US-Staatsanwalt stellt Gemeinnützigkeit der Wikipedia infrage

Die Wikipedia steht erneut im Schussfeld. Der amtierende US-Staatsanwalt für den District of Columbia, Ed Martin, hat den Betreibern vorgeworfen, für "ausländische Einflussnahme" empfänglich zu sein und die nationale Sicherheit zu gefährden.
Logo, Wikipedia, Wikimedia, Wikimedia Foundation

Nationale Sicherheit gefährdet?

In einem Schreiben fordert Martin die gemeinnützige Organisation laut eines Berichts der Washington Post auf, umfassende Informationen zu ihren redaktionellen Prozessen, Sicherheitsvorkehrungen und Schutzmechanismen offenzulegen. Er äußert den Verdacht, dass Wikipedia genutzt werde, um gezielt historische Ereignisse sowie biografische Angaben US-amerikanischer Führungspersonen zu verfälschen und damit nationale Sicherheitsinteressen zu gefährden.

In seinem Brief, der zunächst von der Free Press publik gemacht wurde, erklärt Martin, dass das Maskieren von Propaganda unter dem Deckmantel von Bildungsinhalten der eigentlichen Mission der Wikimedia Foundation widerspreche. Hintergrund ist eine breiter angelegte Kampagne von Trump-nahen Akteuren gegen Institutionen, Medien und Plattformen, denen sie eine liberale Schlagseite unterstellen.


Die Wikimedia Foundation als Träger-Organisation der Wikipedia reagierte am Freitag mit einer allgemeinen Erklärung, in der sie betont, dass Wikipedia-Inhalte durch nahezu 260.000 Freiwillige erstellt und gemäß strenger Neutralitätsrichtlinien geprüft würden. Ziel sei es, Wissen möglichst korrekt, fair und unparteiisch zugänglich zu machen.

Es hat System

Die Kritik an Wikipedia reiht sich ein in eine wachsende Gegnerschaft bestimmter Kreise gegenüber Online-Plattformen. Auch der rechtsextreme Tesla-Chef Elon Musk zählt mittlerweile zu den schärferen Kritikern der Enzyklopädie. Er hatte im Oktober 2023 scherzhaft eine Milliarde Dollar Spende angeboten - allerdings unter der Bedingung, dass Wikipedia in "Dickipedia" umbenannt werde.

Wikipedia-Expertin Molly White sieht Martins Vorstoß als Teil einer Strategie, unliebsame unabhängige Informationsquellen mithilfe juristischer Mittel unter Druck zu setzen. Journalist Stephen Harrison mutmaßte, Martin strebe offenbar eine Art "America-First"-Version von Wikipedia an. Ed Martin selbst geriet zuletzt in die Kritik, nachdem bekannt wurde, dass er früher regelmäßig in russischen Staatssendern auftrat und 2022 noch die russische Truppenbewegung an der ukrainischen Grenze heruntergespielt hatte.

Zusammenfassung
  • US-Staatsanwalt Ed Martin stellt Gemeinnützigkeit der Wikipedia infrage
  • Vorwurf: Wikipedia sei für ausländische Einflussnahme empfänglich
  • Martin fordert Offenlegung von redaktionellen Prozessen und Sicherheiten
  • Wikimedia Foundation betont Neutralität und Prüfung durch Freiwillige
  • Kritik an Wikipedia Teil einer Kampagne gegen vermeintlich liberale Medien
  • Elon Musk bot scherzhaft Milliarde für Umbenennung in 'Dickipedia'
  • Experten sehen Martins Vorstoß als Druck auf unabhängige Informationsquellen

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