Reduzierungspläne geplatzt:
Die Erde soll weiter in Plastik ersticken
Auch nach einer weiteren Verhandlungsrunde in Genf bleibt das Ziel eines globalen Abkommens gegen Plastikverschmutzung in weiter Ferne. Selbst eine zaghafte Eindämmung der Produktion konnte die Lobby aus Erdöl- und Chemiebranche verhindern.
Während mehr als 100 Staaten - darunter Norwegen, Australien und viele kleine Inselstaaten - Produktionslimits fordern, lehnen große Öl- und Gasproduzenten sowie Teile der Kunststoffindustrie dies ab. Sie setzen stattdessen auf bessere Abfallwirtschaft, Recycling und Wiederverwendung - was in der Praxis aber bisher stets ein Feigenblatt war.
Der Vorsitzende des Verhandlungskomitees, Luis Vayas Valdivieso, hatte in Genf zwei Vertragsentwürfe vorgelegt, die auf den Äußerungen der Delegierten basierten. Doch weder der erste noch der überarbeitete Text erhielten die Zustimmung, als Grundlage für die weiteren Gespräche zu dienen. Der jüngste Entwurf erkennt zwar an, dass das derzeitige Produktions- und Verbrauchsniveau "nicht nachhaltig" ist und eine koordinierte globale Reaktion erfordert. Konkrete Produktionslimits fehlen jedoch.
Besonders scharf kritisierten Vertreter kleiner Inselstaaten wie Palau das Ausbleiben von Fortschritten. Man investiere immer wieder Zeit und Ressourcen, kehre aber ohne greifbare Ergebnisse zurück - obwohl diese Staaten unter den Folgen der Plastikverschmutzung besonders leiden und selbst kaum zur Krise beitragen.
Jährlich werden weltweit über 400 Millionen Tonnen neuer Kunststoffe produziert. Ohne politische Gegenmaßnahmen könnte diese Menge laut aktueller Prognosen bis 2040 um etwa 70 Prozent steigen. Wissenschaftler wie die schwedische Ökotoxikologin Bethanie Carney Almroth betonen, dass nur ein Ansatz, der den gesamten Lebenszyklus von Kunststoffen umfasst - von der Förderung der Rohstoffe bis zur Entsorgung - wirksam sein könne. Klimaschützer und Umweltschutzorganisationen warfen ölreichen Staaten vor, das Abkommen gezielt zu blockieren.
Siehe auch:
Ölstaaten stellen sich quer
Eigentlich sollte dies die abschließende Sitzung sein, doch die 184 teilnehmenden Staaten konnten sich nicht einmal auf eine gemeinsame Textgrundlage einigen. Der Kern des Streits ist die Frage, ob der Vertrag verbindliche Obergrenzen für die Produktion von neuem Plastik enthalten soll, berichtete der Guardian.Während mehr als 100 Staaten - darunter Norwegen, Australien und viele kleine Inselstaaten - Produktionslimits fordern, lehnen große Öl- und Gasproduzenten sowie Teile der Kunststoffindustrie dies ab. Sie setzen stattdessen auf bessere Abfallwirtschaft, Recycling und Wiederverwendung - was in der Praxis aber bisher stets ein Feigenblatt war.
Der Vorsitzende des Verhandlungskomitees, Luis Vayas Valdivieso, hatte in Genf zwei Vertragsentwürfe vorgelegt, die auf den Äußerungen der Delegierten basierten. Doch weder der erste noch der überarbeitete Text erhielten die Zustimmung, als Grundlage für die weiteren Gespräche zu dienen. Der jüngste Entwurf erkennt zwar an, dass das derzeitige Produktions- und Verbrauchsniveau "nicht nachhaltig" ist und eine koordinierte globale Reaktion erfordert. Konkrete Produktionslimits fehlen jedoch.
Besonders scharf kritisierten Vertreter kleiner Inselstaaten wie Palau das Ausbleiben von Fortschritten. Man investiere immer wieder Zeit und Ressourcen, kehre aber ohne greifbare Ergebnisse zurück - obwohl diese Staaten unter den Folgen der Plastikverschmutzung besonders leiden und selbst kaum zur Krise beitragen.
400 Millionen Tonnen
Die EU-Kommissarin Jessika Roswall äußerte sich ebenfalls enttäuscht, sieht den aktuellen Entwurf aber als mögliche Grundlage für eine weitere Verhandlungsrunde: "Die Erde gehört nicht nur uns. Wir haben die Pflicht, sie für kommende Generationen zu bewahren", sagte sie. Saudi-Arabien und Kuwait beanstandeten mangelnde Ausgewogenheit in beiden Entwürfen und lehnten eine Begrenzung der Plastikproduktion als themenfremd ab.Jährlich werden weltweit über 400 Millionen Tonnen neuer Kunststoffe produziert. Ohne politische Gegenmaßnahmen könnte diese Menge laut aktueller Prognosen bis 2040 um etwa 70 Prozent steigen. Wissenschaftler wie die schwedische Ökotoxikologin Bethanie Carney Almroth betonen, dass nur ein Ansatz, der den gesamten Lebenszyklus von Kunststoffen umfasst - von der Förderung der Rohstoffe bis zur Entsorgung - wirksam sein könne. Klimaschützer und Umweltschutzorganisationen warfen ölreichen Staaten vor, das Abkommen gezielt zu blockieren.
Zusammenfassung
- 184 Staaten konnten sich in Genf nicht auf Textgrundlage einigen
- Kernstreitpunkt sind verbindliche Obergrenzen für neue Plastikproduktion
- Ölproduzenten und Kunststoffindustrie lehnen Produktionslimits strikt ab
- Jährlich werden über 400 Millionen Tonnen neuer Kunststoffe produziert
- Ohne Gegenmaßnahmen könnte Plastikproduktion bis 2040 um 70 Prozent steigen
- Besonders Inselstaaten leiden unter den Folgen der Plastikverschmutzung
- Umweltschützer werfen ölreichen Staaten gezielte Blockade des Abkommens vor
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Christian Kahle
Redakteur bei WinFuture
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