Cloud-Act-Risiko: Bayern zahlt 360 Millionen Euro für Microsoft und Co.
Deutsche Behörden zahlen enorme Summen für Lizenzen amerikanischer Softwarekonzerne wie Microsoft. Allein der Bund gab in den letzten Jahren rund 1,3 Milliarden Euro dafür aus. Experten fordern nun ein Einschreiten des Kartellamts.
Während die IT-Kosten in Deutschland steigen, werden internationale Kartellbehörden zunehmend aktiv. In Großbritannien, Australien, Italien und Japan prüfen Aufseher die Geschäftspraktiken großer Konzerne. Im Fokus stehen unübersichtliche Preisstrukturen bei Vertragsverlängerungen sowie Support-Modelle, die sich oft pauschal nach der Anzahl der gebuchten Lizenzen richten, anstatt den tatsächlichen Aufwand abzubilden. Das deutsche Bundeskartellamt hält sich bislang zurück.
Einige Bundesländer zeigen, dass alternative Wege existieren. Schleswig-Holstein und Thüringen treiben den Einsatz von quelloffener Software wie Linux und LibreOffice voran.
Open Source verringert die Abhängigkeit, erfordert aber oft eine gründliche Umschulung der Mitarbeiter sowie hohe initiale Aufwände für Umstellungen. Die bayerische Vermessungsverwaltung nutzt ebenfalls seit Jahren erfolgreich eigene Entwicklungen, während ein flächendeckender Umstieg vielerorts noch aussteht.
Ein Blick auf das wirtschaftliche Umfeld verdeutlicht die enorme Marktmacht der Anbieter. Im Geschäftsjahr bis Juni 2026 erzielte allein Microsoft rund 24,1 Milliarden US-Dollar (etwa 21 Milliarden Euro) Umsatz durch Dienste von OpenAI. Um die eigene Unabhängigkeit zu wahren, setzen andere europäische Länder wie Frankreich bei sensiblen Behörden bereits gezielt auf heimische Analyseplattformen und eigene Rechenzentren.
Wie bewertet ihr die hohen Ausgaben für Lizenzen in deutschen Behörden? Seht ihr Open Source als Lösung für mehr Unabhängigkeit? Teilt eure Gedanken und Erfahrungen in den Kommentaren!
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Teure Software aus den USA
Die Abhängigkeit von den Anbietern wächst, da deren Produkte tief in die täglichen Verwaltungsprozesse integriert sind. Ein Wechsel zu Alternativen ist technisch aufwendig, was regelmäßige Preiserhöhungen begünstigt.Während die IT-Kosten in Deutschland steigen, werden internationale Kartellbehörden zunehmend aktiv. In Großbritannien, Australien, Italien und Japan prüfen Aufseher die Geschäftspraktiken großer Konzerne. Im Fokus stehen unübersichtliche Preisstrukturen bei Vertragsverlängerungen sowie Support-Modelle, die sich oft pauschal nach der Anzahl der gebuchten Lizenzen richten, anstatt den tatsächlichen Aufwand abzubilden. Das deutsche Bundeskartellamt hält sich bislang zurück.
Abhängigkeit der Bundesländer
Besonders deutlich zeigt sich das finanzielle Ausmaß auf Landesebene. Wie die Süddeutsche berichtet, belaufen sich die Ausgaben des Freistaats Bayern für Lizenzen zwischen 2020 und 2027 auf rund 360 Millionen Euro. Ein Großteil davon fließt an Microsoft. Kritiker warnen vor rechtlichen Risiken durch den US-Cloud-Act. Das Gesetz ermöglicht amerikanischen Behörden den direkten Zugriff auf gespeicherte Daten.Einige Bundesländer zeigen, dass alternative Wege existieren. Schleswig-Holstein und Thüringen treiben den Einsatz von quelloffener Software wie Linux und LibreOffice voran.
Open Source verringert die Abhängigkeit, erfordert aber oft eine gründliche Umschulung der Mitarbeiter sowie hohe initiale Aufwände für Umstellungen. Die bayerische Vermessungsverwaltung nutzt ebenfalls seit Jahren erfolgreich eigene Entwicklungen, während ein flächendeckender Umstieg vielerorts noch aussteht.
Ein Blick auf das wirtschaftliche Umfeld verdeutlicht die enorme Marktmacht der Anbieter. Im Geschäftsjahr bis Juni 2026 erzielte allein Microsoft rund 24,1 Milliarden US-Dollar (etwa 21 Milliarden Euro) Umsatz durch Dienste von OpenAI. Um die eigene Unabhängigkeit zu wahren, setzen andere europäische Länder wie Frankreich bei sensiblen Behörden bereits gezielt auf heimische Analyseplattformen und eigene Rechenzentren.
Kartellamt in der Pflicht
Angesichts der globalen Entwicklungen fordern Experten ein konsequenteres Vorgehen. Das Bundeskartellamt müsse die Lizenzmodelle und Produktbündelungen genauer prüfen. Ziel ist es, einen fairen Wettbewerb zu ermöglichen und die dauerhafte finanzielle Belastung der öffentlichen Haushalte zu reduzieren. Deutschland dürfe nicht länger zögern, sondern müsse aktiv den Weg für digitale Souveränität ebnen.Wie bewertet ihr die hohen Ausgaben für Lizenzen in deutschen Behörden? Seht ihr Open Source als Lösung für mehr Unabhängigkeit? Teilt eure Gedanken und Erfahrungen in den Kommentaren!
Warum explodieren die MS-Kosten?
Bund und Länder verzeichnen drastische Ausgabensteigerungen. Allein Bayern zahlt zwischen 2020 und 2027 voraussichtlich rund 360 Millionen Euro an Microsoft. Beim Bund kletterten die Lizenzgebühren laut offiziellen Angaben auf etwa 1,3 Milliarden Euro.
Ein Haupttreiber für IT-Abteilungen sind Abo-Modelle wie Microsoft 365. Deren jährliche Kosten haben sich in Bayern von 8,8 auf 18,3 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Für IT-Profis bedeutet dies oft weniger Budget für andere wichtige Infrastrukturprojekte.
Ein Haupttreiber für IT-Abteilungen sind Abo-Modelle wie Microsoft 365. Deren jährliche Kosten haben sich in Bayern von 8,8 auf 18,3 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Für IT-Profis bedeutet dies oft weniger Budget für andere wichtige Infrastrukturprojekte.
Was bedeutet der Lock-in-Effekt?
Microsoft bündelt und verzahnt Produkte wie Office, Teams und Azure so stark, dass ein Wechsel zu anderen Anbietern technisch komplex wird. Wer seine Prozesse einmal darauf ausgerichtet hat, kann kaum noch ohne massiven Aufwand migrieren.
Kritiker bemängeln, dass diese erzwungene Abhängigkeit gezielt genutzt wird, um Preiserhöhungen durchzusetzen. Für Administratoren heißt das: Strategische IT-Planung muss frühzeitig Exit-Strategien und offene Standards berücksichtigen.
Kritiker bemängeln, dass diese erzwungene Abhängigkeit gezielt genutzt wird, um Preiserhöhungen durchzusetzen. Für Administratoren heißt das: Strategische IT-Planung muss frühzeitig Exit-Strategien und offene Standards berücksichtigen.
Wie berechnet MS den IT-Support?
Seit 2017 nutzt Microsoft den sogenannten "Unified Support". Die Gebühren richten sich angeblich nicht mehr nach dem tatsächlichen Support-Bedarf, sondern pauschal nach der Anzahl der gebuchten Lizenzen und Azure-Instanzen.
Das führt zu einer paradoxen Situation: Wer die Digitalisierung mit MS-Produkten vorantreibt, zahlt automatisch höhere Supportkosten, selbst wenn keine Tickets eröffnet werden. IT-Leiter sollten diese versteckten Kosten bei der Budgetierung genau prüfen.
Das führt zu einer paradoxen Situation: Wer die Digitalisierung mit MS-Produkten vorantreibt, zahlt automatisch höhere Supportkosten, selbst wenn keine Tickets eröffnet werden. IT-Leiter sollten diese versteckten Kosten bei der Budgetierung genau prüfen.
Welches Risiko birgt der Cloud Act?
Der US Cloud Act von 2018 erlaubt amerikanischen Behörden unter bestimmten Bedingungen den Zugriff auf Daten, die bei US-Unternehmen gespeichert sind. Da Microsoft seinen Hauptsitz in Redmond hat, fallen auch M365-Daten potenziell darunter.
Für europäische Behörden und Unternehmen stellt dies ein Compliance-Risiko dar. Es heißt, dass eine echte digitale Souveränität ohne eine Abkopplung von US-Cloud-Diensten kaum zu gewährleisten sei. Lokale Verschlüsselung kann hier Risiken abmildern.
Für europäische Behörden und Unternehmen stellt dies ein Compliance-Risiko dar. Es heißt, dass eine echte digitale Souveränität ohne eine Abkopplung von US-Cloud-Diensten kaum zu gewährleisten sei. Lokale Verschlüsselung kann hier Risiken abmildern.
Gibt es Open-Source-Alternativen?
Ja, Bund und Länder haben sich eigentlich vorgenommen, bis März 2027 souveräne Software-Lösungen bereitzustellen. Bayern hat 2022 sogar gesetzlich verankert, dass Behörden bei Neuanschaffungen Open Source bevorzugen sollen.
In der Praxis hakt es jedoch oft an der Umsetzung. Ein Modellversuch im bayerischen Digitalministerium testet derzeit alternative Arbeitsplatzsoftware an einem Fünftel der Rechner. IT-Admins können solche Pilotprojekte beobachten, um eigene Strategien zu evaluieren.
In der Praxis hakt es jedoch oft an der Umsetzung. Ein Modellversuch im bayerischen Digitalministerium testet derzeit alternative Arbeitsplatzsoftware an einem Fünftel der Rechner. IT-Admins können solche Pilotprojekte beobachten, um eigene Strategien zu evaluieren.
Klappt Open Source in der Praxis?
Dass ein Wechsel weg von proprietärer Software funktionieren kann, beweist die Bayerische Vermessungsverwaltung. Deren 51 Ämter und 22 Außenstellen setzen bereits seit vielen Jahren erfolgreich auf Open-Source-Lösungen und Eigenentwicklungen.
Für IT-Profis zeigt dieses Beispiel: Mit dem nötigen Know-how und einer klaren Strategie lassen sich Fachanwendungen durchaus souverän betreiben. Dies erfordert jedoch oft anfängliche Investitionen in Schulungen und die Anpassung interner Workflows.
Für IT-Profis zeigt dieses Beispiel: Mit dem nötigen Know-how und einer klaren Strategie lassen sich Fachanwendungen durchaus souverän betreiben. Dies erfordert jedoch oft anfängliche Investitionen in Schulungen und die Anpassung interner Workflows.
Greift das Bundeskartellamt ein?
Bislang hält sich das deutsche Bundeskartellamt in dieser Angelegenheit politisch eher zurück. Experten fordern jedoch eine unabhängige kartellrechtliche Überprüfung der Lizenz- und Bündelungspraktiken von Microsoft in Deutschland.
International sieht das anders aus: In Großbritannien, Australien, Italien und Japan laufen bereits Untersuchungen gegen den Konzern. Sollten diese Behörden regulierend eingreifen, könnte das langfristig auch zu faireren Lizenzbedingungen für deutsche IT-Abteilungen führen.
International sieht das anders aus: In Großbritannien, Australien, Italien und Japan laufen bereits Untersuchungen gegen den Konzern. Sollten diese Behörden regulierend eingreifen, könnte das langfristig auch zu faireren Lizenzbedingungen für deutsche IT-Abteilungen führen.
Zusammenfassung
- Die Abhängigkeit deutscher Behörden von US-Software verursacht hohe Kosten
- Internationale Kartellbehörden prüfen die Lizenzmodelle von Microsoft
- Bayern zahlt von 2020 bis 2027 rund 360 Millionen Euro für IT-Lizenzen
- Der US Cloud Act ermöglicht amerikanischen Behörden den Zugriff auf Daten
- Schleswig-Holstein und Thüringen setzen verstärkt auf Open-Source-Software
- Experten fordern ein entschlosseneres Handeln des Bundeskartellamts
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