Neue EU-App ermöglicht Altersnachweis ohne Preisgabe von Daten

Die Europäische Union steht kurz vor der Einführung einer neuen App zur Altersverifikation im Internet. Wie Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mitteilte, ist die technische Entwicklung des Werkzeugs abgeschlossen.

Basiert auf Covid-Apps

Die Anwendung soll es Nutzern zukünftig ermöglichen, ihr Alter online nachzuweisen - ohne dabei persönliche Daten preiszugeben. Nach Angaben der EU-Kommission wird die App nach ihrer Veröffentlichung über gängige App-Stores verfügbar sein. Für die Einrichtung müssen sich Nutzer einmalig mit einem offiziellen Dokument wie einem Reisepass oder Personalausweis identifizieren. Anschließend kann die Anwendung genutzt werden, um bei altersbeschränkten Inhalten lediglich das erforderliche Mindestalter zu bestätigen, ohne die eigene Identität offenzulegen.

Technisch orientiert sich das System an den digitalen Zertifikaten, die während der COVID-19-Pandemie verwendet wurden, etwa zum Nachweis des Impfstatus. Die Kommission betont, dass die neue Lösung vollständig anonym funktionieren und auf Open-Source-Technologie basieren soll. Dadurch könnte sie perspektivisch auch außerhalb der EU eingesetzt werden.


Ein zentraler Zweck der App ist die Unterstützung bei der Umsetzung des Gesetzes über digitale Dienste (Digital Services Act). Dieses sieht strengere Regeln für Online-Plattformen vor, insbesondere beim Zugang zu sensiblen Inhalten wie Pornografie, Glücksspiel oder alkoholbezogenen Angeboten.

Hintergrund der Initiative ist die wachsende Sorge um den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet. Der politische Druck innerhalb Europas hat zuletzt zugenommen, nachdem Australien ein Verbot sozialer Medien für unter 16-Jährige beschlossen hatte. Auch mehrere EU-Staaten prüfen derzeit ähnliche Altersgrenzen.

Für nationale und EU-Lösungen

Von der Leyen bezeichnete die aktuelle Situation als "äußerst besorgniserregend". Besonders problematisch seien Funktionen wie endloses Scrollen, stark personalisierte Inhalte und kurze Videoclips, die ein hohes Suchtpotenzial bergen könnten.

Eine einheitliche gesetzliche Regelung auf EU-Ebene gibt es bislang nicht. Das Europäische Parlament hat jedoch bereits ein Mindestalter von 16 Jahren für soziale Netzwerke ins Gespräch gebracht. Bis dahin liegt die Umsetzung weitgehend in der Verantwortung der Mitgliedstaaten. Die neue App soll jedoch als zentrales Instrument dienen können, um sowohl nationale als auch europäische Vorgaben technisch umzusetzen.

Zusammenfassung
  • Die EU-App zur Altersprüfung ist technisch fertig und startet bald
  • Nutzer weisen ihr Alter nach, ohne Identität oder Daten offenzulegen
  • Zur Einrichtung reicht einmalig ein Ausweis oder ein Reisepass
  • Die Lösung ist anonym geplant, Open Source und EU-weit verfügbar
  • Sie soll Vorgaben des Digital Services Act technisch unterstützen
  • Auslöser sind Sorgen um Kinder vor Sucht durch Feeds und Clips

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