Highlight

Schweden will Verschlüsselung von Signal, WhatsApp & Co aushebeln

Die Messaging-App Signal droht mit einem "Rückzug" aus Schwe­den, sollte die dortige Regierung tatsächlich ein Gesetz erlassen, das den Behörden eine Hintertür verschaffen und damit die Verschlüs­selung aushebeln soll. CEO Meredith Whittaker fand klare Worte.
Ceo, Signal, Meredith Whittaker, Signal Foundation
Meredith Whittaker / Quelle: SVT

Regierung möchte Hintertür & Speicherung

Immer wieder gibt es Bestrebungen verschiedener Regierungen, die Ver­schlüs­se­lung und damit die sichere Kommunikation bestimmter Messenger-Diens­te anzugreifen. In Schweden ist dies derzeit der Fall, denn im März soll ein Gesetz verabschiedet werden, das die Anbieter sicherer Kom­mu­ni­ka­tion ver­pflich­tet, eine technische Backdoor für Ermittlungsbehörden zu schaffen.

Laut dem schwedischen Fernsehsender SVT fordert das Gesetz, dass Messaging-Anbieter wie Signal oder auch WhatsApp sowohl eine Hintertür integrieren als auch eine Speicherung der von den Nutzern verschickten Nachrichten einführen sollen. Für Whittaker - und so ziemlich jeden anderen logisch denkenden Menschen - stellt diese Forderung einen massiven Angriff auf den eigentlichen Zweck von Signal und anderen verschlüsselten Kommunikationsdiensten dar.


Das neue schwedische Gesetz bedeutet, dass man die Verschlüsselung brechen will, die die Grundlage des gesamten Geschäftsmodells von Signal darstellt. Die Speicherung von Nachrichten der Nutzer würde die gesamte Architektur von Signal untergraben, so Signal-Chefin Whittaker weiter. Einen solchen Schritt werde man bei Signal niemals unternehmen und sich deshalb lieber aus Schweden zurückziehen, sagte sie außerdem.

Whittaker: Verschlüsselung nur ganz oder gar nicht

Gleiches gilt auch für die wissentliche Integration einer Art behördlich an­ge­ord­ne­ter Sicherheitslücke, wodurch Signals gesamtes Konzept einer sicheren Kom­mu­ni­ka­tion aus­ge­höhlt werden würde, erklärte Whittaker. Die Stiftung hinter Signal habe die Aufgabe, eine Technologie anzubieten, die Menschenrechte auf­recht­er­hält, in einer Zeit, in der diese Rechte immer häufiger verletzt werden.

Es gebe in der heutigen digitalen Welt nur noch wenige Orte, wo man privat und geschützt kommunizieren und so auch auf Missstände hinweisen könne, wird Whittaker zitiert. Hintertüren würden nicht nur "den guten" Zugang verschaffen, sondern auch die Gefahr von Angriffen von Außen schaffen. Sie bezog sich damit auf die von China ausgehenden "Salt Typhoon"-Hacks, bei denen die Kom­mu­ni­ka­tion von ranghohen US-Politikern über die Systeme von mehreren ameri­ka­ni­schen Netz­be­trei­bern ab­ge­grif­fen wurde.

Sogar das schwedische Militär widerspricht der Regierung

Die schwedische Politik will mit dem Gesetz, das Signal & Co zu Hintertüren und der Aufzeichnung der Nachrichten der Nutzer zwingen würde, vor allem der Polizei und den Geheimdiensten die Arbeit erleichtern. Die Behörden sollen so an den Nachrichtenverlauf von Tatverdächtigen gelangen können. In Schweden gibt es seit Jahren immer wieder krasse Fälle von Gang-Kriminalität, weshalb die Regierung neue Werkzeuge sucht, um dagegen effektiver vorzugehen.

Allerdings spricht sich sogar das schwedische Militär gegen das geplante Gesetz aus. In einem Schreiben an die Regierung erklärte die schwedische Armee, dass eine Umsetzung nicht ohne potenzielle Sicherheitslücken und Hintertüren möglich ist, die durch Dritte ausgenutzt werden können. Erst kürzlich wies die Militärführung das Personal an, Signal für die sichere Kommunikation zu nutzen, um so die Gefahr von Spionage durch Länder wie Russland oder China zu minimieren.

Auch hierzulande werden Vorratsspeicherung - nichts anderes ist die Forderung nach der Vorhaltung der Nachrichtenverläufe der Signal-User - sowie die Inte­gra­tion staatlicher Backdoors immer wieder diskutiert. Zuletzt war es um das Thema wieder ruhiger geworden, doch Datenschützer gehen davon aus, dass das Thema mit einer CDU-geführten Regierung nun wieder auf den Tisch kommen dürfte.

Nach den "Salt Typhoon"-Hacks hatte sogar der US-Geheimdienst FBI dazu aufgefordert, ausschließlich über verschlüsselte Dienste zu kommunizieren.

Download Signal Desktop - Crypto-Messenger für Windows
Zusammenfassung
  • Signal droht mit Rückzug aus Schweden wegen geplanter Gesetze
  • Schwedisches Gesetz soll Messaging-Anbieter zu Backdoors verpflichten
  • Signal-CEO: Verschlüsselung ist Grundlage des Geschäftsmodells
  • Schwedische Regierung will Polizei und Geheimdiensten Zugang ermöglichen
  • Schwedisches Militär warnt vor Sicherheitsrisiken durch Hintertüren
  • Vorratsdatenspeicherung und Backdoors auch in Deutschland diskutiert
  • FBI empfiehlt nach 'Salt Typhoon'-Hacks verschlüsselte Kommunikation

Siehe auch:
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
WhatsApp-SIM im Preisvergleich
Interessante Artikel & Testberichte
Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!