Nvidia-KI-Chip in neuem russischem Marschflugkörper gefunden

Der ukrainische Geheimdienst hat in einem russischen Marschflugkörper einen KI-Chip von Nvidia entdeckt. Das kommerzielle Modul steuert die finale Zielerfassung der Waffe völlig autonom. Der Fund belegt die Lücken in den Sanktionen.
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KI in russischen Marschflugkörpern

Der ukrainische Militärgeheimdienst HUR hat in einem abgeschossenen russischen Marschflugkörper vom Typ S-71M Monokhrom einen fortschrittlichen Chip von Nvidia identifiziert. Das Modul mit der Bezeichnung Jetson Orin NX steuert laut Analysen die finale Zielerfassung der Waffe. Der Vorfall im laufenden Konflikt belegt, dass kommerzielle Hardware für maschinelles Sehen zunehmend für militärische Zwecke eingesetzt wird.

Bei dem Jetson Orin handelt es sich um einen kompakten Bordcomputer, der für die Entwicklung von Robotik und autonomen Systemen konzipiert wurde. In der Rakete, die von Tarnkappenflugzeugen des Typs Su-57 abgefeuert wird, verarbeitet das Bauteil visuelle Daten einer Kamera. Durch das System kann der Flugkörper in der letzten Flugphase autonom nach Zielen suchen und diese ohne direkte Steuerung durch einen Piloten ansteuern.

Wie die Kyiv Post berichtet, dokumentieren ukrainische Spezialisten solche Funde systematisch. Neben dem Hardware-Modul von Nvidia wurden in den vergangenen Monaten weitere ausländische Bauteile wie passive Radarsuchköpfe in unbemannten Fluggeräten, Kamerasysteme aus asiatischer Produktion sowie elektronische Elemente für aeroballistische Raketen identifiziert.


Sanktionen laufen ins Leere

Der Einsatz autonomer Zielerfassung bietet Angreifern den Vorteil, dass sie unabhängig von externen Steuersignalen agieren können. Elektronische Gegenmaßnahmen wie Störsender, die herkömmliche GPS-Signale blockieren, verlieren dadurch weitgehend ihre Schutzwirkung.

Offiziell ist das Bauteil zweifellos nicht ins Land gelangt, denn Nvidia hat sich bereits im Jahr 2022 offiziell aus dem russischen Markt zurückgezogen. Da das nun gefundene Modul erst im Jahr 2023 veröffentlicht wurde, muss es über unregulierte Kanäle oder Drittstaaten an den Bestimmungsort gelangt sein.

Der Hersteller betont in Stellungnahmen zudem regelmäßig, dass es sich bei derartigen Chips um gewöhnliche Komponenten für Studenten und Entwickler handele. Diese seien nicht für militärische Zwecke konzipiert. Eine lückenlose Kontrolle über den weltweiten Weiterverkauf durch Dritte ist für Unternehmen jedoch enorm aufwendig. Bereits im vergangenen Jahr tauchte die exakt gleiche Hardware-Familie in einer Drohne auf, die in der Herstellung schätzungsweise 20.000 Dollar (etwa 17.288 Euro) kostet.

Nun kommt die Technik in deutlich komplexeren und teureren Waffensystemen zum Einsatz. Laut den ukrainischen Behörden zeigt das einerseits die starke Abhängigkeit der russischen Rüstungsindustrie von ausländischer Hochtechnologie. Andererseits belegt der Fund, dass die bestehenden internationalen Exportkontrollen dringend angepasst werden müssen, um den Schmuggel über Briefkastenfirmen und Zwischenhändler in Zukunft effektiver zu unterbinden.

Wie bewertet ihr die Nutzung von kommerzieller Hardware in Waffensystemen? Teilt eure Gedanken zu den Exportkontrollen gerne mit uns in den Kommentaren!

Zusammenfassung
  • Ukraine findet modernen Nvidia-Chip Jetson Orin NX in russischer Rakete
  • Der kompakte Bordcomputer dient der autonomen Zielerfassung im Flug
  • Das System ermöglicht das Finden von Zielen ohne GPS-Steuersignale
  • Der im Jahr 2023 erschienene Chip gelangte trotz Sanktionen nach Russland
  • Nvidia betont, dass die Bauteile für zivile Entwickler gedacht sind
  • Der Fund zeigt die russische Abhängigkeit von westlicher Hochtechnologie

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