Daimler-Vorstand: Statt E-Auto-Förderung lieber Benzinpreise erhöhen

Die Verkäufe von E-Autos sind hierzulande zuletzt eingebrochen. Deutsche Autobauer beschäftigen sich daher mit Alternativen zur ab­ge­schaff­ten Förderung. Ein Daimler-Manager macht nun einen vermutlich sehr unpopulären Vorschlag: Benzinpreise regelmäßig zu erhöhen.

Daimler-Manager gegen Prämien

Martin Daum war bis zum 1. Oktober 2024 mehrere Jahre lang Vorstandsvorsitzender der Daimler Truck Holding AG. Entsprechend gut kennt der Manager die Automobilbranche. Im Rahmen des Video-Podcasts "Zur Sache intensiv" des SWR machte er nun einige kontroverse Aussagen zum Thema E-Auto-Förderung und Benzinpreise.

Denn wie Daum mitteilte, sei er "eher sogar ein Gegner von Förderung von E-Autos". Förderungen ergäben nur in der allerersten Phase einer neuen Technologie Sinn, solange es noch ums "Ausprobieren" ginge und Verbraucher ein "riesen Risiko" eingingen. Diese Phase sei bei E-Autos allerdings schon lange vorbei.


Erhöhung der Spritkosten als Alternative

Daher brachte der Manager eine andere Idee ins Spiel, die er für wesentlich effektiver hält. Dabei geht es um eine von stattlicher Seite kontrollierte regelmäßige Erhöhung der Spritkosten.

Wenn wir heute hinausgehen würden und sagen: Jeden 1. Januar werden 10 Cent zusätzlich auf den Liter Benzin draufgemacht, von jetzt bis zur Unendlichkeit, dann wird es die ersten drei oder vier Jahre noch in der normalen Schwankungsbreite des Benzinpreises drin liegen. Und dann wird es irgendwann mal so gewaltig beißen, dass sie nie mehr auf die Idee kämen, wenn sie Vielfahrer sind, sich einen Benziner zu kaufen, sondern würden sie sich sofort ein E-Auto kaufen.
Martin Daum, Daimler Truck Holding AG

Mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung

Daum glaubt aber gleichzeitig, dass die Umsetzung eines solchen Vorschlags auf nur wenig Gegenliebe in der Bevölkerung stoßen würde. Das sei seiner Meinung nach auch einer der Gründe, weshalb sich die Politik bisher nicht an eine entsprechende Maßnahme herangetraut habe. Wenn es helfe, könne der Preisaufschlag auch niedriger sein, so Daum. Dann würde eine Umstellung auf E-Autos eben entsprechend länger dauern.

Auch BMW-Produktionsvorstand Milan Nedeljkovic brachte zuletzt eine kontroverse Idee ins Gespräch rund um Elektrofahrzeuge ein. So sprach er von der Einführung einer exklusiven Autobahnspur für E-Autos. Auch privilegierter Zugang zu Innenstädten und kostenlose Parkmöglichkeiten seien eine Möglichkeit, um Kunden vom Kauf eines entsprechenden Fahrzeugs zu überzeugen, ist sich der BMW-Mann sicher.

Autobauer in der Krise

Zuletzt lag Deutschland bei den Neuzulassungen von E-Autos zwar über dem EU-Durchschnitt, dennoch sind die Umsätze der deutschen Autohersteller mit elektrischen Fahrzeugen seit Ende der Bundesförderung dramatisch eingebrochen. Um dem entgegenzuwirken, hat etwa VW gerade erst den Preis für sein Einsteigermodell ID.3 stark nach unten korrigiert. Seit Oktober ist der Kompaktwagen nach Abzug aller Rabatte zum ersten Mal unter 30.000 Euro erhältlich. Andere Autobauer könnten mit ähnlichen Maßnahmen folgen.

Zusammenfassung
  • E-Auto-Verkäufe in Deutschland zuletzt rückläufig
  • Ex-Daimler-Chef Martin Daum schlägt vor, Benzinpreise jährlich zu erhöhen
  • Erhöhung um 10 Cent pro Liter Benzin zu jedem 1. Januar
  • Daum sieht keine Zukunft in der direkten Förderung von E-Autos
  • Der Manager vermutet geringe Akzeptanz für seinen Vorschlag in der Bevölkerung
  • BMW diskutiert exklusive Autobahnspuren und Vorteile für E-Auto-Fahrer
  • VW senkt Preis für Modell ID.3 unter 30.000 Euro

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