Clippy-Comeback ist ein Krypto-Scam:
Hacker kapern Microsoft-Account

Gekaperter X-Account, vorgetäuschte Nostalgie und eine frag­würd­ige Werbung: Unbekannte haben das offizielle Profil von Microsoft übernommen. Mit der angeblichen Rückkehr der Büroklammer Clippy versuchten die Täter, ahnungslose Anleger anzulocken.
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Microsoft
  • Unbekannte Täter übernahmen den offiziellen X-Account des Konzerns Microsoft
  • Die Angreifer änderten das Profilbild und versprachen Clippys baldiges Comeback
  • Hinter der Aktion steckte gezielte Werbung für die Kryptowährung $Clippy
  • Ein angeblicher Entschuldigungspost stammte ebenfalls von den Cyberkriminellen
  • Das Vorgehen der Angreifer deutet stark auf ein Pump-and-Dump-Schema hin
  • Bereits im Juni 2024 wurde Microsofts indisches X-Konto von Betrügern gekapert

Clippy-Rückkehr als Köder

Unbekannte Angreifer haben den offiziellen X-Account von Microsoft übernommen. Das Konto mit mehr als 13 Millionen Followern teilte einen Beitrag eines Profils, das sich als animierte Büroklammer Clippy ausgab. Darin wurde gefragt, wie viele Likes für Clippys Rückkehr nötig seien. Der gekaperte Microsoft-Account antwortete, der frühere Assistent werde bei 500.000 Likes zurückkehren. Die Täter änderten zudem das Profilbild des Konzerns in das bekannte Maskottchen.

Die Aktion sollte offenbar eine Kryptowährung namens $Clippy bewerben. Ein weiteres Profil nutzte die Aufmerksamkeit, um zum Kauf des Tokens aufzurufen. Dabei behauptete man in betrügerischer Absicht, die digitale Währung sei direkt mit der Microsoft-Aktie verbunden. Microsoft X-Account Clippy Spam

Falsche Entschuldigung

Wie The Verge berichtet, wurden die Beiträge später entfernt. Etwa 30 Minuten danach erschien auf dem Profil ein längerer Text, der eine Verbindung zu Kryptowährungen bestritt und rechtliche Schritte ankündigte.

Ein Unternehmenssprecher bestätigte später, dass auch dieser angebliche Entschuldigungspost nicht von Microsoft stammte und daher ebenfalls gelöscht wurde. Der Account sei daraufhin wieder gesichert worden.

Das Vorgehen deutet auf ein sogenanntes Pump-and-Dump-Schema hin. Dabei kaufen Initiatoren eine Kryptowährung günstig ein und nutzen anschließend große Reichweiten, um weitere Käufer anzulocken. Steigt der Preis infolge der Nachfrage, verkaufen sie ihre Anteile mit Gewinn. Für andere Anleger kann der Kurs anschließend einbrechen. Ob finanzielle Schäden entstanden sind, ist unklar. Clippy by FireCubeClippy weiß Bescheid

Nostalgie trifft auf Betrug

Die Angreifer nutzten ein Motiv aus der Unternehmensgeschichte. Clippy wurde mit Office 97 als Standard-Assistent eingeführt. In Office XP wurde die Funktion 2001 standardmäßig deaktiviert, mit Office 2007 verschwand die Büroklammer vollständig. Das Maskottchen entwickelte sich über die Jahre zu einem Nostalgie-Symbol, das in sozialen Netzwerken regelmäßig Aufmerksamkeit erhält.

Aufstieg, Fall und Comeback von Clippy

  • 1996
    Debüt in Office 97
    Microsoft führt mit Office 97 den Office-Assistenten ein. Die Büroklammer heißt offiziell "Clippit", wird aber weltweit schnell als "Clippy" bekannt. Sie soll Nutzern kontextbezogene Hilfe geben, etwa beim Schreiben von Briefen.
  • 1999
    Weiter in Office 2000
    Auch in Office 2000 bleibt Clippy der Standard-Assistent. Zugleich wächst die Kritik: Viele Nutzer empfinden die ungefragten Hinweise und Animationen als störend.
  • 2001
    In Office XP deaktiviert
    Microsoft schaltet den Office-Assistenten in Office XP standardmäßig ab. Clippy lässt sich zwar weiterhin aktivieren, erscheint aber nicht mehr automatisch.
  • 2003
    Letzter Auftritt
    Office 2003 ist die letzte Version, in der der Assistent noch enthalten ist.
  • 2007
    Vollständig entfernt
    Mit Office 2007 streicht Microsoft den Office-Assistenten komplett. Auch spätere Office-Versionen enthalten Clippy nicht mehr.
  • 2021
    Comeback als Emoji
    Nach einer Social-Media-Aktion holt Microsoft die Kultfigur zurück: Clippy ersetzt das Büroklammer-Emoji in Microsoft 365 und Teams.

Ähnliche Übernahmen

Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art. Im Juni 2024 übernahmen Krypto-Betrüger bereits den X-Account von Microsoft Indien, um Follower auf eine schädliche Website zu leiten und digitale Geldbörsen zu leeren. Auch die US-Börsenaufsicht SEC wurde 2024 Opfer eines sogenannten SIM-Swapping-Angriffs. Dabei verkündeten Hacker fälschlich die Zulassung eines Bitcoin-Produkts und beeinflussten den Bitcoin-Kurs kurzzeitig.

Was haltet ihr von dem Angriff und der ständigen Nutzung von Nostalgie-Themen für Krypto-Betrug? Teilt eure Gedanken dazu gerne unten in den Kommentaren!

Siehe auch:
Nadine Juliana Dressler

Redakteurin für Windows & Netzwerke

Seit 2001 im Journalismus, klassisch ausgebildet, Autorin eines Windows-Buches. Ihre Themen reichen von Insider-Builds über die FritzBox bis zu DSL und Starlink.

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