Mysteriöse GPS-Störungen sollen von russischen Satelliten ausgehen

Russische Satelliten stehen offenbar hinter rätselhaften GPS-Störungen, die seit Jahren in ganz Europa auftreten. Möglicherweise handelt es sich um Tests eines Störsystems, mit dem sich die Satellitennavigation in großem Maßstab blockieren lässt.
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Beobachtung seit Jahren

Die kurzen, nur wenige Sekunden andauernden Störungen konnten gleichzeitig an Messstationen von Norwegen bis Spanien sowie teilweise sogar in Grönland und Kanada registriert werden. Damit handelt es sich um einen seltenen Fall von menschengemachten GPS-Eingriffen, deren Ursprung nicht auf der Erde, sondern im Weltraum liegt. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Untersuchung von Forschern der University of Texas und der Stanford University, von der das US-Magazin Ars Technica berichtet.

Die Wissenschaftler werteten Daten von Navigations-Empfängern aus dem Zeitraum von Januar 2019 bis April 2026 aus. Dabei identifizierten sie insgesamt 75 Tage, an denen ungewöhnlich starke Signale im Umfeld der wichtigsten GPS-Frequenz auftraten. Die Ereignisse ereigneten sich überwiegend an Werktagen während der europäischen Geschäftszeiten.


Da die Störungen zeitgleich über weite Teile Europas hinweg messbar waren, schlossen die Forscher auf eine Quelle in großer Höhe. Mithilfe zusätzlicher Rohdaten aus Messstationen in Amsterdam und Trondheim gelang es ihnen schließlich, die Herkunft eines Störsignals vom Februar 2026 genauer einzugrenzen. Die Berechnungen führten zu einem klaren Verdacht: Der russische Satellit Kosmos 2546 befand sich als einziger Kandidat exakt auf der errechneten Position.

Weitere Analysen deuteten darauf hin, dass insgesamt sechs russische Satelliten des Frühwarnsystems EKS mit den Störungen in Verbindung stehen könnten. Diese Satelliten dienen eigentlich der Erkennung ballistischer Raketenstarts und bewegen sich auf stark elliptischen Umlaufbahnen, die eine lange Beobachtung der Nordhalbkugel ermöglichen.

Absicht oder Nebenwirkung?

Warum die Signale ausgesendet werden, bleibt jedoch unklar. Einer der beteiligten Forscher vermutet, Russland könnte die Fähigkeit zur großflächigen GPS-Störung testen, ohne dabei direkt die eigentliche GPS-Frequenz zu nutzen. Im Konfliktfall ließe sich die Technik möglicherweise deutlich wirkungsvoller einsetzen, um die Satellitennavigation in großen Regionen zu blockieren.

Andere Experten halten eine weniger bedrohliche Erklärung für möglich. Die Signale könnten auch Teil eines Kommunikationssystems der Satelliten sein. Zwar seien die Aussendungen offenbar absichtlich in der Nähe von Navigationsfrequenzen platziert worden und könnten deren Nutzung beeinträchtigen, ein eindeutiger Beweis für eine militärische Störmaßnahme liege bislang jedoch nicht vor.

Die Europäische Union erklärte, den Vorgang zu untersuchen, äußerte sich aufgrund der Geheimhaltung laufender Analysen aber nicht zu möglichen Ergebnissen. Russland gab bislang keinen Kommentar ab.

Zusammenfassung
  • Russische Satelliten stehen hinter rätselhaften GPS-Störungen über Europa, vermuten Forscher
  • Störungen dauerten nur Sekunden, waren aber von Norwegen bis Spanien gleichzeitig messbar
  • Analysen der University of Texas und Stanford führten zum russischen Satelliten Kosmos 2546
  • Sechs russische Satelliten des Frühwarnsystems EKS könnten mit den Störungen zusammenhängen
  • Mögliche Erklärung: Russland testet Fähigkeit zur GPS-Störung im Krisenfall
  • EU kündigte Untersuchung an; Russland hat sich bislang nicht geäußert

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