Transaktion bei Weitem. Obwohl der Verein durch die vielen kleinen Überweisungen knapp 450 Euro einnahm, hätten sich die fälligen Bankgebühren auf rund 770 Euro summiert. Durch das Minus von 320 Euro wäre es für die Organisation nach eigenen Angaben finanziell "eng geworden".
Die Rettung kam durch die Bank. Die Deutsche Skatbank, bei der der Verein das Konto besitzt, zeigte sich nach Klärung des Sachverhalts letztlich kulant, erließ sämtliche Buchungskosten für die Tausenden Überweisungen und schrieb die volle Spendensumme gut. Die Folgen bleiben dennoch spürbar, da die ehrenamtliche Vereinsbuchhaltung nun sämtliche 8000 Buchungen händisch prüfen, sortieren und zuordnen muss und nicht für andere wichtige Aufgaben zur Verfügung steht.
Aktion vorzeitig abgebrochen
Ursprünglich war die Neukundenkampagne für fast zwei Monate bis zum 9. November 2026 geplant. Die EPI beendete das Programm allerdings unangekündigt nach nur fünf Tagen. Als Grund wurde ein ausgeschöpftes Auszahlungskontingent genannt, dessen genaue Höhe aber nicht bekannt ist. Zahlreiche Neukunden, die in der Folge noch Überweisungen getätigt, aber keine Auszahlung erhalten hatten, zeigten sich verärgert.Laut Golem erklärte die European Payments Initiative ihr Bedauern über die Ereignisse. Man habe genau das Gegenteil von dem erzielt, was erreicht werden sollte. Nach eigenen Angaben hat man inzwischen auch Kontakt zum Inklu Fusion e. V. aufgenommen. Das Unternehmen plant nun, zusammen mit Bankpartnern Maßnahmen zu erarbeiten, um derartige Vorfälle künftig zu vermeiden. Inklu Fusion zog derweil endgültige Konsequenzen, kündigte Wero als Zahlungsmittel und nimmt Spenden ab sofort wieder als normale Überweisung an.
Was haltet ihr von dieser Cashback-Aktion? Liegt der Fehler bei der EPI oder seht ihr auch eine Mitschuld bei den Kunden, die versucht haben, die Aktion auszunutzen? Teilt eure Erfahrungen in den Kommentaren!
Zusammenfassung
- Eine Neukundenaktion für den europäischen Bezahldienst Wero sorgte für Chaos
- Nutzer überwiesen massenhaft Cent-Beträge für eine Prämie von 15 Euro
- Der Verein Inklu Fusion erhielt rund 8000 Kleinstbeträge in kürzester Zeit
- Wegen hoher Buchungsgebühren drohte der Organisation ein finanzieller Verlust
- Die Bank erließ die Gebühren kulant, doch der Prüfaufwand bleibt enorm
- Die Betreibergesellschaft EPI stoppte die Werbeaktion vorzeitig nach fünf Tagen
Siehe auch:
- Europäischer Bezahldienst: Wero kämpft mit gravierenden Problemen
- ING startet mit Wero: "PayPal-Killer" jetzt in der Banking-App verfügbar
- Banken und Sparkassen setzen auf Wero - doch das zündet nicht
- Echtzeit-Zahlungen: Paypal-Konkurrent Wero startet mit eigener App
- Europas PayPal-Konkurrent Wero startet mit rudimentären Funktionen
Thema:
Felix KrauthRedakteur für Windows & Hardware
War Game Designer, bevor er Journalist wurde, und testet Spiele bis heute selbst. Sein Spektrum reicht von der FritzBox über Windows 11 und Apple bis zu Gaming.
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