Ungarn versenkt wegen Dürre zwei Schiffe zur Kernkraftwerk-Kühlung
Massive Dürre bringt das ungarische Kernkraftwerk Paks an sein Limit. Um die Kühlung der Reaktoren zu retten, versenken Einsatzkräfte zwei Lastkähne in der Donau. So soll der Pegel steigen und eine weitreichende Stromkrise verhindert werden.
Die in der Sowjetzeit errichtete Anlage arbeitet aufgrund des fehlenden Kühlwassers derzeit nur noch mit einer Kapazität von rund zehn bis 25 Prozent. Ohne ein rasches Eingreifen der Behörden müssten in Kürze weitere der noch verbleibenden Turbinen vom Netz gehen. Um den Pegel kurzfristig zu stabilisieren, begannen Einsatzkräfte am Samstag damit, zwei 80 Meter lange Lastkähne gezielt in der Donau zu versenken.
Wie Reuters berichtet, soll die Maßnahme den Wasserstand an den Kühlpumpen um entscheidende Zentimeter erhöhen. Parallel dazu entsteht ein Grundschweller. Das ist eine künstliche Barriere aus rund 150.000 Kubikmetern Gestein am Grund der Donau, die die Strömung verlangsamen und den Pegel flussaufwärts anheben soll.
Ein kompletter Stillstand des Kraftwerks wäre wirtschaftlich schwerwiegend. Nach Angaben der ungarischen Regierung belaufen sich die Verluste durch die derzeitige Drosselung auf etwa 137 Millionen Euro pro Monat. Das Nachbarland Rumänien sah sich bereits gezwungen, einen Reaktor abzustellen und versenkte ebenfalls vier mit Steinen beladene Schiffe, um das Wasser zum Kraftwerk Cernavoda umzuleiten.
Auch in Frankreich mussten in diesem Sommer aufgrund der Hitze mehrere Kernreaktoren vom Netz gehen. Die Vorfälle zeigen die Verwundbarkeit von Anlagen, die auf kontinuierliches Flusswasser zur Kühlung angewiesen sind. In Ungarn wird aufgrund der Wasserproblematik nun der geplante Ausbau der Anlage durch einen russischen Staatskonzern diskutiert.
Wie bewertet ihr die ungewöhnlichen Maßnahmen zur Sicherung der Stromversorgung? Teilt eure Gedanken mit uns in den Kommentaren!
Siehe auch:
- Historische Tiefstände der Donau bedrohen das ungarische AKW Paks
- Der Betrieb des Atomkraftwerks sichert rund ein Drittel des Stroms
- Zwei Lastkähne wurden versenkt, um den Pegel an den Pumpen zu heben
- Ein künstlicher Grundschweller aus Gestein soll die Strömung bremsen
- Die Drosselung der Reaktoren kostet rund 137 Millionen Euro im Monat
- Auch in Rumänien und Frankreich gab es Probleme durch die Hitzewelle
Kampf gegen Niedrigwasser in Ungarn
Wegen anhaltender Dürren und extremer Hitzewellen sind die Wasserpegel der europäischen Flüsse in den vergangenen Wochen auf historische Tiefstände gefallen. Das hat diverse Folgen, auch für die Energieversorgung: In Ungarn bedroht der Wassermangel nämlich den Betrieb des Kernkraftwerks Paks, das etwa ein Drittel des landesweiten Stroms liefert. Premierminister Péter Magyar ordnete daher an, den Wasserstand der Donau künstlich anzuheben, um die Kühlung der Reaktoren sicherzustellen und eine drohende Abschaltung abzuwenden.Die in der Sowjetzeit errichtete Anlage arbeitet aufgrund des fehlenden Kühlwassers derzeit nur noch mit einer Kapazität von rund zehn bis 25 Prozent. Ohne ein rasches Eingreifen der Behörden müssten in Kürze weitere der noch verbleibenden Turbinen vom Netz gehen. Um den Pegel kurzfristig zu stabilisieren, begannen Einsatzkräfte am Samstag damit, zwei 80 Meter lange Lastkähne gezielt in der Donau zu versenken.
Wie Reuters berichtet, soll die Maßnahme den Wasserstand an den Kühlpumpen um entscheidende Zentimeter erhöhen. Parallel dazu entsteht ein Grundschweller. Das ist eine künstliche Barriere aus rund 150.000 Kubikmetern Gestein am Grund der Donau, die die Strömung verlangsamen und den Pegel flussaufwärts anheben soll.
Klimawandel bedroht Energieversorgung
Die Errichtung der Schwelle wird von rund 100 Soldaten unterstützt und gilt als langfristige(re) Lösung für das Kraftwerk Paks. Ein Vorteil der Bauweise ist die dauerhafte Stabilisierung des Wasserstands, ohne den Flusslauf für die Natur komplett zu blockieren. Nachteilig sind jedoch die Eingriffe in das Ökosystem des Flusses sowie die Baukosten von rund 16 Millionen Euro.Ein kompletter Stillstand des Kraftwerks wäre wirtschaftlich schwerwiegend. Nach Angaben der ungarischen Regierung belaufen sich die Verluste durch die derzeitige Drosselung auf etwa 137 Millionen Euro pro Monat. Das Nachbarland Rumänien sah sich bereits gezwungen, einen Reaktor abzustellen und versenkte ebenfalls vier mit Steinen beladene Schiffe, um das Wasser zum Kraftwerk Cernavoda umzuleiten.
Auch in Frankreich mussten in diesem Sommer aufgrund der Hitze mehrere Kernreaktoren vom Netz gehen. Die Vorfälle zeigen die Verwundbarkeit von Anlagen, die auf kontinuierliches Flusswasser zur Kühlung angewiesen sind. In Ungarn wird aufgrund der Wasserproblematik nun der geplante Ausbau der Anlage durch einen russischen Staatskonzern diskutiert.
Wie bewertet ihr die ungewöhnlichen Maßnahmen zur Sicherung der Stromversorgung? Teilt eure Gedanken mit uns in den Kommentaren!
Siehe auch:
- Dürre: Ungarisches AKW entgeht "um Millimeter" der Abschaltung
- MIT-Forscher entdecken bei AKW-Tests Methode für Chip-Optimierung
- Zu viel Strom aus Solar und Windkraft: Frankreich fährt AKW runter
- Hinkley Point C: Britischer AKW-Neubau wird zum Finanz-Fiasko
- Größtes deutsches AKW soll größter Batteriespeicher der EU werden
Themen:
Witold PryjdaSenior Redakteur
Seit 1996 im Journalismus, ausgebildet an der Österreichischen Medienakademie. Sein Spektrum reicht von Robotern und KI über E-Autos bis zur Militärtechnik.
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