GrapheneOS: Lieber Verkaufsstopp als Altersprüfung im Betriebssystem

In Brasilien und einigen US-Bundesstaaten werden derzeit neue gesetzliche Regelungen eingeführt, die eine Altersprüfung auf Betriebssystemebene verlangen. Für die Entwickler der auf Sicherheit getrimmten Android-Variante GrapheneOS kommt ein solcher Zwang nicht in Frage.

Keine Geräte ohne ID-Pflicht? Dann eben nicht

Das Team von GrapheneOS hat angekündigt, auf keinen Fall neuen Gesetzen Folge zu leisten, die die Anbieter von Betriebssystemen für PCs und mobile Endgeräte dazu zwingen sollen, bereits während der ersten Inbetriebnahme der Produkte eine Reihe sensibler Nutzerdaten zu erfassen, mit denen eine Identitäts- und Altersprüfung erfolgen soll.

GrapheneOS werde auch weiterhin von jedermann frei benutzbar bleiben, ohne dass dafür die Angabe persönlicher Informationen, eine Identifikation oder ein Nutzerkonto vorausgesetzt werden. Das Betriebssystem und die dazugehörigen Dienste sollen weltweit weiter verfügbar bleiben. Wenn mit GrapheneOS ausgerüstete Geräte in bestimmten Ländern oder Regionen nicht mehr verkauft werden dürfen, dann sei das eben so, hieß es in einer auf X/Twitter veröffentlichten Stellungnahme.

Neue Gesetze erzwingen Altersprüfung

Das Entwickler-Team reagierte damit auf ein neues Gesetz, das in Brasilien seit dem 17. März 2026 in Kraft ist. Das als "Digital ECA" bezeichnete Gesetz schreibt vor, dass Strafen in Höhe von bis zu 50 Millionen Real (umgerechnet gut 8,2 Millionen Euro) in jedem Fall verhängt werden können, wenn ein Anbieter von Betriebssystemen es versäumt, eine Altersprüfung zu implementieren.

Auch in den US-Bundesstaaten Kalifornien und Colorado sind entsprechende Gesetze auf den Weg gebracht worden. Diese schreiben vor, dass alle Betriebssystemanbieter während der Einrichtung eines Nutzerkontos das Alter oder das Geburtsdatum des Users abfragen und diese Information über eine entsprechende Programmierschnittstelle an App-Stores und App-Entwickler weiterreichen müssen.

Allerdings geht man zumindest in Kalifornien (bisher) nicht so weit, eine Identitätsprüfung der Nutzer zur Verifikation des Alters zu verlangen. Die User können somit ein beliebiges Geburtsdatum angeben. In Brasilien wird, wie auch bei der entsprechenden Debatte in Deutschland, stets der Schutz von Minderjährigen auf Online-Plattformen als Grund für die Voraussetzung einer Altersprüfung angeführt.

Wie genau die Umsetzung in Brasilien aussehen soll, ist bisher noch nicht im Detail geklärt. Anders als etwa in Kalifornien will man allerdings definitiv nicht auf die sogenannte "Selbsterklärung" bezüglich des Alters setzen, also keine vom Nutzer selbst zu wählenden Angaben zum Geburtsdatum akzeptieren. Neben dem Schutz von Minderjährigen hat die neue Gesetzgebung in Brasilien auch das Ziel, Online-Betrug, sexuellen Missbrauch, Gewalt, Cyberbullying und andere Straftaten zu unterbinden.

Zusammenfassung
  • GrapheneOS lehnt gesetzliche Altersprüfung auf Betriebssystemebene ab
  • Brasilien hat seit dem 17. März 2026 ein neues Gesetz zur Alterskontrolle
  • Bei Verstößen drohen Strafen von bis zu 50 Millionen Real in Brasilien
  • Auch Kalifornien und Colorado planen ähnliche gesetzliche Regelungen
  • GrapheneOS bleibt weltweit frei nutzbar ohne persönliche Datenangaben
  • In Kalifornien reicht bisher eine Selbsterklärung zum Geburtsdatum aus
  • Brasilien begründet das Gesetz mit dem Schutz von Minderjährigen online

Siehe auch:
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!