Smart-TV hört mit: Samsung wird vorgeworfen, Nutzer auszuspionieren
Ein Wohnzimmer am Abend: Das Licht ist gedimmt, auf dem Sofa läuft ein YouTube-Video. Dann kommt eine Werbeeinblendung, die verblüffend gut passt. Genau so ein Moment hat einen Sicherheitsforscher misstrauisch gemacht.
Dabei stieß er auf ein Softwarepaket für dauerhaft aktive Mikrofone. Es soll Umgebungsgeräusche ständig auswerten. Die Auswertung findet laut log4j zunächst auf dem Gerät selbst statt. Zuständig ist demnach eine künstliche Intelligenz, die an die jeweilige Region angepasst ist.
Das neuronale Netz registriert, wie sich die Zuschauer verhalten. Es merkt sich, welche YouTube-Videos sie aufrufen und welche Anzeigen sie überspringen, und erstellt daraus ein Profil. Gleichzeitig zählen interne Sensoren bestimmte Geräusche, etwa wenn ein Hund bellt oder ein Baby schreit.
Auch wie lange eine angeschlossene Kamera genutzt wird und was der Umgebungslichtsensor misst, hält das System fest. Alle diese Werte landen nach den Erkenntnissen des Forschers anschließend in der Cloud des Herstellers.
Die Funktionen melden bellende Hunde oder schreiende Babys über die SmartThings-App. In den Produktinformationen steht allerdings nicht, dass die Ereigniszähler laut der Analyse auch an Server des Unternehmens übertragen werden. Für den Entwickler hatte die Untersuchung übrigens selbst Folgen: Er nutzte dafür Werkzeuge von OpenAI; die Firma sperrte daraufhin sein Konto wegen angeblichen Missbrauchs.
Wie steht ihr zu der Datensammlung durch Smart-TVs? Zieht ihr für den Fernseher im Wohnzimmer bereits Konsequenzen? Teilt eure Meinung in den Kommentaren. Siehe auch:
- Ein Entwickler fand Spionagefunktionen im Betriebssystem Tizen von Samsung
- Integrierte Mikrofone zeichnen ständig Geräusche der Umgebung direkt auf
- Künstliche Intelligenz wertet das Verhalten der Nutzer für Werbung aus
- Kameranutzung sowie Umgebungslichtwerte wandern in die Cloud des Konzerns
- Das System nutzt bei Bedarf Mikrofone externer Bluetooth-Lautsprecher
- Die erfassten Nutzerdaten sollen an über 400 Partnerfirmen fließen
Der Fernseher, der mithört
Der Entwickler, der unter dem Pseudonym log4j auftritt, wollte wissen, woher sein Samsung-Fernseher so viel über ihn weiß. Er untersuchte deshalb Tizen, das Betriebssystem eines Samsung-Modells aus dem Jahr 2025. Nach seinen Angaben sammelt das Gerät umfangreiche Telemetriedaten, um aus den Nutzern Werbeprofile zu erstellen.Dabei stieß er auf ein Softwarepaket für dauerhaft aktive Mikrofone. Es soll Umgebungsgeräusche ständig auswerten. Die Auswertung findet laut log4j zunächst auf dem Gerät selbst statt. Zuständig ist demnach eine künstliche Intelligenz, die an die jeweilige Region angepasst ist.
Das neuronale Netz registriert, wie sich die Zuschauer verhalten. Es merkt sich, welche YouTube-Videos sie aufrufen und welche Anzeigen sie überspringen, und erstellt daraus ein Profil. Gleichzeitig zählen interne Sensoren bestimmte Geräusche, etwa wenn ein Hund bellt oder ein Baby schreit.
Auch wie lange eine angeschlossene Kamera genutzt wird und was der Umgebungslichtsensor misst, hält das System fest. Alle diese Werte landen nach den Erkenntnissen des Forschers anschließend in der Cloud des Herstellers.
Wenn die Soundbar zum Ohr wird
Cybernews zufolge soll Samsung die gesammelten Daten mit mehr als 400 Partnerunternehmen teilen. Besonders heikel ist ein weiterer Fund. Hat der Fernseher selbst kein Mikrofon, greift die Software angeblich auf andere Geräte im Raum zurück. Sie sucht dann gezielt nach gekoppelten Soundbars oder Bluetooth-Lautsprechern und nutzt deren Mikrofone, um den Raum zu überwachen.Erkennungsfunktionen in der SmartThings-App
Neben der Audioerfassung entdeckte log4j eine Fernwartungsfunktion namens "rmdemon". Darüber kann der Support vorübergehend auf das System zugreifen, um Fehler zu analysieren. Ein Teil der Funktionen ist offiziell bekannt: Für seine Vision-AI-Fernseher von 2025 bewirbt Samsung "Pet Care" und "Family Care".Die Funktionen melden bellende Hunde oder schreiende Babys über die SmartThings-App. In den Produktinformationen steht allerdings nicht, dass die Ereigniszähler laut der Analyse auch an Server des Unternehmens übertragen werden. Für den Entwickler hatte die Untersuchung übrigens selbst Folgen: Er nutzte dafür Werkzeuge von OpenAI; die Firma sperrte daraufhin sein Konto wegen angeblichen Missbrauchs.
Kein Einzelfall in der Branche
Samsung ist nicht der erste Hersteller, dessen Fernseher wegen Datensammlung in die Kritik geraten. Frühere Untersuchungen legen nahe, dass bis zu 200 Millionen Fernseher von LG im Standby-Modus Audiosignale aufnehmen. Außerdem sollen sie Daten wie IP-Adressen und die Namen benachbarter WLAN-Netze erfassen. Samsung hat sich zu den neuen Vorwürfen bislang nicht geäußert.Wie steht ihr zu der Datensammlung durch Smart-TVs? Zieht ihr für den Fernseher im Wohnzimmer bereits Konsequenzen? Teilt eure Meinung in den Kommentaren. Siehe auch:
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Nadine DresslerRedakteurin für Windows & Netzwerke
Seit 2001 im Journalismus, klassisch ausgebildet, Autorin eines Windows-Buches. Ihre Themen reichen von Insider-Builds über die FritzBox bis zu DSL und Starlink.
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