OOXML-Format: LibreOffice erhebt schwere Vorwürfe gegen Microsoft

Die Macher von LibreOffice attackieren Microsoft erneut hart. Sie werfen dem Redmonder Softwareriesen Manipulation von Gremien und Abstimmungen im Rahmen der Etablierung des OOXML-Formats vor. Die Folgen würden bis heute für Inkompatibilitäten sorgen.
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  • The Document Foundation wirft Microsoft Manipulation bei OOXML vor
  • Der erste Genehmigungsversuch scheiterte 2007 an Bedenken von Staaten
  • Nationale Normungsgremien verzeichneten daraufhin viele neue Mitglieder
  • Neue Mitglieder umfassten etliche Personen aus Microsoft-nahen Unternehmen
  • Im April 2008 wurde der OOXML-Standard schließlich knapp angenommen
  • Letztlich implementierte Microsoft eine nicht zugelassene Übergangsvariante
  • Die Folgen sind heutige Kompatibilitätsprobleme für viele Anwender

Kampf um Dokumentenstandards

The Document Foundation (TDF) ist als Entwickler von LibreOffice bekannt dafür, heftig gegen Microsoft und andere Mitbewerber im Bereich Open Source auszuteilen. Jetzt wettert TDF erneut gegen das in seinen Augen pseudo-offene Dateiformat OOXML und wirft Microsoft im Rahmen der Einführung Manipulation von Gremien und Abstimmungen vor.

Als der US-Bundesstaat Massachusetts 2006 ankündigte, das offene Open Document Format für öffentliche Dokumente zu nutzen, reichte Ecma International, deren zuständiges Komitee von zwei Microsoft-Mitarbeitern geleitet wurde, als Reaktion im Dezember eine 6.000 Seiten umfassende Spezifikation für OOXML bei ISO/IEC zur Genehmigung ein. Dabei kam überraschenderweise ein beschleunigtes Verfahren zum Einsatz, das eigentlich nur für bereits erprobte Formate gedacht war. Der erste Versuch, OOXML zu etablieren scheiterte dennoch im September 2007, da Länder wie Brasilien, Indien und Frankreich technische Bedenken anmeldeten.


Fragwürdige Abstimmungen

Wie Italo Vignoli von The Document Foundation in einem aktuellen Blogbeitrag ausführt, kam es in der Folge zu weiteren Unregelmäßigkeiten, die er offen als Manipulation bezeichnet. So verzeichneten nationale Normungsgremien plötzlich einen enormen Zulauf an neuen Mitgliedern. In Italien wuchs die Zahl der Mitglieder rasant von fünf auf über 80 an, darunter eine PR-Agentur und eine Anwaltskanzlei, die für Microsoft tätig waren.

Auch in Portugal traten zahlreiche Geschäftspartner von Microsoft den entsprechenden Ausschüssen bei. Laut Martin Bryan, Koordinator der ISO-Arbeitsgruppe, ging es den neuen Mitgliedern einzig darum, die Zulassung von OOXML zu beschleunigen. Letztendlich wurde der Standard im April 2008 mit einer knappen Mehrheit der Befürworter angenommen. Die Zahl der Microsoft-Mitarbeiter und "Partner" in den Gremien überstieg die der Vertreter aller anderen Organisationen laut Vignoli im Verhältnis von etwa zehn zu eins. Einsprüche mehrerer Staaten blieben erfolglos.

Folgen für heutige Nutzer

Die weitreichenden Konsequenzen dieses Vorgehens spüren Anwender laut The Document Foundation noch heute. Microsoft implementierte in Office 2010 nämlich nicht die von der Normungsorganisation offiziell freigegebene strenge Variante von OOXML. Stattdessen kam eine lediglich als Übergangslösung gedachte Version zum Einsatz, die nicht abgesegnet war. Das führe noch heute zu Kompatibilitätsproblemen beim Austausch von Dokumenten mit alternativen Programmen wie LibreOffice, so Vignoli. Microsoft sei dafür nie zur Rechenschaft gezogen worden.

Anstatt gemeinsam an einem plattformübergreifenden Format auf Basis des Open Document Format zu arbeiten, hätte sich Microsoft laut TDF damals auf einen rein finanziell geführten Konkurrenzkampf konzentriert. Das sei letztlich zulasten der digitalen Souveränität der Anwender geschehen, da die Interessen der Nutzer laut der Organisation komplett ignoriert wurden.

Wusstet ihr schon von den Umständen der OOXML-Einführung? Was denkt ihr darüber? Welche Office-Programme benutzt ihr für eure alltägliche Arbeit? Schreibt es uns in die Kommentare!

Download LibreOffice - Quelloffene Office-Suite Siehe auch:
Felix Krauth

Redakteur für Windows & Hardware

War Game Designer, bevor er Journalist wurde, und testet Spiele bis heute selbst. Sein Spektrum reicht von der FritzBox über Windows 11 und Apple bis zu Gaming.

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