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Euro-Office startet: LibreOffice lässt kein gutes Haar am Konkurrenten

Heute startet Euro-Office als europäische Alternative zu Microsoft und Google. Die Macher von LibreOffice üben jetzt aber scharfe Kritik. Das neue Office-Paket verfehle das Ziel der digitalen Souveränität durch die Wahl falscher Dateiformate komplett.
Büropaket, Libreoffice, bürosoftware
The Document Foundation

Start von Euro-Office

LibreOffice bzw. The Document Foundation (TDF) hält nicht gerade hinter dem Berg, wenn es um Meinungen zur Konkurrenz geht. In den letzten Monaten bekamen sowohl OnlyOffice als auch das Projekt Collabora sowie selbstverständlich Microsoft einiges ab. Heute geht nun die neue Open-Source-Bürosoftware Euro-Office offiziell in ihrer 1.0-Version an den Start. Ein Zusammenschluss europäischer IT-Unternehmen, darunter Nextcloud und Ionos, hat das webbasierte Paket entwickelt. Es soll als quelloffene Alternative zu etablierten Diensten wie Microsoft 365 und Google Workspace dienen. Doch auch hier hat TDF einiges zu bemängeln.

Technisch basiert Euro-Office auf einem Fork von OnlyOffice. Das Ziel der Entwickler ist es, die digitale Souveränität in Europa zu stärken. Behörden und Unternehmen sollen unabhängiger von großen US-Konzernen werden. Da Euro-Office für die Integration in bestehende Cloud-Umgebungen konzipiert ist, richtet es sich an professionelle Anwender, die volle Kontrolle über ihre Daten behalten möchten. Das System lässt sich auf eigenen Servern betreiben.


Kritik am Dateiformat

Wie The Document Foundation in einem offenen Brief darlegt, verfehle das neue Projekt jedoch seine eigenen Ziele. Die Stiftung hinter LibreOffice stört sich vor allem an der Wahl des Dateiformats. Euro-Office nutze standardmäßig OOXML, das von Microsoft entwickelte "pseudo-offene" Format für Office-Dokumente.

Mitbegründer der Stiftung Italo Vignoli argumentiert, dass OOXML gezielt entworfen worden sei, um Nutzer an das Ökosystem aus Redmond zu binden. Ein wirklich freier Austausch von Inhalten sei nur mit dem offenen Standard ODF möglich. ODF wurde ursprünglich im Jahr 2006 als ISO-Standard anerkannt und bildet seitdem das Rückgrat vieler freier Office-Anwendungen weltweit. 20 Jahre ODF: Meilensteine des offenen DateistandardsWichtige Meilensteine des ODF-Standards Durch die Nutzung von OOXML werde Euro-Office zu einem "De-facto-Verbündeten" von Microsoft im Kampf gegen die europäische Unabhängigkeit. Die Kritiker befürchten, dass Anwender trotz offener Software weiterhin in proprietären Strukturen gefangen bleiben. Zudem sei die Umsetzung des OOXML-Standards oft komplex, was in der Praxis zu Anzeigefehlern bei Formatierungen führen kann.

Kritik an Marketing-Behauptung

Zudem kritisiert die Stiftung das Marketing von Euro-Office. So sei die Behauptung falsch, es handele sich um das erste in Europa entwickelte Open-Source-Office. Bereits im Jahr 2001 erschien OpenOffice, gefolgt von LibreOffice im Jahr 2010. Beide Projekte haben ihre Wurzeln in Europa und würden seit Jahrzehnten echten quelloffenen Code für Millionen von Nutzern bieten.

Ein Blick auf die Entstehung zeigt zudem weitere Spannungen. Die ursprünglichen Entwickler von OnlyOffice zeigten sich im Vorfeld wenig begeistert über die Abspaltung ihres Codes. Gleichzeitig merkt die TDF an, dass viele heutige Verfechter der digitalen Souveränität den offenen ODF-Standard in der Vergangenheit belächelt oder schlicht ignoriert hätten. Darunter leide nun die Glaubwürdigkeit von Euro-Office. Ob sich all diese Kritik merklich auf die Nutzung der neuen Office-Umgebung auswirken wird, bleibt aber abzuwarten.

Download LibreOffice - Quelloffene Office-Suite Download OnlyOffice Desktop - Gratis Office für Windows Wie bewertet ihr den Start von Euro-Office und die Format-Kritik? Ist OOXML für euch ein Ausschlusskriterium oder wichtig für Kompatibilität? Teilt eure Meinung in den Kommentaren!

Zusammenfassung
  • Die neue Bürosoftware Euro-Office startet heute offiziell in Version 1.0
  • Ein Bündnis aus IT-Unternehmen will mit dem Tool digitale Souveränität fördern
  • Das Paket ist als quelloffene Alternative für Cloud-Umgebungen gedacht
  • Kritik übt The Document Foundation an der Nutzung des Formats OOXML
  • Laut Kritikern binde das Microsoft-Format Nutzer an US-amerikanische Firmen
  • TDF widerspricht der Behauptung, Euro-Office sei das erste freie Office aus Europa
  • Auch die ursprünglichen Entwickler von OnlyOffice kritisierten den Fork

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