Aus vier wird eins: EU-Digitalreform weicht Datenschutz auf

Die EU plant eine drastische Überarbeitung der DSGVO: Weniger Schutz für pseudonymisierte Daten, Cookie-Tracking ohne Einwilligung und KI-Training mit persönlichen Daten sollen erlaubt werden. Was das für euren Datenschutz bedeutet.
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EU-Digitalpaket bündelt vier Datengesetze

Am 19. November 2025 will die EU-Kommission einen umfassenden Vorschlag für die Überarbeitung ihrer Digitalregulierung vorstellen (via Netzpolitik). Dabei soll der sogenannte "digitale Omnibus" verschiedene Regelwerke vereinfachen, überlappende Gesetze harmonisieren und Bürokratie abbauen.

Das Reformvorhaben führt vier separate Datenregelungen zu einem einzigen, überarbeiteten Data Act zusammen: Die Open Data Directive, die Free Flow of non-personal Data-Verordnung, der Data Governance Act und der ursprüngliche Data Act werden in einem Gesetz gebündelt. Der Data Act ist erst seit September 2025 EU-weit anwendbar und soll nun schon wieder überarbeitet werden.


Datenschutzgrundverordnung vor Aufweichung

Besonders kontrovers sind die geplanten Änderungen an der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Die Kommission will den Schutz pseudonymisierter Daten einschränken und die Definition sensibler Daten enger fassen.

Künftig sollen nur noch Daten als besonders schutzbedürftig gelten, "aus denen oben genannte Informationen explizit hervorgehen". Auch beim Online-Tracking plant die Kommission eine Lockerung: Das Setzen nicht-notwendiger Cookies soll auf Basis des "legitimen Interesses" möglich sein, ohne vorherige Einwilligung. Und für KI-Systeme soll das "legitime Interesse" ebenfalls als Rechtsgrundlage ausreichen.

Kritik an geplanten Reformen

Der ehemalige Kommissionsdirektor Paul Nemitz, einer der Gründerväter der DSGVO, kommentiert die Pläne scharf. Das Vorhaben mache "das Leben von Menschen, ausgedrückt in personenbezogenen Daten, zum Gegenstand einer allgemeinen maschinellen Erfassung".

Vom Datenschutz wird nichts mehr übrigbleiben.
Paul Nemitz
Auch die Betroffenenrechte stehen zur Disposition. Menschen sollen künftig weniger Möglichkeiten haben, bei Unternehmen oder Behörden Auskunft über ihre Daten zu erhalten. Die deutsche Regierung hatte sich bereits für eine Beschneidung des Auskunftsrechts ausgesprochen. Infografik Künstliche Intelligenz: Die größten Befürchtungen bezüglich KIKünstliche Intelligenz: Die größten Befürchtungen bezüglich KI

KI-Verordnung soll vereinfacht werden

Parallel zur DSGVO-Reform plant die Kommission Änderungen an der KI-Verordnung. Die KI-Aufsicht soll teilweise beim "AI Office" gebündelt werden, das direkt bei der Kommission angesiedelt ist.

Kleine und mittlere Unternehmen sollen von bestimmten Dokumentations- und Monitoring-Verpflichtungen ausgenommen werden. Nach der Veröffentlichung der Vorschläge werden das EU-Parlament und der Rat der Mitgliedstaaten eigene Positionen zum Gesetzespaket vorlegen.

Was haltet ihr von den geplanten Änderungen an der DSGVO? Seht ihr die Reformen als notwendige Vereinfachung oder als problematische Aufweichung des Datenschutzes?

Was ist der "digitale Omnibus"?
Der "digitale Omnibus" ist ein Gesetzesvorhaben der EU-Kommission, das mehrere digitale Rechtsakte zusammenführen und vereinfachen soll. Ziel ist es, Bürokratie abzubauen und widersprüchliche Regelungen zu harmonisieren - insbesondere im Datenschutz, bei der Datennutzung, Cybersicherheit und der KI-Regulierung.

Dabei sollen u.a. der Data Act, die Open-Data-Richtlinie und der Data Governance Act in ein gemeinsames Regelwerk überführt werden. Auch die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) soll überarbeitet werden - mit potenziell weitreichenden Folgen für IT-Profis und Unternehmen.
Welche Änderungen drohen bei der DSGVO?
Die EU-Kommission plant, den Schutz personenbezogener Daten in mehreren Punkten zu lockern. So sollen pseudonymisierte Daten leichter nutzbar werden, das Online-Tracking könnte ohne vorherige Einwilligung erlaubt sein und die Definition sensibler Daten soll enger gefasst werden.

Für IT-Verantwortliche bedeutet das: Weniger rechtliche Hürden beim Datenzugriff, aber auch größere Risiken für Datenschutzverletzungen und Nutzervertrauen. Kritiker sprechen von einem möglichen "Kahlschlag beim Datenschutz".
Was ändert das beim Online-Tracking?
Künftig könnte das Setzen nicht-notwendiger Cookies auf das "berechtigte Interesse" gestützt werden - eine Einwilligung der Nutzer:innen wäre dann nicht mehr zwingend erforderlich. Derzeit ist dies nur mit ausdrücklicher Zustimmung erlaubt.

Für Website-Betreiber würde das Tracking einfacher, doch Nutzer:innen hätten weniger Kontrolle. Ein Opt-out statt Opt-in könnte zum Standard werden. Medienanbieter sollen jedoch ausgenommen bleiben, um deren wirtschaftliche Basis zu schützen.
Was bedeutet das für pseudonymisierte Daten?
Die Kommission will die Nutzung pseudonymisierter Daten erleichtern. Diese gelten nicht als vollständig anonym, da sie Rückschlüsse auf Personen zulassen - etwa durch Zuordnung über ID-Nummern oder Cookies.

Laut EU-Kommission erlaubt ein aktuelles EuGH-Urteil mehr Spielraum. Kritiker warnen jedoch, dass dies Tür und Tor für Tracking und Überwachung öffnet - auch ohne ausdrückliche Zustimmung der Betroffenen. Besonders für Werbe- und Analysezwecke wäre das ein Paradigmenwechsel.
Darf KI bald mit Nutzerdaten trainieren?
Ja, wenn es nach der Kommission geht. Sie will das Training von KI-Systemen mit personenbezogenen Daten auf Basis des "berechtigten Interesses" erlauben - ohne vorherige Einwilligung der Betroffenen. Das betrifft insbesondere große Tech-Konzerne wie Meta oder Google.

Für Entwickler:innen und Unternehmen könnte das die Datenbeschaffung vereinfachen. Datenschützer warnen jedoch vor einem massiven Eingriff in die Privatsphäre und einer Aushöhlung der Grundrechte. Die Debatte ist hochbrisant.
Wird das Auskunftsrecht eingeschränkt?
Ja, sowohl die EU-Kommission als auch die deutsche Bundesregierung schlagen vor, das Auskunftsrecht nach DSGVO zu beschneiden. Ziel ist es, "missbräuchliche Anfragen" zu verhindern, etwa zur Belastung von Behörden oder Unternehmen.

Für IT-Verantwortliche könnte das weniger Aufwand bedeuten. Gleichzeitig verlieren Nutzer:innen ein wichtiges Kontrollinstrument über ihre Daten. Der Vorschlag ist umstritten und könnte das Vertrauen in digitale Prozesse schwächen.
Zusammenfassung
  • EU plant 'digitalen Omnibus' zur Vereinfachung der Digitalregulierung
  • Vier Datenregelungen werden in einem Data Act zusammengeführt
  • DSGVO-Änderungen: weniger Schutz für pseudonymisierte Daten
  • Cookies ohne Einwilligung auf Basis 'legitimen Interesses' möglich
  • KI-Training mit persönlichen Daten unter 'legitimem Interesse'
  • Einschränkung der Betroffenenrechte wie Auskunftsansprüche geplant
  • Reform der KI-Verordnung mit zentraler Aufsicht beim 'AI Office'

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