Xpengs Roboter Iron aus nächster Nähe - Zukunft mit Kinderkrankheiten

Beim AI-in-Motion-Workshop in Peking gestand Xpengs Robotik-Chef Mi Liangchuan ein, was eher selten zu hören ist: Bei Iron sei nicht die KI das Problem, sondern die Hardware. Wir waren vor Ort und haben den Roboter gesehen - wenngleich nicht in Bewegung.
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Der Traum Roboter und seine unerwarteten Hindernisse

Wenn ein Hersteller Monate vor der angekündigten Serienproduktion einräumt, dass sein Roboter schon einmal wegen lockerer Kabel umkippen kann, ist das ungewöhnlich offen. Genau diesen Moment konnte man im Konferenzraum eines Hotels in Peking, wohin Xpeng zur "AI in Motion"-Medientour geladen hat, erleben - ein mehrtägiger Pressetermin, der nach Guangzhou und in die chinesische Hauptstadt führte.

Vor internationalen Journalisten sprach Mi Liangchuan, Leiter KI und Robotik beim chinesischen Autobauer, Flugautopionier, Ladenetzwerkbetreiber (und noch vielem mehr), auffallend nüchtern über den Stand des humanoiden Roboters Iron. Den Roboter selbst bekommen wir an diesem Tag nur in Einspielern und auf Folien zu sehen, nicht in Bewegung - ein Detail, das im Verlauf des Vortrags an Bedeutung gewinnt.

Blick auf das Innenleben des Xpeng-Roboters Iron

Hardware als "Flaschenhals"

"Überraschenderweise ist die KI nicht unser Flaschenhals", sagt Mi auf der Bühne und macht eine kurze Pause, als wolle er den Satz wirken lassen. "Die KI macht große Fortschritte." Dann folgt der eigentliche Punkt: "Fast keiner unserer bisherigen Stürze ging auf die KI oder den Controller zurück. Es liegt immer an einem verlegten Kabel oder an einer unterbrochenen Signalverbindung." Im Saal horchen an dieser Stelle die meisten auf, denn diese erfrischend ehrliche Aussage ist nicht unbedingt das, was man sonst aus dieser Branche hört. Denn gewöhnlich wird eher die Komplexität der KI als Engpass beschrieben.

Besonders die Hände bereiten Xpeng laut Mi Probleme. In ersten Werksversuchen hätten die Greifer der ersten Generation keinen vollen Monat durchgehalten. Auf Nachfrage aus dem Publikum, ob die zweite Generation bereits feststehe, weicht Mi aus: Man verfolge derzeit parallel mehrere Entwicklungspfade, eine finale Konstruktion sei noch nicht gewählt.

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Die Eckdaten der vorgestellten Plattform sind dennoch ambitioniert (der Begriff DoF, also Degrees of Freedom oder Freiheitsgrade, beschreibt dabei die Anzahl unabhängig beweglicher Achsen):

  • Aktuelle Generation (Vorstellung November 2025): 173 cm, 65 kg, 82 Freiheitsgrade, 22-DoF-Bionikhand, biomimetische Wirbelsäule, gekrümmtes 3D-Display im Kopf für Mimik
  • Erste Generation (2024): 178 cm, 70 kg, 62 Freiheitsgrade, läuft im Pilotbetrieb in Xpeng-Werken, Empfangsbereichen und Stores

Inhaltlich spannender wird der Vortrag, als Mi auf die Software-Architektur eingeht. Iron läuft bereits auf VLA 2.0, demselben Vision-Language-Action-Modell, das Xpeng auch in seinen Assistenzsystemen für Elektroautos einsetzt. Drei der hauseigenen Turing-Chips sollen in der Serienversion stecken.

Die Idee dahinter: Navigationsmodelle und sogenannte Long-Tail-Probleme - also seltene, schwer zu trainierende Sonderfälle - will der Konzern gemeinsam für Auto und Roboter lösen. Eine eigens errichtete "Data Factory" in Guangzhou soll die Trainingsdaten liefern. Welche Art von Daten dort genau erhoben werde, lässt Mi auf Nachfrage allerdings offen. Er bestätigt aber, dass die von großen Sprachmodellen bekannten Skalierungsgesetze nach bisheriger Beobachtung auch in der Robotik zu greifen scheinen.

Persönlich wird es, als Mi seine Motivation erklärt und damit zur Sinnfrage nach solchen Robotern kommt. Denn so recht kann bisher kein Hersteller erklären, wie derartige Blechkamerad*innen unser Leben verbessern sollen. Xpeng macht auch hier vieles anders als seine Mitbewerber, denn man fokussiert sich hier nicht auf das Mantra der anderen, nämlich Industrieroboter.

Mi erzählt vielmehr von seinem Nachbarn Danny, der zu Hause nicht mehr versorgt werden konnte, in eine Pflegeeinrichtung musste und kürzlich leider verstarb. "Unsere Motivation, einen humanoiden Roboter zu bauen, der Menschen hilft, ist eine Mission von höchster Bedeutung", sagt er sichtlich bewegt. Iron solle eines Tages ein "Familienmitglied" sein, das älteren oder kranken Menschen ermögliche, in den eigenen vier Wänden zu bleiben.

Xpeng erklärt, warum der Roboter Iron sich so menschlich bewegt

Die Zeitachse bleibt ambitioniert: Der Bau der humanoiden Fabrik in Guangzhou soll demnächst starten, die Serienproduktion zum vierten Quartal anlaufen. Bis 2030 peilt Xpeng nach eigenen Angaben eine Million ausgelieferte Einheiten an - eine Größenordnung, die auch Tesla und Figure AI ausgerufen haben. Auf die Frage nach der Konkurrenz reagiert Mi entspannt: "Wir betrachten kein Team aus keinem Land als Konkurrenten, denn der Markt ist riesig und die Branche steht noch ganz am Anfang."

Wie seht ihr das: Ist Mis offenes Eingeständnis ein Zeichen von Souveränität oder ein Warnsignal vor dem Serienstart? Würdet ihr einen Haushaltsroboter aus China zuhause aufstellen? Schreibt eure Einschätzung gern in die Kommentare.

Zusammenfassung
  • Xpeng sieht die Hardware als Haupthindernis für den Roboter Iron an
  • Sämtliche Roboter nutzen dieselbe KI-Software wie die Elektroautos
  • Iron soll künftig als Familienmitglied Senioren im Haushalt unterstützen
  • Bis 2030 plant Xpeng die Auslieferung von einer Million Robotereinheiten
  • Drei hauseigene Turing-Chips werden künftig im Inneren von Iron stecken
  • Eine neue Fabrik für humanoide Roboter entsteht in Kürze in Guangzhou

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