Discord rudert zurück: Altersverifikation verschoben, Partner ist raus
Die Chatplattform Discord rudert bezüglich Altersverifikation ein Stück zurück. Nachdem sich die entsprechende Ankündigung zu einem handfesten PR-Desaster entwickelte, will man die Einführung nun zumindest verschieben.
Besonders heikel war der Zeitpunkt: Erst vier Monate zuvor hatten Angreifer etwa 70.000 Ausweisdokumente von einem Drittanbieter erbeutet. Betroffen war der Identitätsdienst Persona, mit dem Discord zusammenarbeitet. Vor diesem Hintergrund wirkte die Aufforderung zur Übermittlung sensibler biometrischer Daten auf viele wie ein Affront.
Zusätzliche Brisanz erhielt der Fall durch die Eigentümerstruktur von Persona. Das Unternehmen wird unter anderem vom Founders Fund des rechtsextremistischen Tech-Investors Peter Thiel unterstützt. Thiel ist Mitgründer von Palantir, einem Konzern, der Analyse- und Überwachungstechnologien für US-Behörden entwickelt. Recherchen zufolge fanden sich Bestandteile von Personas Prüfsoftware auf einer von der US-Regierung autorisierten Infrastruktur, wo Hunderte von Verifikationsabfragen - darunter auch Prüfungen auf Terrorismus- oder Spionagebezug - möglich waren. Zudem hatte Discord offenbar bereits Tests mit Persona im Vereinigten Königreich durchgeführt, ohne die Nutzer transparent darüber zu informieren.
Nach Angaben von Discord sollen über 90 Prozent der Nutzer ohnehin keine Änderungen bemerken, da das System das Alter bereits anhand von Kontodaten, Zahlungsinformationen und Aktivitätsmustern einschätze. Für verbleibende Fälle ist unter anderem eine Verifikation per Kreditkarte geplant. Ob das verlorene Vertrauen damit zurückgewonnen werden kann, bleibt jedoch offen.
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Massive Kritik
Anfang des Monats kündigte das Unternehmen an, ab März sämtliche rund 200 Millionen Nutzerkonten standardmäßig mit jugendschutzgerechten Einschränkungen zu versehen. Wer weiterhin uneingeschränkten Zugriff wollte, sollte entweder einen Gesichtsscan durchführen oder ein amtliches Ausweisdokument hochladen. Allein diese Ankündigung löste massive Kritik aus. Viele Nutzer äußerten Bedenken hinsichtlich Datenschutz und möglicher Missbrauchsrisiken.Besonders heikel war der Zeitpunkt: Erst vier Monate zuvor hatten Angreifer etwa 70.000 Ausweisdokumente von einem Drittanbieter erbeutet. Betroffen war der Identitätsdienst Persona, mit dem Discord zusammenarbeitet. Vor diesem Hintergrund wirkte die Aufforderung zur Übermittlung sensibler biometrischer Daten auf viele wie ein Affront.
Zusätzliche Brisanz erhielt der Fall durch die Eigentümerstruktur von Persona. Das Unternehmen wird unter anderem vom Founders Fund des rechtsextremistischen Tech-Investors Peter Thiel unterstützt. Thiel ist Mitgründer von Palantir, einem Konzern, der Analyse- und Überwachungstechnologien für US-Behörden entwickelt. Recherchen zufolge fanden sich Bestandteile von Personas Prüfsoftware auf einer von der US-Regierung autorisierten Infrastruktur, wo Hunderte von Verifikationsabfragen - darunter auch Prüfungen auf Terrorismus- oder Spionagebezug - möglich waren. Zudem hatte Discord offenbar bereits Tests mit Persona im Vereinigten Königreich durchgeführt, ohne die Nutzer transparent darüber zu informieren.
Alles noch einmal neu
Angesichts der wachsenden Kritik räumte Discord-Technikchef Stanislav Vishnevskiy ein, man habe "das Ziel verfehlt". Die Einführung der neuen Identitätsregeln wird nun auf die zweite Jahreshälfte 2026 verschoben. Zudem beendet Discord die Zusammenarbeit mit Persona. Künftig soll eine Altersverifikation außerdem vollständig auf dem Gerät der Nutzer erfolgen, sodass biometrische Daten dieses nicht verlassen. Ebenso beabsichtigt das Unternehmen offenzulegen, welche Dienstleister künftig Zugriff auf Nutzerdaten haben.Nach Angaben von Discord sollen über 90 Prozent der Nutzer ohnehin keine Änderungen bemerken, da das System das Alter bereits anhand von Kontodaten, Zahlungsinformationen und Aktivitätsmustern einschätze. Für verbleibende Fälle ist unter anderem eine Verifikation per Kreditkarte geplant. Ob das verlorene Vertrauen damit zurückgewonnen werden kann, bleibt jedoch offen.
Zusammenfassung
- Discord verschiebt die Altersverifikation auf die zweite Jahreshälfte 2026
- Ursprünglich sollten 200 Millionen Konten Jugendschutzfilter erhalten
- Nutzer kritisierten Gesichtsscans und das Hochladen von Ausweisdokumenten
- Ein Datenleck bei Persona betraf zuvor rund 70000 Ausweisdokumente
- Discord beendet die Zusammenarbeit mit dem Identitätsdienst Persona
- Biometrische Daten sollen künftig das Gerät der Nutzer nicht verlassen
- Über 90 Prozent der Nutzer sollen von den Änderungen nicht betroffen sein
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Christian Kahle
Redakteur bei WinFuture
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