Diversität adé: Europäischer Tech-Konzern beugt sich Trump-Forderung

Der schwedische Telekommunikationskonzern Ericsson hat Verweise auf Diversität und Inklusion aus seinem aktuellen Jahresbericht entfernt. Damit reagiert man wohl auf eine entsprechende Aufforderung der US-Regierung.
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WinFuture/KI-generiert

US-Regierung will Diversitätsprogramme abschaffen

Seit dem Amtsantritt von Donald Trump als US-Präsident im Januar hat es sich die neue US-Regierung zum Ziel gesetzt, sogenannte Diversity-Equity-Inclusion-Programme (DEI) in Unternehmen abzuschaffen. Die zielen darauf ab, die faire Behandlung und volle Beteiligung aller Menschen zu fördern, insbesondere von Gruppen, die in der Vergangenheit unterrepräsentiert waren oder aufgrund ihrer Identität oder Behinderung diskriminiert wurden. Während einige Konzerne dem Ruf des Präsidenten folgen, gibt es auch andere wie etwa Apple, die ihre DEI-Programme dennoch fortführen.

Doch nicht nur US-Firmen werden von den USA aufgefordert, ihre Inklusionsbemühungen einzustellen. Auch etliche europäische Firmen haben bereits entsprechende Schreiben von US-Botschaften erhalten. Darin wird den Unternehmen mit Ausschluss von öffentlichen Aufträgen gedroht, sollten sie den Anti-DEI-Anweisungen nicht Folge leisten. Und wie es scheint, beugt sich jetzt ein großer schwedischer Konzern den Forderungen von Donald Trump.


Ericsson streicht Diversitätsziele aus Jahresbericht

So hat der schwedische Telekommunikationsausrüster Ericsson in seinem aktuellen Jahresbericht für 2024 (PDF) systematisch sämtliche Diversitätsziele gestrichen. Während der Bericht aus dem Vorjahr noch einen eigenen Abschnitt zu "Diversity and Inclusion" enthielt, fehlen diese Inhalte nun vollständig. Stattdessen betont das Unternehmen jetzt verstärkt das Leistungsprinzip - eine Argumentation, die der Linie der aktuellen US-Regierung entspricht.

Im Bericht 2023 (PDF) hatte Ericsson noch explizit formuliert: "Ericsson strebt ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen den Geschlechtern und eine stärkere Repräsentation von derzeit unterrepräsentierten Gruppen an." Auch der Begriff "Gender" tauchte im vorherigen Bericht 25-mal auf, etwa in Zusammenhängen wie "gender diversity" oder beim Verbot der Diskriminierung von Menschen mit "transgender status". Im aktuellen Bericht findet sich der Begriff nur noch zweimal.

Wie die führende schwedische Wirtschaftszeitung Dagens Industri (via Golem) berichtet, rechtfertigt Ericsson die Änderungen jedoch als rein sprachliche Verbesserungen. Ericsson-Pressesprecher Ralf Bagner erklärte: "Im Jahresbericht 2024 wurden die Formulierungen zu diesem Bereich aktualisiert, um mehr Klarheit zu schaffen. Wir dulden keine Diskriminierung und treffen Entscheidungen über unsere Mitarbeiter auf der Grundlage von Kompetenz und Verdiensten im Einklang mit den geltenden Rechtsvorschriften." Auf der Webseite von Ericsson findet sich zudem noch ein Abschnitt zu "Diversity and Inclusion".

Wirtschaftliche Abhängigkeit vom US-Geschäft

Für Ericsson steht viel auf dem Spiel. Denn der Konzern erwirtschaftet rund 30 Prozent seines Umsatzes in Nordamerika - mehr als in jeder anderen Weltregion. Nur in den USA verzeichnete das Unternehmen im vergangenen Jahr überhaupt ein Wachstumsplus. Diese Abhängigkeit spiegelt sich auch in anderen Handlungen wider. So spendete Ericsson bereits 5,5 Millionen Schwedische Kronen (etwa 503.000 Euro) zu Donald Trumps Amtseinführung - ein in der Geschichte des Konzerns bislang einmaliger Vorgang.

Zwischen europäischen Werten und US-Markt

Ericsson-Chef Börje Ekholm rechtfertigte die Nähe zur Trump-Administration im Januar 2025 mit der wirtschaftlichen Notwendigkeit: "Wir haben einen sehr großen Marktanteil in den USA und wir müssen in der Lage sein, mit jedem zu arbeiten, der im Weißen Haus sitzt. Wir müssen Teil des amerikanischen Ökosystems sein - sonst gibt es kein Ericsson." Er schloss sogar einen Umzug des Unternehmens in die USA nicht aus und kündigte an, eine Ausweitung der Produktion dort in Erwägung zu ziehen.

Gleichzeitig versucht Ericsson, in Europa als Lieferant "vertrauenswürdiger Netzwerktechnologie" wahrgenommen zu werden. Diese Doppelstrategie führt anscheinend bereits zu einigen Fragen. So soll in der Europäischen Kommission schon darüber diskutiert werden, ob Ericsson noch als schwedischer oder bereits als US-Konzern anzusehen ist.

Was haltet ihr von Ericssons Entscheidung? Ist der Verzicht auf Diversitätsziele ein notwendiger wirtschaftlicher Schritt oder ein problematisches Nachgeben gegenüber politischem Druck einer zunehmend autokratisch auftretenden US-Regierung? Teilt eure Meinung in den Kommentaren!

Zusammenfassung
  • Ericsson entfernt Diversitäts- und Inklusionsverweise aus Jahresbericht
  • Trump-Regierung fordert Abschaffung von DEI-Programmen in Unternehmen
  • Ericsson erwirtschaftet 30 Prozent des Umsatzes in Nordamerika
  • Konzern rechtfertigt Änderungen als sprachliche Verbesserungen
  • Ericsson-Chef betont Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit US-Regierung
  • Diskussion über Ericssons Status als schwedisches oder US-Unternehmen
  • Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen Interessen und Diversitätszielen

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