US-Verfassung schrumpft merkwürdig, angeblich wegen Coding-Fehlers

Ein angeblich technischer Fehler sorgte in den USA für Aufregung: Teile der US-Verfassung verschwanden nämlich von einer offiziellen Re­gie­rungs­web­site. Brisant: Die gelöschten Abschnitte behandeln ausgerechnet Ver­haf­tun­gen und grundlegende Bürgerrechte.
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Peinlicher Programmierfehler auf Regierungswebsite

Am Mittwoch sorgte ein "technischer Fehler" auf der offiziellen Verfassungswebsite des US-Kongresses für Aufregung: Wichtige Teile von Artikel 1 der US-Verfassung waren plötzlich verschwunden. Die Library of Congress, die für die Wartung der Constitution Annotated Website zuständig ist, sprach von einem "Programmierfehler" und versprach eine schnelle Lösung.

Die Löschungen betrafen große Teile von Abschnitt 8 sowie die kompletten Abschnitte 9 und 10 von Artikel 1. Besonders brisant: Zu den verschwundenen Passagen gehörte der Schutz des Habeas Corpus, der Grundsatz, der Bürger vor willkürlicher Inhaftierung schützt. Ebenfalls betroffen war die Emoluments-Klausel, die Regierungsbeamten verbietet, Geschenke aus dem Ausland anzunehmen. Beides sind Themen, die mit der Politik von Donald Trump direkt in Zusammenhang stehen.

Nach Berichten von Ars Technica zeigten Archivaufnahmen der Wayback Machine, dass die Texte noch bis mindestens 17. Juli vollständig vorhanden waren. Aufmerksame Internet-Nutzer auf Reddit entdeckten dann aber die Anomalie und machten sie öffentlich. Ein verräterisches Semikolon am Ende von Abschnitt 8 deutete darauf hin, dass dort eigentlich weiterer Text folgen sollte.

Verfassungsschutz im digitalen Zeitalter

Artikel 1 der Verfassung definiert die Befugnisse des Kongresses, einschließlich der Macht, Steuern zu erheben, eine Armee und Marine aufzustellen sowie den zwischenstaatlichen Handel zu regulieren. Die Constitution Annotated Website der Library of Congress dient seit Jahren als zentrale Anlaufstelle für Juristen, Studenten und Bürger, die sich über die Verfassung informieren möchten. Die Plattform bietet nicht nur den reinen Verfassungstext, sondern auch umfangreiche Kommentare und Verweise auf relevante Gerichtsentscheidungen.

Abschnitt 9 legt fest, dass das Habeas-Corpus-Recht nur in Fällen von Rebellion oder Invasion ausgesetzt werden darf. Dieses fundamentale Recht, das seine Wurzeln im englischen Common Law hat, wurde bereits 1215 in der Magna Carta verankert. Historisch wurde dieses Recht nur wenige Male ausgesetzt, etwa während des Bürgerkriegs unter Präsident Lincoln oder 1871 zur Bekämpfung des Ku-Klux-Klans in South Carolina.

Politische Brisanz

Die zeitliche Nähe zu aktuellen politischen Debatten sorgte für zusätzliche Aufmerksamkeit. Stephen Miller, Trumps wichtigster Politikberater, hatte im Mai erklärt, das Weiße Haus die Option prüfe, Habeas Corpus im Rahmen seiner Abschiebungspolitik auszusetzen. Auch Heimatschutzministerin Kristi Noem sorgte bei einer Senatsanhörung für Verwirrung, als sie fälschlicherweise behauptete, Habeas Corpus gebe dem Präsidenten ein "verfassungsmäßiges Recht" für Abschiebungen.

Die Library of Congress betonte, dass eine Änderung des Verfassungstextes auf der Website keinerlei Auswirkungen auf das tatsächliche US-Recht habe. Bis Mittwoch um 14 Uhr Ostküstenzeit waren alle Texte wiederhergestellt. Die Behörde bedankte sich bei den aufmerksamen Bürgern, die auf den Fehler hingewiesen hatten. Ein fahler Beigeschmack bleibt hier aber dennoch.

Habt ihr schon technische Pannen auf wichtigen Regierungswebsites erlebt? Wie seht ihr solche Zwischenfälle? Teilt eure Erfahrungen gerne in den Kommentaren mit.

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