Saudi-Arabien: Todesstrafe für Gastarbeiter nach Facebook-Beitrag

Ein sri-lankischer Gastarbeiter wurde in Saudi-Arabien wegen eines blasphemischen Facebook-Kommentars über den Islam zum Tode verurteilt. Die Regierung in Sri Lanka versucht nun, die Hinrichtung mit rechtlichen und diplomatischen Mitteln abzuwenden.
Klage, Gericht, Gesetz, Urteil, Recht, Justiz, Gerichtsurteil, Gerichtsverfahren, Verurteilung, Saudi-Arabien, Richter, verhandlung, Gerichtssaal, Rechtsprechung, Wappen von Saudi-Arabien, Scharia
WinFuture/KI-generiert
  • Ein sri-lankischer Gastarbeiter wurde in Saudi-Arabien zum Tode verurteilt
  • Auslöser war ein kritischer Kommentar über den Islam auf der Plattform Facebook
  • Screenshots des Beitrags führten im Juli 2026 zur Festnahme des 24-Jährigen
  • Ein Berufungsgericht wandelte die Haftstrafe nach Scharia-Recht in den Tod um
  • Sri Lankas Regierung will die Hinrichtung nun auf diplomatischem Weg stoppen
  • Eine Delegation bereitet vor Ort den Einspruch am Obersten Gerichtshof vor

Todesstrafe für Facebook-Kommentar

Ein 24-jähriger sri-lankischer Gastarbeiter, der in Saudi-Arabien beschäftigt ist, wurde wegen eines Beitrags in den sozialen Medien zum Tode verurteilt. Anojan S. hatte sich auf der Plattform Facebook abfällig über den Islam und den Propheten Mohammed geäußert. Das Urteil löste in Sri Lanka Entsetzen aus, woraufhin die Regierung nun mit rechtlichen und diplomatischen Mitteln versucht, die drohende Hinrichtung abzuwenden.

Der Vorfall hat seinen Ursprung in einem religiösen Online-Streit, der auf ein Ereignis während einer hinduistischen Pilgerreise in Sri Lanka folgte. Nachdem ein anderer Nutzer hinduistische Gottheiten beleidigt hatte, reagierte Anojan S. mit seinem Kommentar. Obwohl der 24-Jährige den Beitrag kurz darauf löschte und ein Entschuldigungsvideo veröffentlichte, gelangten Screenshots an seinen saudischen Arbeitgeber und die saudischen Behörden. Laut seinem Bruder hatten Personen aus Sri Lanka das Unternehmen per E-Mail informiert. Das führte im Juli 2026 schließlich zu seiner Festnahme.


Verschärfung des Urteils

Zunächst verurteilte das Strafgericht in Al-Ahsa den Gastarbeiter nach dem saudischen Gesetz gegen Cyberkriminalität zu einer fünfjährigen Haftstrafe. Zusätzlich wurde eine Geldstrafe von drei Millionen Saudi-Riyal (gut 700.000 Euro) verhängt. Nachdem ein Berufungsantrag der Verteidigung gescheitert war, legte die saudische Staatsanwaltschaft ihrerseits Rechtsmittel ein. Sie forderte eine Verurteilung nach der Scharia, also dem islamischen Recht. Das Berufungsgericht gab dem Antrag statt und wandelte die Strafe am 17. September in ein Todesurteil um.

Wie BBC berichtet, haben die Angehörigen seit Ende September keinen Kontakt mehr zu Anojan S. Insassen im saudischen Todestrakt wird üblicherweise der Zugang zu privaten Mobiltelefonen entzogen. Zudem betonen Aktivisten, dass Gastarbeiter im saudischen Rechtssystem durch Sprachbarrieren besonders verletzlich sind. Menschenrechtsorganisationen kritisieren das harte Vorgehen der Justiz bei Meinungsäußerungen im Internet wiederholt, wenngleich Hinrichtungen wegen Blasphemie seltener vorkommen als bei Drogendelikten.

Diplomatische Rettungsmission

Die sri-lankische Regierung hat inzwischen angekündigt, alle juristischen Kosten für den Verurteilten zu übernehmen. Am Dienstag reist eine vierköpfige Rechtsdelegation nach Saudi-Arabien, um gemeinsam mit lokalen Kanzleien die Dokumente für einen Einspruch beim Obersten Gerichtshof vorzubereiten.

Zudem bereitet eine parlamentarische Delegation die Übermittlung eines offiziellen Gnadengesuchs des sri-lankischen Präsidenten Anura Kumara Dissanayake vor. Zuvor hatten bereits hochrangige buddhistische und hinduistische Geistliche die Regierung zum Eingreifen aufgefordert, auch die Mutter des Verurteilten richtete unter Tränen einen Appell an die Verantwortlichen in Saudi-Arabien.

Was denkt ihr über die harte Bestrafung von Social-Media-Beiträgen im Ausland? Teilt uns eure Meinung in den Kommentaren mit!

Siehe auch:
Witold Pryjda

Senior Redakteur

Seit 1996 im Journalismus, ausgebildet an der Österreichischen Medienakademie. Sein Spektrum reicht von Robotern und KI über E-Autos bis zur Militärtechnik.

WinFuture bei Google bevorzugenJetzt hinzufügen
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!