Boeing 787 Dreamliner: Whistleblower zeigt weitere desaströse Fehler

Ein neuer Whistleblower hat schwere Vorwürfe gegen Boeing erhoben. Der Informant arbeitet als Mechaniker beim Boeing-Auftragnehmer Strom und hat jetzt gegenüber dem Sender CNN erläutert, wo es Probleme an sicherheitsrelevanten Teilen gäbe.

Neuer Whistleblower warnt vor Fehlern

Nicht erst seit Anfang des Jahres beim Flug einer Alaska Airlines-Maschine mitten im Flug ein Teil des Rumpfes herausbrach, ist Boeing aufgrund mangelnder Fertigungsqualität in den Schlagzeilen. Schon damals führte man das kostensparende Outsourcing als Qualitätsproblem an.

Nun liegt ein Bericht des Mechanikers Richard Cuevas vor, der die Vorwürfe bestätigt und genauer ins Detail geht. Der Whistleblower behauptet, dass im Jahr 2023 im Spirit-Werk in Wichita, Kansas, unsachgemäß Löcher in die vorderen Druckschotten der Boeing 787 Dreamliner gebohrt wurden. Diese Druckschotten sind entscheidend für die strukturelle Integrität des Flugzeugs während des Flugs. Solche Fertigungsmängel können dabei verheerende Folgen haben.


Cuevas berichtet, dass er im Oktober 2023 Boeing und Spirit über "minderwertige Herstellungs- und Wartungsprozesse" informiert habe, die er beobachtete. Nur wenige Monate später sei er entlassen worden, wie aus Beschwerden hervorgeht, die von seinen Anwälten bei CNN vorgelegt wurden. Ähnliche Vorgehensweisen gegen Qualitätsprüfer waren schon vor einigen Wochen bekannt geworden.

Sicherheitsbedenken

Die Federal Aviation Administration (FAA) ermutigte in einer Erklärung jeden, der Sicherheitsbedenken hat, diese zu melden, und versicherte, dass alle Meldungen gründlich untersucht werden. Die FAA überprüfte allein in diesem Jahr schon 126 von Whistleblower gemeldeten Bedenken, die sich mit Boeing oder deren Partner befassen.

Cuevas reichte eine Beschwerde bei der Ethik-Hotline von Boeing ein und informierte die Geschäftsleitung über seine Bedenken, dass Spirit die Probleme vor Boeing verheimliche. Er behauptet, dass Boeing im Oktober 2023 eine Untersuchung seiner Bedenken einleitete und das Spirit-Management auch darüber informierte.
Boeing 737 MaxDas Loch im Rumpf der Alaska Airline-Maschine

Boeings Untersuchung

Während dieser Zeit habe ein Kollege in einem Meeting erklärt, dass man einen "Spitzel" im Team vermute; im März wurde Cuevas dann plötzlich entlassen. Boeing erklärte, die Vorwürfe von Cuevas seien bereits untersucht worden und stellten kein Sicherheitsproblem dar. "Ein Mitarbeiter eines Subunternehmers hatte uns zuvor Bedenken mitgeteilt, die wir gründlich untersucht haben", so das Unternehmen gegenüber CNN. "Eine technische Analyse ergab, dass die angesprochenen Probleme kein Sicherheitsproblem darstellten und behoben wurden."

Cuevas sagte, er habe seine Beobachtungen bei drei Flugzeugen gemacht, an denen er arbeitete, und glaubt, dass sie mindestens 10 bis 12 Flugzeuge betreffen, die sich entweder in der Produktion befinden oder bereits an Boeing übergeben wurden.

Anhaltende Pannenserie

Diese Vorwürfe sind nicht neu. Ein früherer Whistleblower, der Boeing-Ingenieur Sam Salehpour, meldete ähnliche Lücken in den Flugzeugen 787 und 777. Die FAA und Boeing stoppten fast zwei Jahre lang, ab 2021, die Auslieferungen der neuen Dreamliner, während sie die Lücken untersuchten.

Boeing nahm nach eigenen Angaben Änderungen an seinem Fertigungsprozess vor, und die Auslieferungen wurden schließlich wieder aufgenommen. Mehr als ein Dutzend Whistleblower haben sich in den letzten Jahren an Boeing oder die Öffentlichkeit gewandt. Die FAA hat mehrere Untersuchungen gegen Boeing eingeleitet, und das US-Justizministerium prüft mögliche Strafanzeigen gegen das Unternehmen wegen der anhaltenden Qualitäts- und Sicherheitsmängel.

Zusammenfassung
  • Neuer Whistleblower erhebt schwere Vorwürfe gegen Boeing
  • Mechaniker Richard Cuevas berichtet über Fertigungsmängel bei Boeing 787
  • Unsachgemäß gebohrte Löcher in vorderen Druckschotten der Dreamliner
  • Cuevas informierte Boeing und Spirit über minderwertige Herstellungsprozesse
  • FAA ermutigt zur Meldung von Sicherheitsbedenken und untersucht alle Hinweise
  • Boeing erklärte, Cuevas Vorwürfe seien untersucht und als unbedenklich eingestuft
  • Mehr als ein Dutzend Whistleblower meldeten sich in den letzten Jahren bei Boeing

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