2000-Euro-Kühlschrank zeigt jetzt Werbung - willkommen im Jahr 2025
Ein Kühlschrank, der Werbung zeigt - willkommen im Jahr 2025. Samsung wird auf seinen Smart-Fridges - vorerst in den USA - Anzeigen einblenden. Die Geräte kosten über 2000 Dollar. Doch die Käufer haben nie zugestimmt. Was hier passiert, ist mehr als nur ein Design-Update.
Noch bleibt Europa verschont. Das Update betrifft aktuell Modelle mit 21- und 32-Zoll-Displays in den USA. Es wird seit heute (27.10.2025) automatisch installiert und aktiviert ein sogenanntes "Cover-Screen-Widget", das alle zehn Sekunden wechselt. Eines der vier Felder ist für "kurierte Anzeigen" reserviert, die dann ab kommender Woche in Küchen in den USA erscheinen sollen. Ja, die Funktion kann vorerst manuell in den Einstellungen abgeschaltet werden. Allerdings: Wer keine Werbung will, muss das ganze Widget opfern - samt Kalender, Wetter und Nachrichten. Wie bitte?
Laut Samsung soll die Testphase zunächst nur Eigenwerbung zeigen - etwa für Wasserfilter oder SmartThings-Dienste. Doch in einer Präsentation, über die The Verge berichtete, beschreibt der Konzern das Programm als Chance, "Markenbotschaften auf jeden Bildschirm im vernetzten Zuhause zu bringen". Das klingt weit weniger "rücksichtsvoll" als die aktuelle Ankündigung gegenüber den Kunden und macht recht klar, wohin die Reise gehen soll.
2000 Euro Kühlschrank: Widget nur mit Werbung
Da ist es nur bedingt beruhigend, dass Samsung zum Start der Funktion in den USA beteuert, man wolle "aufmerksam zuhören und herausfinden, was für Kunden wirklich nützlich ist." Was wenn Kunden laut sagen, dass sie das nicht wollen? Man wird sehen, wie der Konzern wirklich "zuhört".
So sieht die 'nützliche' Info auf dem Kühlschrank aktuell aus
Samsung spricht von "nützlicher, kontextbezogener Information". Doch der Eingriff geschieht per Fernwartung, nicht per Zustimmung. Heute sind es Hinweise auf Wasserfilter, morgen womöglich Produkte, die sich algorithmisch am Einkaufsverhalten orientieren. Was für manche vielleicht nur wie ein kleines Experiment im Küchen-Display wirkt, ist ein Testlauf für das Prinzip: Geht es nach der Vorstellung vieler Konzerne, gehören uns voll bezahlte Haushaltsgeräte nie mehr wirklich komplett. Sie können jederzeit neue "Funktionen" bekommen, die man nicht will, oder alte verlieren, für die man bezahlt hat.
Siehe auch:
Kühlschrank, der nicht fragt, ob Werbung schmeckt
Jüngst ging es hier bei uns um immer dreistere Abos, Software-Lizenzen und das Smarthome, das nur noch mit Monatsgebühr alles kann. Jetzt gibt es in den USA eine Entwicklung, die sehr deutlich zeigt, dass die "Enshittification" einen weiteren Ort mitten in unserem Alltag erreicht hat: die Küche. Samsung wird auf seinen vernetzten Family-Hub-Kühlschränken - Kaufpreis wie eingangs erwähnt stolze 2000 US-Dollar - künftig Werbung zeigen.Noch bleibt Europa verschont. Das Update betrifft aktuell Modelle mit 21- und 32-Zoll-Displays in den USA. Es wird seit heute (27.10.2025) automatisch installiert und aktiviert ein sogenanntes "Cover-Screen-Widget", das alle zehn Sekunden wechselt. Eines der vier Felder ist für "kurierte Anzeigen" reserviert, die dann ab kommender Woche in Küchen in den USA erscheinen sollen. Ja, die Funktion kann vorerst manuell in den Einstellungen abgeschaltet werden. Allerdings: Wer keine Werbung will, muss das ganze Widget opfern - samt Kalender, Wetter und Nachrichten. Wie bitte?
Laut Samsung soll die Testphase zunächst nur Eigenwerbung zeigen - etwa für Wasserfilter oder SmartThings-Dienste. Doch in einer Präsentation, über die The Verge berichtete, beschreibt der Konzern das Programm als Chance, "Markenbotschaften auf jeden Bildschirm im vernetzten Zuhause zu bringen". Das klingt weit weniger "rücksichtsvoll" als die aktuelle Ankündigung gegenüber den Kunden und macht recht klar, wohin die Reise gehen soll.
2000 Euro Kühlschrank: Widget nur mit Werbung
Der weitere Weg scheint klar
Der Schritt reiht sich ein in eine neue "Normalität", die Konzerne zunächst schleichend aber dann mit immer höherer Schlagzahl versuchen zu etablieren: Geräte, die längst bezahlt sind, werden nachträglich zu Einnahmequellen, und sei es mit Werbeflächen.Da ist es nur bedingt beruhigend, dass Samsung zum Start der Funktion in den USA beteuert, man wolle "aufmerksam zuhören und herausfinden, was für Kunden wirklich nützlich ist." Was wenn Kunden laut sagen, dass sie das nicht wollen? Man wird sehen, wie der Konzern wirklich "zuhört".
So sieht die 'nützliche' Info auf dem Kühlschrank aktuell aus
Samsung spricht von "nützlicher, kontextbezogener Information". Doch der Eingriff geschieht per Fernwartung, nicht per Zustimmung. Heute sind es Hinweise auf Wasserfilter, morgen womöglich Produkte, die sich algorithmisch am Einkaufsverhalten orientieren. Was für manche vielleicht nur wie ein kleines Experiment im Küchen-Display wirkt, ist ein Testlauf für das Prinzip: Geht es nach der Vorstellung vieler Konzerne, gehören uns voll bezahlte Haushaltsgeräte nie mehr wirklich komplett. Sie können jederzeit neue "Funktionen" bekommen, die man nicht will, oder alte verlieren, für die man bezahlt hat.
Was bedeutet Enshittification?
Enshittification (deutsch etwa: "Verschlimmbesserung" oder "Verelendung") beschreibt den schleichenden Qualitätsverlust digitaler Plattformen. Der Begriff wurde 2022 vom Autor Cory Doctorow geprägt und wurde 2023 zum "Digital Word of the Year".
Der Prozess verläuft in drei Phasen: Zuerst lockt die Plattform Nutzer mit gutem Service an. Dann verschlechtert sie das Nutzererlebnis, um Geschäftskunden (Werbetreibende, Verkäufer) anzuziehen. Schließlich beutet sie beide Seiten aus, um Investoren zu befriedigen.
Beispiele sind Amazon (mehr Werbung, schlechtere Suchergebnisse), Facebook (weniger organische Reichweite), Twitter/X (Verifizierung gegen Bezahlung) und Google (Suchergebnisse voller Ads und SEO-Spam).
Der Prozess verläuft in drei Phasen: Zuerst lockt die Plattform Nutzer mit gutem Service an. Dann verschlechtert sie das Nutzererlebnis, um Geschäftskunden (Werbetreibende, Verkäufer) anzuziehen. Schließlich beutet sie beide Seiten aus, um Investoren zu befriedigen.
Beispiele sind Amazon (mehr Werbung, schlechtere Suchergebnisse), Facebook (weniger organische Reichweite), Twitter/X (Verifizierung gegen Bezahlung) und Google (Suchergebnisse voller Ads und SEO-Spam).
Wie entstand der Begriff?
Cory Doctorow verwendete "Enshittification" erstmals im November 2022 in einem Pluralistic-Blogpost über TikTok. Im Januar 2023 veröffentlichte er einen ausführlichen Essay in Wired, der viral ging.
Der Begriff traf einen Nerv: Viele Nutzer hatten das Gefühl, dass ihre Lieblingsplattformen schlechter wurden, konnten es aber nicht präzise benennen. "Enshittification" gab diesem diffusen Unbehagen einen Namen.
Die American Dialect Society wählte "Enshittification" 2023 zum "Digital Word of the Year" und zum "Word of the Year" insgesamt. Macquarie Dictionary in Australien kürte es ebenfalls zum Wort des Jahres 2024.
Der Begriff traf einen Nerv: Viele Nutzer hatten das Gefühl, dass ihre Lieblingsplattformen schlechter wurden, konnten es aber nicht präzise benennen. "Enshittification" gab diesem diffusen Unbehagen einen Namen.
Die American Dialect Society wählte "Enshittification" 2023 zum "Digital Word of the Year" und zum "Word of the Year" insgesamt. Macquarie Dictionary in Australien kürte es ebenfalls zum Wort des Jahres 2024.
Welche Plattformen sind betroffen?
TikTok war Doctorows Hauptbeispiel: Anfangs zeigte es Inhalte von gefolgten Accounts, dann bevorzugte es virale Videos für Werbetreibende, schließlich überschwemmte es Feeds mit gesponserten Inhalten und minderwertigen Videos.
Amazon verschlechterte Suchergebnisse zugunsten bezahlter Anzeigen und eigener Produkte. Facebook reduzierte die organische Reichweite von Seiten drastisch, um Unternehmen zu Werbeausgaben zu zwingen.
Weitere Beispiele: Netflix führte Werbung und Account-Sharing-Beschränkungen ein, Spotify priorisiert Playlists statt Künstler, Reddit erschwerte den Zugang für Drittanbieter-Apps, YouTube erhöhte Werbung und drängt zu Premium-Abos.
Amazon verschlechterte Suchergebnisse zugunsten bezahlter Anzeigen und eigener Produkte. Facebook reduzierte die organische Reichweite von Seiten drastisch, um Unternehmen zu Werbeausgaben zu zwingen.
Weitere Beispiele: Netflix führte Werbung und Account-Sharing-Beschränkungen ein, Spotify priorisiert Playlists statt Künstler, Reddit erschwerte den Zugang für Drittanbieter-Apps, YouTube erhöhte Werbung und drängt zu Premium-Abos.
Warum passiert Enshittification?
Netzwerkeffekte schaffen Lock-in: Nutzer bleiben auf Plattformen, weil alle anderen dort sind, selbst wenn der Service schlechter wird. Wechselkosten sind hoch - man verliert Kontakte, Inhalte und Gewohnheiten.
Monopolistische Marktmacht ermöglicht es Plattformen, Nutzer und Geschäftskunden auszubeuten, ohne Konkurrenz fürchten zu müssen. Regulierung fehlt oft oder hinkt der technologischen Entwicklung hinterher.
Shareholder-Value-Orientierung zwingt Unternehmen zu kurzfristigem Wachstum und Gewinnmaximierung. Langfristige Nutzerzufriedenheit wird geopfert für vierteljährliche Quartalszahlen und steigende Aktienkurse.
Monopolistische Marktmacht ermöglicht es Plattformen, Nutzer und Geschäftskunden auszubeuten, ohne Konkurrenz fürchten zu müssen. Regulierung fehlt oft oder hinkt der technologischen Entwicklung hinterher.
Shareholder-Value-Orientierung zwingt Unternehmen zu kurzfristigem Wachstum und Gewinnmaximierung. Langfristige Nutzerzufriedenheit wird geopfert für vierteljährliche Quartalszahlen und steigende Aktienkurse.
Gibt es Lösungen gegen Enshittification?
Interoperabilität und offene Standards könnten Wechselkosten senken: Wenn Nutzer ihre Daten und Kontakte zu anderen Plattformen mitnehmen können, verlieren Monopole ihre Macht. Das EU-Gesetz über digitale Märkte (DMA) verfolgt diesen Ansatz.
Dezentrale Plattformen wie Mastodon oder das Fediverse bieten Alternativen ohne zentrale Kontrolle. Open-Source-Software verhindert proprietären Lock-in und ermöglicht Community-getriebene Entwicklung.
Regulierung ist entscheidend: Kartellrecht gegen Monopole, Datenschutzgesetze gegen Ausbeutung und Transparenzpflichten für Algorithmen. Doctorow betont, dass technische Lösungen allein nicht ausreichen - politisches Handeln ist nötig.
Dezentrale Plattformen wie Mastodon oder das Fediverse bieten Alternativen ohne zentrale Kontrolle. Open-Source-Software verhindert proprietären Lock-in und ermöglicht Community-getriebene Entwicklung.
Regulierung ist entscheidend: Kartellrecht gegen Monopole, Datenschutzgesetze gegen Ausbeutung und Transparenzpflichten für Algorithmen. Doctorow betont, dass technische Lösungen allein nicht ausreichen - politisches Handeln ist nötig.
Zusammenfassung
- Samsung blendet Werbung auf teuren Kühlschränken mit Bildschirm ein
- Das Update betrifft zunächst 21- und 32-Zoll-Geräte in den USA
- Werbung erscheint in einem Widget, das alle zehn Sekunden wechselt
- Nutzer können die Funktion abschalten, verlieren dann aber nützliche Widgets
- Testphase beginnt mit Eigenwerbung, später könnten Anzeigen Dritter folgen
- Der Schritt passt zu einem Trend, bezahlte Geräte zu Werbeflächen zu machen
- Samsung spricht von nützlichen Informationen statt von kommerzieller Werbung
Siehe auch:
- Apple Maps: Ab 2026 mit Werbung - KI soll relevante Orte 'vorschlagen'
- Kriminelle tricksen ihre Malware über Google-Werbung zu den Opfern
- 1&1 Highspeed: Gericht stoppt DSL-Glasfaser-Werbung als "irreführend"
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