17-Jähriger legt geheime Piraterie-Blockliste deutscher Provider offen
Ein 17-jähriger Schüler hat eine geheime Liste der in Deutschland gesperrten Websites veröffentlicht. Die Aktion beleuchtet die umstrittene Praxis freiwilliger Netzsperren durch Provider und Rechteinhaber und entfacht eine Debatte über Transparenz und Informationsfreiheit.
Die CUII ist eine Vereinigung von sechs großen deutschen Internetprovidern und neun Rechteinhabern sowie Lobbygruppen wie der Motion Picture Association, dem Bundesverband Musikindustrie und der Deutschen Fußballliga. Sie entscheidet ohne gerichtliche Anordnung darüber, welche Websites wegen "struktureller Urheberrechtsverletzungen" gesperrt werden sollen.
Die CUII selbst argumentiert, dass ihre Empfehlungen den geltenden Gesetzen und der Rechtsprechung folgen und dazu dienen, "unnötige Gerichtsverfahren zu vermeiden". Kritiker sehen darin jedoch eine Umgehung des ordentlichen Rechtswegs.
Problematisch ist laut Kritikern, dass durch die Sperrung ganzer Domains auch legale Inhalte betroffen sein können. Zudem stellt sich die Frage nach möglichen wettbewerbsrechtlichen Konflikten, da die gesperrten Seiten teils eine direkte Konkurrenz für die in der CUII vertretenen Unternehmen darstellen.
Damian betont, dass die Sperren technisch leicht zu umgehen sind. Auf seiner Website erklärt er, wie Nutzer durch einen Wechsel des DNS-Servers die Blockaden aufheben können. Dies wirft die Frage nach der Effektivität der Maßnahmen auf.
Der junge Aktivist, der nach eigenen Angaben keine der gesperrten Seiten selbst nutzt, sieht sein Projekt als wichtigen Beitrag zur Transparenz. Er argumentiert, dass ohne Kenntnis der gesperrten Domains eine Überprüfung auf mögliche Fehler oder Übergriffe nicht möglich sei.
Innerhalb von zwei Wochen erstellte er die Website. Ursprünglich plante er, ein Tool zu entwickeln, mit dem Nutzer automatisch prüfen können, ob und bei welchen Providern eine Website gesperrt ist. Doch dann erhielt er von einem anonymen Informanten unter dem Pseudonym "Northernside" eine aktuelle CUII-Sperrliste, die offenbar von einem Internetprovider stammt.
Mithilfe von vier Bekannten entwickelte Damian ein Skript, das die Sperrliste minütlich auf Aktualität überprüft. Dabei stellte sich heraus, dass acht Seiten kürzlich entsperrt wurden, vermutlich weil sie ohnehin nicht mehr erreichbar waren.
Siehe auch:
Junger Aktivist deckt Internetsperren auf
Ein 17-jähriger deutscher Schüler namens Damian hat eine bislang geheime Liste von Websites veröffentlicht, die von deutschen Internetprovidern gesperrt werden, und zwar auf freiwilliger Basis. Die Veröffentlichung erfolgte auf der von ihm erstellten Website cuiiliste.de und umfasst 275 Domains bzw. Subdomains, die von der sogenannten Clearingstelle Urheberrecht im Internet (CUII) als urheberrechtsverletzend eingestuft wurden.Die CUII ist eine Vereinigung von sechs großen deutschen Internetprovidern und neun Rechteinhabern sowie Lobbygruppen wie der Motion Picture Association, dem Bundesverband Musikindustrie und der Deutschen Fußballliga. Sie entscheidet ohne gerichtliche Anordnung darüber, welche Websites wegen "struktureller Urheberrechtsverletzungen" gesperrt werden sollen.
Kritik an mangelnder Transparenz
Damian kritisiert vor allem die fehlende Transparenz des Verfahrens: "Wenn eine private Organisation ohne Anhörung von Richter*innen entscheiden kann, welche Internetseiten sie sperrt, dann ist das ein Problem", sagte Damian gegenüber Netzpolitik.org (via TorrentFreak). Er sieht darin eine Art privatwirtschaftliche Paralleljustiz, die verfassungsrechtlich bedenklich sei.Die CUII selbst argumentiert, dass ihre Empfehlungen den geltenden Gesetzen und der Rechtsprechung folgen und dazu dienen, "unnötige Gerichtsverfahren zu vermeiden". Kritiker sehen darin jedoch eine Umgehung des ordentlichen Rechtswegs.
Breites Spektrum gesperrter Seiten
Auf der von Damian veröffentlichten Liste finden sich 104 einzigartige Domains. Darunter sind bekannte Streaming- und Torrent-Portale, aber auch Seiten wie die Schattenbibliothek Sci-Hub, die wissenschaftliche Artikel kostenlos zur Verfügung stellt.Problematisch ist laut Kritikern, dass durch die Sperrung ganzer Domains auch legale Inhalte betroffen sein können. Zudem stellt sich die Frage nach möglichen wettbewerbsrechtlichen Konflikten, da die gesperrten Seiten teils eine direkte Konkurrenz für die in der CUII vertretenen Unternehmen darstellen.
Damian betont, dass die Sperren technisch leicht zu umgehen sind. Auf seiner Website erklärt er, wie Nutzer durch einen Wechsel des DNS-Servers die Blockaden aufheben können. Dies wirft die Frage nach der Effektivität der Maßnahmen auf.
Der junge Aktivist, der nach eigenen Angaben keine der gesperrten Seiten selbst nutzt, sieht sein Projekt als wichtigen Beitrag zur Transparenz. Er argumentiert, dass ohne Kenntnis der gesperrten Domains eine Überprüfung auf mögliche Fehler oder Übergriffe nicht möglich sei.
Hintergründe und Entstehung
Damian investierte seine Sommerferien in die Entwicklung von cuiiliste.de. Zunächst recherchierte er zur CUII und stellte fest, dass die Domain cuiiliste.de verfügbar war. "Da dachte ich mir, das bringe ich mal als Spaßprojekt wieder auf Vordermann", sagte er gegenüber Netzpolitik.Innerhalb von zwei Wochen erstellte er die Website. Ursprünglich plante er, ein Tool zu entwickeln, mit dem Nutzer automatisch prüfen können, ob und bei welchen Providern eine Website gesperrt ist. Doch dann erhielt er von einem anonymen Informanten unter dem Pseudonym "Northernside" eine aktuelle CUII-Sperrliste, die offenbar von einem Internetprovider stammt.
Mithilfe von vier Bekannten entwickelte Damian ein Skript, das die Sperrliste minütlich auf Aktualität überprüft. Dabei stellte sich heraus, dass acht Seiten kürzlich entsperrt wurden, vermutlich weil sie ohnehin nicht mehr erreichbar waren.
Zusammenfassung
- Damian veröffentlicht geheime Liste gesperrter Websites
- Liste umfasst 275 Domains, von CUII als illegal bewertet
- CUII setzt sich aus Providern und Rechteinhabern zusammen
- Keine gerichtliche Kontrolle bei Entscheidungen der CUII
- Kritik an mangelnder Transparenz und Paralleljustiz
- Sperrungen betreffen auch legale Inhalte und Wettbewerber
- Damian zeigt auf cuiiliste.de, wie Sperren umgangen werden
Siehe auch:
- Europäische Fußballligen: X ist "Heimat der Social Media-Piraterie"
- Seltsame Explosion: YouTube wird von Piraterie-Filmen überschwemmt
- "Bitte keine Piraterie-Filme mehr ausstrahlen": Ghana warnt TV-Sender
- Immer mehr greifen zu Piraterie, weil ihnen Streaming "zu teuer" ist
- Filmindustrie startet neuen Großangriff auf Piraterie-Webseiten
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